Baden
Stadtcasino-Kampagne: Ist das weltoffene Baden verklemmt?

Das Stadtcasino wirbt mit einem Model im schwarzen Décolleté für Kunden. Ist die Kampagne sexististisch oder einfach nur sexy? Zwei Redaktorinnen sind sich uneinig.

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So wirbt das Grand Casino.

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ZVG
Die Werbekampagne des Stadtcasinos
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Die Werbekampagne des Stadtcasinos
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Zur Verfügung gestellt

Casino-Werbung: Ist der Sexismus-Vorwurf gerechtfertigt?

Erna Jonsdottir

Erna Jonsdottir

Mathias Marx

JA von Erna Jonsdottir, Redaktorin

«Eins auf die Finger tut den Buben gut»

Bilder sagen mehr als tausend Worte, so das Sprichwort. Das gilt auch für die Bildsprache, die – wie in diesem Fall – gar nichts oder etwas ganz anderes, als gemeint ist, aussagen kann. Das Pin-up-Girl ist entweder ein Abklatsch des Sexsymbols Marilyn Monroe oder eine blonde Kopie der amerikanischen Burlesque-Queen Dita Von Teese. Kann man sie fesseln und über die Bar legen? Okay, das war jetzt etwas übertrieben. Im Ernst: Das Plakat ist kein bisschen originell, sondern schlicht und einfach langweilig. Monroe und Von Teese haben wir schon 1000-mal gesehen, genauso wie Titten und Ärsche. Hinzu kommt, dass der Kunde auf eine falsche Fährte gelockt wird. An der Casino-Bar stehen keine Pin-up-Girls, die den Herren einen Drink schütteln. Ob das Plakat sexistisch ist, darüber lässt sich streiten. Das Casino hat in den letzten Jahren mit ganz anderen Sujets für Furore gesorgt. Deshalb ist es gut, den Casino-Buben zwischendurch mal eins auf die Finger zu klopfen.

Nadja Rohner

Nadja Rohner

Aargauer Zeitung

NEIN von Nadja Rohner, Redaktorin

«Warum ist Baden bloss so verklemmt?»

«Läck, die Badener Bünzli mal wieder», ist mein erster Gedanke, als ich vom Sexismus-Vorwurf lese und die Bilder sehe. Stretch-Samt. Blingbling. Rote Lippen. Und, oh Schreck, ein bisschen Ausschnitt und blutte Haut. Alles aufgemacht wie in einem pseudoverruchten Neunzigerjahre-Porno. Lahm – aber nicht problematisch. Sind die Plakate originell? Nö. Sprechen sie mich an? Nicht im Geringsten. Finde ich sie plump, langweilig, dämlich? Und ob. Aber Sexismus, der «den gesellschaftlichen Bemühungen zur Gleichstellung der Geschlechter entgegenläuft», wie es in der Anfrage von Andrea Arezina heisst, kann ich darin nicht erkennen. Warum so verklemmt? Geworben wird nicht für eine Kita oder eine Gemeindeverwaltung, sondern für ein Casino! Das assoziiert man nun mal mit ein bisschen Aufregung, Glamour– und ja, auch Sex. Die Plakate sind Geschmackssache – aber sicher nichts, womit sich die Stadt Baden als Mehrheitsaktionärin befassen müsste. Der Stadtrat hat bekanntlich weit dringendere Probleme.