Wettingen
Rätsel, Spiele und Philosophie: Latein lebt, allen Unkenrufen zum Trotz

Der Lateintag war ein Erfolg. Die Veranstaltung auf der Wettinger Klosterhalbinsel zeigte die ganze Vielfalt einer facettenreichen Sprache.

Luca Giannini
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Besucher testen die Verteidigungstaktik der Römer.

Besucher testen die Verteidigungstaktik der Römer.

Markus Suter

Latein sei eine tote Sprache, total verstaubt und langweilig, hört man immer wieder. Ein ganz anderes Bild davon hat am Samstag der siebte Schweizerische Lateintag gezeigt, der in den Räumen der Kantonsschule auf der Wettinger Klosterhalbinsel rund 700 Besucherinnen und Besucher anzog, vom Oberstufenalter bis über die Pensionierung hinaus. Organisiert wird der Anlass jeweils vom Trägerverein lateintag.ch, mit dem Ziel, die Wahrnehmung und die Wertschätzung des Unterrichtsfachs Latein zu fördern.

Besucher werden von Legionären erwartet

Bereits am Eintritt zur Klosterhalbinsel wurden die Besucher von Legionären erwartet, die während des gesamten Tages als «Tourguides» wirkten und die Besucherinnen und Besucher zu den jeweiligen Referaten in den Räumen des ehemaligen Klosters führten.

In der Löwenscheune wurde der Tag dann offiziell eröffnet, von OK-Präsidentin Iris Karahusic und von Vertretern der Kantonsschule und der Gemeinde. Musikalisch wurde die Eröffnung vom Orchester der Kantonsschule umrahmt. Die Referate umfassten nicht nur eine grosse Zeitspanne, sie deckten auch eine grosse Themenvielfalt ab.

So wurde in die frühmittelalterlichen Rätsel eines angelsächsischen Mönchs eingeführt, die dann mit viel Schmunzeln gemeinsam gelöst wurden. Die bereits erwähnten Legionäre, die «Legio X», sind eine Gruppe von ehemaligen Gymnasiasten und ihrem Lateinlehrer, die sich nicht nur als solche kleideten, sondern auch die Ausrüstung der Legionäre und deren Anwendung demonstrierten.

Wer dem Vortrag über den Lateinunterricht in der Bildungsgeschichte zuhörte, konnte feststellen, wie hart schon seit rund 200 Jahren um den Status dieses Faches gerungen wird. Vom römischen Rhetoriker Cicero kann man gemäss dem Referenten Christoph Riedweg von der Universität Zürich viel für die Aktualität lernen: Die Politik braucht philosophiekundige Leute, die für das Wohl des Gemeinwesens arbeiten.

Weiter gab es Führungen durch das historisch bedeutende Gelände des Kloster Wettingens, man konnte römische Spiele kennen lernen und dem Solothurner Gymnasiallehrer Beat Jung zuhören, wie er seinen Vortrag auf Latein hielt.

Junges Publikum sorgt für Hoffnung

Iris Karahusic, Präsidentin des Schweizerischen Lateintages, resümiert begeistert: «Wir haben eine vollkommene, siebte Ausgabe des Schweizerischen Lateintages erreicht und es freut mich sehr, dass junge Leute die Mehrheit des Publikums ausmachen.»

Die Vermittlungsarbeit, die der Verein seit Jahren leistet, trage Früchte. Auf das Schuljahr 2020/21 hin hatten sich in den Aargauer Bezirksschulen mehr als 500 Jugendliche für das Fach Latein angemeldet und das junge Publikum des diesjährigen Lateintages macht Hoffnung, dass dieser Trend weitergeht. Erfreulich sei, so Karahusic, dass der Kulturanlass mittlerweile eine solche Bekanntheit erreicht habe, dass er bei der Planung und Organisation von kulturellen Grossanlässen und Projekten, wie der Kulturhalbinsel Wettingen oder dem Bäderfest 2022, berücksichtigt werde. All das zeigt: Latein lebt, allen Unkenrufen zum Trotz.

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