Würenlos
Investor will nach «Rössli» auch Post-Liegenschaft kaufen – warum der Preis unter dem Marktwert liegt

Dasselbe Baukonsortium, das schon auf dem «Steinhof»-Areal baut, will auch auf dem Areal von Post und «Rössli» tätig werden. Der Gemeinderat erhofft sich davon mehrere Vorteile – was sich auf die Preisforderung zur Post-Liegenschaft auswirkt, die der Gemeinde gehört.

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Die Post-Liegenschaft soll einem höheren Neubau weichen.

Die Post-Liegenschaft soll einem höheren Neubau weichen.

Philipp Zimmermann (29.04.2021)

Es ist fünf Jahre her, seit die Würenloser Wintergmeind den Kauf der Post-Liegenschaft im Dorfzentrum für 1,9 Millionen Franken absegnete. Zwei Ziele verfolgte die Gemeinde mit dem Immobiliendeal: Zum Ersten sollte die Erschliessung des Alterszentrums auf der benachbarten Zentrumswiese vereinfacht werden.

Zum Zweiten wollte die Gemeinde damit die Entwicklung des Dorfzentrums mitbestimmen können. «Es war schon damals geplant, dass die Liegenschaft später wieder veräussert werden soll», schreibt der Gemeinderat im Traktandenbericht zur kommenden Wintergmeind vom Dienstag.

An dieser nämlich ist der Verkauf der Post-Parzelle in Höhe von 1,85 Millionen Franken traktandiert. Die Wettinger Thalmann Steger Architekten AG hatte der Gemeinde im Namen eines Baukonsortiums eine Kaufofferte über 1,7 Millionen gemacht.

Rot markiert die Post-Liegenschaft, daneben das Gasthof Rössli, Zentrumswiese und Coop-Supermarkt:

Marktwert von knapp 2,3 Millionen Franken

Die Buchhaltung der Gemeinde weist für die Immobilie einen Wert von rund 2,197 Millionen, eine neue Schätzung einen Marktwert von 2,285 Millionen Franken aus. «Einschränkend für eine Käuferschaft wirken jedoch die Bestimmungen des Masterplans und des Gestaltungsplans. Das wirkt sich auf den Verkehrswert aus», führt der Gemeinderat aus. Der Gemeinderat sieht einen Vorteil für eine «gute Lösung für das Dorfzentrum» darin, wenn derselbe Investor die benachbarten Liegenschaften von Post und «Rössli» erwirbt.

Deshalb ist er zu einem tieferen Verkaufspreis bereit. Eine optimale bauliche Entwicklung und räumliche Gestaltung des Dorfzentrums dürfe die Gemeinde etwas kosten, «denn ein Dorfzentrum ist ein Begegnungsort für die Bevölkerung und es ist identitätsstiftend». Der Kaufpreis sieht eine Ausnützungsziffer von 0,8 vor. Damit ist ein dreigeschossiger Neubau möglich. Das jetzige Gebäude weist zwei Geschosse auf.

Das Baukonsortium besteht aus der Immohuus AG aus Wettingen, das Martin und Olivia Thalmann gehört, und der Immozins AG mit Sitz in Zürich. Dieses Konsortium hat bereits mit den Eigentümern der «Rössli»-Liegenschaft einen Kaufvertrag abgeschlossen.

Der Landgasthof Rössli soll weiterexistieren.

Der Landgasthof Rössli soll weiterexistieren.

Bild: Philipp Zimmermann (28.4.2021)

Das «Rössli» soll weiterbestehen

Ihm schwebt eine Wohnüberbauung auf beiden Parzellen vor. Für den Gasthof Rössli, der unter Denkmalschutz steht, sucht das Konsortium eine Pächterschaft. Der Gastronomiebetrieb soll weitergeführt werden.

Zur Post-Liegenschaft gehören die Post-Filiale, die Swisscom-Verteilzentrale im Untergeschoss sowie Wohnraum im Obergeschoss. Die Gemeinde erzielt aus diesen Mietverhältnissen Einnahmen von jährlich rund 127’000 Franken. Mit der Post laufen Verhandlungen, um die Post-Filiale im Neubau unterzubringen. Für die Verteilzentrale der Swisscom seien im Untergeschoss weiterhin Räumlichkeiten eingeplant. Vorgesehen ist weiter eine gemeinsame Tiefgarage für das Areal wie auch das Alterszentrum auf der Zentrumswiese. Nebenan befindet sich der Coop-Supermarkt.

Vor einer neuen Überbauung auf den Liegenschaften Post und «Rössli» ist ein neuer Gestaltungsplan unverzichtbar, wie der Gemeinderat ausführt. Die Gemeindebehörden haben in den vergangenen Jahren mit Martin Thalmann bei der Sanierung des Gasthofs Steinhof samt Areal-Überbauung eng zusammengearbeitet. «Die dafür eingesetzte Arbeitsgruppe konnte seinerzeit das Vorhaben zügig voranbringen und die Vertretungen der Gemeinde konnten dabei die Anliegen der öffentlichen Hand einbringen», unterstreicht der Gemeinderat. Eine solche Zusammenarbeit sei auch für das neue Projekt vorgesehen.

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