Strassenlampen-Diskussion nach Übergriff

Asylbewerber soll junge Frau in ihrer Wohnung in Wettingen sexuell missbraucht haben – nun wird das nächtliche Lichterlöschen kritisiert.

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Ein 22-jähriger Asylbewerber soll in der Nacht auf Sonntag eine junge Frau in Wettingen bis in ihre Wohnung verfolgt und sie dort sexuell missbraucht haben (die AZ berichtete). Laut Roland Pfister, Kommunikationschef der Kantonspolizei Aargau, lief der Tatverdächtige der Wettingerin bis zu ihrem Wohnort hinterher, wo es ihm – offenbar unbemerkt und ohne Gewalt anzuwenden – gelungen ist, in die Wohnung einzudringen, wie Pfister zu Tele M1 sagt. Dort sei es schliesslich zum Übergriff gekommen. Kurz darauf nahmen Kantons-, Regional- und Stadtpolizei die Ermittlungen auf und konnten den Mann am späten Sonntagmorgen an seinem Wohnort verhaften. Er sei in Würenlos wohnhaft und schon mehrfach unangenehm aufgefallen, berichtet der «Blick».

Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Die Staatsanwaltschaft hat gegen den Asylbewerber ein Verfahren wegen Verdachts auf versuchte Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Drohung und mehrfache einfache Körperverletzung eröffnet. Er sitzt in Untersuchungshaft. Nach der Tat ist Kritik an der Gemeinde Wettingen laut geworden. So werden hier seit Mitte Februar um 1 Uhr nachts die Strassenlampen abgeschaltet. Viele junge Frauen sind deshalb beunruhigt und fühlen sich unsicher: «Es ist stockfinster», sagt eine Wettinger Passantin zu Tele M1. Sie bezeichnet es als «dumm», die Strassenbeleuchtung nachts abzuschalten.

Auch weitere Befragte sind überzeugt, dass sie sich sicherer fühlen würden, wären die Strassen während der Nacht weiterhin beleuchtet. Dass Wettingen seit Februar nachts die Lichter löscht, hat mehrere Gründe. Die Gemeinde erhofft sich dadurch weniger Lichtverschmutzung und Einsparungen von rund 20000 Franken pro Jahr. Wettingen folgt damit dem Beispiel mehrerer Aargauer Gemeinden, die das nächtliche Lichterlöschen seit Jahren so handhaben.

GLP-Vorstoss nicht

wortgetreu umgesetzt

Das sei zwar lobenswert, aber soll nicht auf Kosten der Sicherheit gehen, findet SVP-Einwohnerrat Jürg Baumann. Gegenüber Tele M1 erklärt er: «Man müsste das Licht nachts wieder brennen lassen oder das Licht erst später löschen, zum Beispiel um 2 Uhr.»

Die Idee für das nächtliche Lichterlöschen stammt aus der Feder der Wettinger Grünliberalen. Der Vorstoss der Fraktion sei allerdings in abgeänderter Form umgesetzt worden, wie GLP-Einwohnerrätin Manuela Ernst zu Tele M1 sagt. «Wir haben damals gefordert, dass die Abschaltung der Strassenlampen nur unter der Woche erfolgt und das Licht an den Wochenenden bleibt.» So handhabe es heute etwa auch die Stadt Baden.

Nächste Motion in den Startlöchern

Das Thema Strassenbeleuchtung bleibt weiterhin ein Diskussionsthema in Wettingen. In einer Motion wird gefordert, die Strassenlampen in der Nacht gar eine Stunde länger ausgeschaltet zu lassen. Ob der Übergriff vom letzten Wochenende an diesem Begehren etwas ändert, wird die Zukunft zeigen. (luk/cla)