Wettingen
Zum 40. Geburtstag will das Arwo Berührungsängste zu Behinderten abbauen

Vor 40 Jahren eröffnete die Stiftung für Behinderte Wettingen das Arbeitszentrum, das heutige Arwo. Heute ist es der grösste Arbeitgeber der Gemeinde - mit insgesamt fast 500 Arbeits- und Ausbildungsplätzen sowie Betreuern.

Dieter Minder
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Arwo Wettingen feiert 40. Geburtstag
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Roland Meier, Geschäftsleiter Arwo «Im Moment gibt es zu wenig Plätze, wo die Menschen ihren Lebensabend verbringen können.»
Druckvorbereitung.
Hier entsteht ein besonders schönes T-Shirt.

Arwo Wettingen feiert 40. Geburtstag

Alex Spichale

Das Arwo, die Stiftung für Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung (Arbeiten und wohnen), feiert den 40. Geburtstag. In den 40 Jahren ist der bei der Gründung 30 Personen umfassende Betrieb auf rund 500 Mitarbeiter angewachsen. Am Tag der offenen Tür am 26. April geben Mitarbeiter und Bewohner Einblick in ihre Werkstätten und ins Wohnheim.

40 Jahre Arwo: Eine Geschichte des steten Ausbaus

1967: Eltern von Kindern mit einer geistigen Behinderung gründen die Vereinigung zur Förderung Behinderter, heute Insieme Region Baden-Wettingen.

1973: Die Elternvereinigung gründet zusammen mit der Gemeinde Wettingen die Stiftung für Behinderte Wettingen.

1974: Als erster Betrieb der Stiftung wird das Arbeitszentrum Wettingen (AZW) im Neubau an der Kirchstrasse eröffnet.

1981: Das Wohnheim Kirchzelg mit 44 Wohnplätzen und 20 Arbeitsplätzen wird eröffnet.

1986: Die Werkstatt Limmatrain wird als Filialbetrieb eröffnet.

1986: Eröffnung des Kleinheims für Menschen mit intensiver Behinderung und des Stöcklis für Seniorinnen und Senioren.

1998: Alle Stiftungsbetriebe werden unter dem Namen Arbeiten und wohnen (Arwo) zusammengefasst. Die Schreinerei zügelt in die von der gemeinde gemietete Werkhof-Schreinerei.

2000: Das Wohnheim wird erweitert.

2001: Der Kiwanis Club gibt erstmals den Arwo-Kunstkalender heraus.

2007: Die 7. Wohngruppe, in Ennetbaden wird eröffnet.

2007: Die Arwo richtet am Hallwilersee ein Ferienheim ein.

2008: Die Arwo betreibt erstmals während der Freibad-Saison das Restaurant und den Kiosk des Terrassenschwimmbads Baden.

2011: Der Arwola (Verkaufladen) an der St. Bernhardstrasse 2 in Wettingen nimmt den Betrieb auf, in Niederrohrdorf wird die 9. Wohngruppe eröffnet. (DM)

Mit rund 270 Arbeits- und Ausbildungsplätzen für Menschen mit einer Behinderung sowie 220 Mitarbeiter in der Betreuung ist das Arwo der grösste Arbeitgeber von Wettingen. Und auch im 40. Unternehmensjahr geht der Ausbau weiter.

So ist im Büntquartier ein Gebäude mit 36 Wohnplätzen geplant. Zurzeit läuft der Projektwettbewerb, die Ergebnisse sollen in der zweiten Jahreshälfte bekannt gemacht werden. «Wir hoffen, das neue Haus im Herbst 2017 beziehen zu können», sagt Roland Meier, Vorsitzender der Geschäftsleitung. Im Gebäude soll auch eine grosse Küche eingebaut werden.

Diejenige im Wohnheim, ausgelegt für 150 Mittagessen, ist längst an der Kapazitätsgrenze angelangt. In ihr werden pro Tag rund 350 Mittagessen zubereitet. Rund 150 davon gehen an die Mittagstische der Wettinger Schulen. Finanziert wird das Arwo durch den Produkteverkauf und den Leistungen des Kantons für die Menschen mit Behinderung.

Das Arwo-Jahr 2013

Kennzahlen Geschäftsjahr 2013, Beträge in Millionen Franken.

Gesamtumsatz: 21
Ertrag Produktion: 4,7
Ertrag Leistungen für Betreute: 5,1
Ertrag Leistung Kanton: 11,2


Personen
Klienten Bereich Arbeiten: 275
Klienten Bereich Wohnen: 113
Angestellte: 236

«Wir hatten gemischte Gefühle», erinnert sich Martin Finschi an den 4. November 1974 zurück. An diesem Herbsttag nahm er als Geschäftsführer zusammen mit zwei Mitarbeitern und 11 Menschen mit Behinderung die Arbeit im neuen Arbeitszentrum Wettingen (AZW) auf.

«Wir fragten uns, was wohl auf uns zukommen werde.» Es war einiges, wie der mittlerweile pensionierte Wettinger im Rückblick weiss. Aus den ursprünglich geplanten 2 Jahren Aufbauphase wurden 10, die Nachfrage war so gross.

Das Bedürfnis an Ausbildungs- Abklärungs-, und Arbeitsplätzen für Menschen mit einer Behinderung war gross. Sie mit Anfragen richtiggehend überschwemmt. «Wir erhielten in den ersten 10 Jahren insgesamt 495 Anfragen und Anmeldungen für Aufnahmen.»

Heute beschäftigt die Stiftung für Menschen mit einer Behinderung 220 Mitarbeiter und bietet über 270 Menschen einen geschützten Arbeits- oder Ausbildungsplatz sowie 115 Wohnplätze an. Ausruhen will sich der jetzige Geschäftsleiter Roland Meier aber keinesfalls. Der 50-Jährige hat Anfang Oktober 2013 die Führung des Sozialunternehmens übernommen, nachdem sein Vorgänger Alfred Isch überraschend starb.

Das Behindertenwesen sei beim Thema Älterwerden herausgefordert stellt Meier fest: «Auch Menschen mit Behinderung werden immer älter, leiden unter Demenz und Altersgebrechen. Im Moment gibt es in der Schweiz jedoch kaum geeignete Wohnformen und zu wenig Plätze, wo sie ihre Pension, ihren Lebensabend verbringen können.»

Schliesslich will man als eine der grossen Institutionen im Behindertenwesen des Kantons auch in Zukunft mitreden und dazu beitragen, dass Berührungsängste abgebaut werden. Aus diesem Grund lädt das Arwo in seinem Geburtstagsjahr am 26. April zum Tag der offenen Tür ein. Die Öffentlichkeit soll sich ein Bild davon machen, wie die einst aus einem guten Dutzend Menschen bestehende geschützte Werkstatt gewachsen ist.

Tag der offenen Tür, Samstag, 26. April. 9 bis 15 Uhr.