Burnout
Vom Banker zum Hypnose-Therapeuten: «Burnout ist reine Kopfsache»

Früher hat Mike Schwarz als Banker gearbeitet. Vor zweieinhalb Jahren liess er sich zum Hypnose-Therapeuten ausbilden und eröffnete letzten April seine Praxis «hypnosetherapie.pro». Vorurteile gegenüber der Hypnose möchte er aus der Welt schaffen.

Katharina Herzig
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Mike Schwarz: «Viele Menschen können ihr Körper- und Selbstbewusstsein nicht im Alltag anwenden und gehen unbewusst durch die Welt.»

Mike Schwarz: «Viele Menschen können ihr Körper- und Selbstbewusstsein nicht im Alltag anwenden und gehen unbewusst durch die Welt.»

ZVG

Im Zimmer ist es still. Von draussen höre ich den Verkehr vorbeirauschen. Ich befinde mich in der Praxis «Hypnosetherapie.pro» in Baden bei meiner ersten Sitzung. Meine anfängliche Nervosität ist nach dem Einführungsgespräch mit Hypnosetherapeut Mike Schwarz komplett abgeklungen.

«Hypnose ist mit vielen Vorurteilen behaftet. Viele kennen sie nur vom Dschungelbuch her, als die Schlange Kaa den Mogli hypnotisiert. Oder die Leute kennen die Showhypnose, die mit meiner Hypnose nicht wirklich vergleichbar ist», versucht er mir die Angst zu nehmen.

Mike Schwarz hat an sich selbst schon positive Veränderungen durch Hypnose erleben dürfen. Dem ehemaligen Banker wurden aufgrund eines Burnouts Antidepressiva verschrieben. Er merkte schnell, dass die Medikamente aufgrund der Nebenwirkungen nichts für ihn waren.

«Ich habe mich informiert und herausgefunden, dass Burnout eine reine Kopfsache ist«, sagt er. Mit Hilfe eines Mentalcoaches gelang es ihm, innerhalb von zwei bis drei Wochen enorme Verbesserungen zu erzielen. «Es hat Klick gemacht bei mir. Ich wusste wieder was ich will und was nicht. Ich habe gelernt nein zu sagen und das hat mir den Stress genommen », erzählt er.

Vor zweieinhalb Jahren hat Schwarz beschlossen, eine Ausbildung bei «Omni Schweiz» zu absolvieren. «Omni» ist eine spezielle Methode in der Hypnose. Sie geht davon aus, dass psychische oder körperliche Symptome ein emotionales Ereignis als Auslöser haben.

Dieses Ereignis führt im Unterbewusstsein zu Verknüpfungen, die Ängste oder Blockaden entstehen lassen. «Nach solchen fehlerhaften Verknüpfungen suchen wir gemeinsam in der Hypnose und lernen damit umzugehen», sagt Schwarz.

Hypnose ist Selbstheilung

Wie ich bei meiner Hypnosesitzung am eigenen Leib erfahren konnte, wird entgegen vielen Vorurteilen, der eigene Wille nicht abgestellt oder manipuliert. Der Therapeut hilft dem Kunden, mithilfe seiner Stimme in einen schlafähnlichen Zustand tiefer Entspannung zu gelangen. Ich hätte dabei jederzeit davonlaufen können, wenn ich gewollt hätte.

In diesem Zustand sollte ich lernen, die Kraft meiner Gedanken und des Unterbewusstseins auszunutzen. «Viele Menschen können ihr Körper- und Selbstbewusstsein nicht im Alltag anwenden und gehen unbewusst durch die Welt. Ich helfe dem Kunden, seine eigenen Selbstheilungsprozesse im entspannten Zustand der Hypnose zu aktivieren. Man hat dann einen besseren Zugang zu den eigenen Gefühlen.»

Die Voraussetzung für das Funktionieren der Hypnose ist, dass die Person dem Therapeuten vertraut und auch den Willen zur Veränderung hat», sagt Mike Schwarz. Viele Leute kommen beispielsweise zur Rauchentwöhnung in die Praxis. Wenn jemand mit der Einstellung «Machen Sie mir das Rauchen weg» herkäme, erklärt Schwarz, dann seien das keine guten Voraussetzungen für ein Gelingen.

«Der Hypnosetherapeut ist nur der Coach, der dem Kunden die Anleitung in die Hand legt. Der Raucher macht sich aber selbst zum Nichtraucher», sagt er. Weitere Gründe, weswegen Leute in die Praxis kommen, sind Schlafstörungen, ADHS/ADS, Panikattacken, Ängste und Phobien, aber auch Krankheiten mit wenig Aussichten auf Heilung, wie zum Beispiel Amyotrophe Lateralsklerose (ALS).

«Es ist schön Menschen helfen zu können, die nach jahrelangen Arzt- und Psychiaterbesuchen noch keine Lösung für ihr Problem gefunden haben», sagt Mike Schwarz dazu.