Baden
Stadtentwicklung - «Es wird nicht mehr gekämpft wie früher»

Raumplanerin Gabriela Barman nahm das Stadtmodell der neuen Dauerausstellung zum Anlass und diskutierte mit drei prägenden Kräften von früher über die Entwicklung der Stadt und die Probleme von damals und heute.

Roman Huber
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Podium (v. l.) mit Gabriela Barman (Badens Raumplanerin), Gerhard Schibli (alt Stadtingenieur), Josef Tremp (alt Stadtarchitekt), Hans Wanner (alt Stadtplaner).

Podium (v. l.) mit Gabriela Barman (Badens Raumplanerin), Gerhard Schibli (alt Stadtingenieur), Josef Tremp (alt Stadtarchitekt), Hans Wanner (alt Stadtplaner).

Roman Huber

Wer könnte besser über die Stadtplanung von 1960 bis 2000 Auskunft geben als die damals verantwortlichen Stadtplaner selber? Carol Nater Cartier, Leiterin des Historischen Museums, nahm das Stadtmodell der neuen Dauerausstellung zum Anlass und lud Stadtingenieur Gerhard Schibli, Stadtarchitekt Josef Tremp und Stadtplaner Hans Wanner zum Gespräch ins Haus – es mussten zusätzliche Stühle her.

Es war eine vielfältige, rasante und dennoch weitgehend kontrollierte Entwicklung, welche die drei Planungs-Exponenten im letzten Jahrhundert stark mitprägten. Worauf sie denn stolz seien, wollte Gabriela Barman, Raumplanerin der Stadt und Moderatorin des Gesprächs, wissen. «Freude» sei zutreffender, meinte Gerhard Schibli. So erfülle ihn heute noch jedes Mal mit Freude, wenn er durch die verkehrsfreie Badstrasse gehe, eine der ersten Fussgängerzonen in der Schweiz.

Ende der Wachstumseuphorie

Bei Josef Tremp ist es die Architektursprache, «welche die Stadt Baden über Wettbewerbe zu einer gehobenen Bauweise geführt hat». Das habe etwas mehr Zeit gekostet, aber zum besseren Endprodukt geführt. «Heute würde ein solches Objekt wohl dem Sparen zum Opfer fallen», sagte Tremp zum Bau des neuen Historischen Museums. Hans Wanner bezeichnete das Image des damaligen Badens als weltoffen mit einer grossen Planungstradition. Wegweisend sei die Eingemeindung von Dättwil und Rütihof gewesen, «wo die Stadt ihren Wohnanteil vergrössern konnte», sagte Schibli.

Dättwil lieferte das Stichwort für die Planungsvision Rosinante, die aus dem Dorf eine Satellitenstadt hätte machen sollen. Wanner erinnerte an die Diskussionen, als es darum ging, den alten Dorfteil vor dem Abriss zu retten. Wanner und Tremp sprachen vom Ende der Wachstumseuphorie. Die hochfliegenden Visionen wurden reduziert, gewisse Einzelteile (in Dättwil das Rüteli) davon realisiert. Wanner: «Der Respekt vor alten Baubeständen, der Einsatz für die Umwelt sowie ein hohes Qualitätsdenken brachten einen Umschwung.»

Die Verbindung zur aktuellen Diskussion um die Ostaargauer Strassenentwicklung war hergestellt. Schibli schilderte, wie zwar die grosse Verkehrssanierung zustande kam, der grosse Ring aber, über den der Strassenverkehr die Stadt nördlich hätte umfahren sollen inklusive grosse Bahnverlegung begraben wurde.

Wanner erklärte am Beispiel von Baden Nord, dass nur gute Partnerschaft mit den Firmen und Flexibilität beider Seiten nach harten Verhandlungen eine Entwicklung möglich gemacht hätten, wie sie stattfinden konnte. Was hiervon heute noch möglich wäre, liessen die drei Planer offen.

Von «Früher» ins Heute

Ob die Festschreibung eines Wohnanteils in der Bau- und Nutzungsordnung von den Bürgerlichen im Einwohnerrat heute unterstützt würde, das wisse er nicht, meint Wanner, und erklärt: «Im Einwohnerrat gab es damals bei solchen Themen kein Hickhack. Man entschied für die Sache Badens.» Tremp hadert mit der heutigen Liegenschaftspolitik der Stadt Baden.

«Früher hatte die Stadt stets versucht, Liegenschaften zu kaufen», sagte er und spielt auf den Ladenmix in der Innenstadt an. Heute würden sie verscherbelt, so Tremp zum Verkauf des Pflegzentrums und weiterer Liegenschaften an der Schönaustrasse.

«Heute wird nicht mehr für die gute Sache gekämpft»

Was war denn früher besser? «Wir hatten freie Hand bei der Planung, das entsprechende Vertrauen bei der politischen Behörde und ein gutes Einvernehmen mit den massgebenden Stellen beim Kanton», verglich Josef Tremp mit heute. «Gab es Opposition, dann schafften wir ein gutes Klima und suchten das Gespräch. Heute wird vieles negativ dargestellt, und für die gute Sache wird nicht mehr gekämpft», erklärte Hans Wanner. «Wir schufen von Beginn weg Transparenz und bezogen die Betroffenen rechtzeitig mit ein», sagte Gerhard Schibli rückblickend.

Schibli, Tremp und Wanner sind überzeugt, dass die Stadt Baden ein beschränktes Potenzial habe. Um ihr zusammen mit der Region mehr Gewicht zu geben, brauche es den Zusammenschluss von Gemeinden. Ratschläge wollten sie ihren Nachfolgern keine mitgeben. Sie sind sich einig, dass es in der heutigen Zeit des Misstrauens, wo man Projekte der Zukunft wiederholt zu verhindern suche, schwieriger sei als noch zu ihrer Wirkenszeit.

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