Wettingen
Eine Ära geht zu Ende: Wettinger Klosterchor löst sich nach 45 Jahren auf

Weil der Dirigent in Pension geht, hat der Chor einen Schlussstrich gezogen – und gibt am Sonntag im Kloster Wettingen noch ein letztes Konzert.

Ursula Burgherr
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Die Mitglieder des Klosterchors singen am Sonntag im Kloster Wettingen ein letztes Mal gemeinsam.

Die Mitglieder des Klosterchors singen am Sonntag im Kloster Wettingen ein letztes Mal gemeinsam.

zVg

«Es ist schon ein sehr spezielles Gefühl», meint Chorleiter Bernhard Hangartner im Vorfeld des ultimativ letzten Einsatzes seines Chors im Kloster Wettingen, der am 7. November über die Bühne gehen wird. Etwas Wehmut schwingt in seinen Worten mit. Bereits im März wollte der 65-Jährige seinen Abschied geben und hatte für die Umrahmung seiner Sängerinnen und Sänger eine Gregorianische Schola, Orchester und Solisten engagiert. Aber dann ging ab Oktober letzten Jahres wegen Corona gar nichts mehr, sämtliche Proben fielen aus.

Jetzt findet der Abschiedsanlass in einer abgespeckten Version in Form eines Gottesdienstes statt. «In diesem Bereich liegt auch der Ursprung unserer Musik. Ich freue mich trotz allem», sagt der Chorleiter. Auf dem Programm stehen am Sonntag in der Klosterkirche Wettingen eine Mottete von Gottfried August Homilius, ein Stück von Wolfgang Amadé Mozart, verschiedene Kirchenlieder in vierstimmigen Sätzen und ein Bach-Choral.

Danach ist endgültig Schluss. Hangartner will im Pensionsalter keinen wöchentlichen Probeverpflichtungen mehr nachgehen, sondern sich vermehrt freien Projekten widmen. Der Chor entschied sich daraufhin demokratisch, dass er keinen neuen Dirigenten sucht und sich auflöst.

Jüngere Chormitglieder wurden immer seltener

Rund 30 Mitglieder zählt der Klosterchor Wettingen heute noch. Und erlebte schon bessere Zeiten. Egon Schwarb, der aus einer Gruppe begeisterter Seminaristinnen und Seminaristen aus Wettingen im Jahr 1976 die Sängergemeinschaft aufbaute, konnte zu seinem Finale im Frühjahr 2000 mit einem über 50-köpfigen Chor eine fulminante Matthäus-Passion aufführen.

Die Leitung übernahm ab dato Bernhard Hangartner, der in Riniken wohnt und fast 40 Jahre an der Universität Zürich als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrbeauftragter tätig war. «Als mein Vorgänger seinen Rücktritt gab, reduzierte sich die Mitgliedschaft im Chor. Ich machte jahrelang mit rund 45 Leuten weiter», bekundet er.

Die ältesten Klosterchor-Sänger sind mittlerweile um die 80, die 40-Jährigen werden immer mehr zur Ausnahme. «Ich habe an der Universität in meinem Spezialfach für Gregorianische Gesänge immer viel interessierte Jugendliche gehabt, die sich in der Freizeit zu Gesangsgruppen formierten. Im Aargau gab ich nie Unterricht an einer Kantonsschule und es fehlte mir ein Gefäss, aus dem ich Nachwuchs generieren konnte», meint er zur Überalterung des Klosterchors Wettingen.

«Das tut mir vor allem für die Leute
weh, die weitersingen wollen.»

Es bestehen allerdings bereits Verbindungen zu anderen Chören, welche die stimmkräftigen Abgänger gerne aufnehmen. Hangartner hat im Aargau die Kirchenchöre von Umiken und Kaisten geleitet und war mit seiner Frau Elisabeth an der ökumenischen Kirchenmusikschule in Wettingen tätig. Die beiden haben die kirchenmusikalische Szene im Aargau wesentlich mitgeprägt.

Wenn sie am 7. November, um 11 Uhr, im Kloster Wettingen die Orgel spielt und ihren Mann begleitet, der seinem Chor das letzte Mal vorsteht, wird das ein ganz besonders berührender Moment sein.

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