Baden
Orchester spielt Liebesgeschichten aus Amerika

Seit 20 Jahren leitet Dirigent Karl Herzog das Blasorchester Gebenstorf. Am Jubiläumskonzert spielen sie Klassiker aus Übersee.

Leonie Voelkin
Drucken
Teilen
Das BOG und sein Dirigent Karl Herzog beim Sommerkonzert «Jazz Suite» in Gebenstorf auf dem Areal der Firma Merz.

Das BOG und sein Dirigent Karl Herzog beim Sommerkonzert «Jazz Suite» in Gebenstorf auf dem Areal der Firma Merz.

zvg

Eine Liebesgeschichte in einem Bandenkrieg rivalisierender ethnischer Jugendbanden: Tony aus der Bande der Jets und Maria, die Schwester Bernardos, ein Sharkmitglied, verlieben sich. Es kommt zum Zweikampf. Toni ersticht Bernardo und stirbt später in Marias Armen. Die Rede ist vom Musical «West Side Story».

«Die Gegensätze von sozialen Schichten sowie die kulturellen Unterschiede und die Konflikte, die sie auslösen, sind in unserer heutigen Gesellschaft hochaktuell», sagt Karl Herzog. Der Dirigent des Blasorchester Gebenstorf (BOG) nimmt diese Aktualität zum Anlass, die Musik von Bernstein und Gershwin in sein Programm zu nehmen.

«Die Musik unterstützt und trifft die Handlung sowie die Thematik des ethnischen Konflikts», sagt Herzog. Die Kompositionen gäben viel her und seien anspruchsvoll. «Die symphonischen Tänze von Bernstein umzusetzen stand schon länger auf meiner Liste.» Mit dem Jubiläumskonzert kann Herzog sich diesen Wunsch nun erfüllen.

Vor rund 20 Jahren übernahm der damals 32-Jährige 1994 die Musikgesellschaft Gebenstorf. Aus der Dorfmusik formte er über die Jahre ein symphonisches Blasorchester auf hohem Niveau – das BOG. Diese 20 Jahre empfand Herzog nicht als lange: «Es ging einfach immer weiter, dass soll es auch weiterhin, stillstehen oder dem Mainstream zu verfallen, ist nicht meine Triebfeder, es sind die echten Gefühle und der Glaube die den Zauber auslösen.»

Die grösste Freude für ihn war und ist, dass im BOG genügend Menschen seine Gedanken und Hoffnungen fürs ehrliche Musizieren mit tragen. «Aus diesem gemeinsamen Tun entstehen die immer wieder berührenden Konzerterlebnisse, die wir gerne mit möglichst vielen Menschen teilen.»

Beschwingt und hektisch

Die Stücke der «West Side Story» aus dem Jahr 1957 bilden den Konzertkern. Durch die Liebesbeziehung zwischen Tony und Maria werden zwei musikalische Elemente in Verbindung gebracht. Die puerto-ricanischen «Sharks» werden musikalisch beschwingt und tänzerisch charakterisiert. Hingegen ihre Gegner, die einheimischen «Jets» tönen treibend und hektisch. «Bernstein hat die beiden Komponenten musikalisch schön verwebt», sagt Herzog.

Auch die Oper «Porgy und Bess» von George Gershwin erzählt eine Liebesgeschichte. Sie schildert die schweren Verhältnisse, Beziehungen und die Lebensumstände von Afroamerikanern in einer Schwarzensiedlung in Charleston um 1870. Durch die Verwendung von volkstümlichen Spiritual-, Blues- und Jazz-Elementen, steht die Oper stilistisch an der Grenze zum Musical.

Das BOG spielt daraus drei Stücke: die zwei Arien und das Duett werden als weiteren Höhepunkt des Konzerts gehandelt. Gemäss dem Willen von Gershwin darf «Porgy und Bess» nur von Schwarzen aufgeführt werden. Die einzige Ausnahme bilden Aufführungen in Konzertform und genau diese Ausnahme nutzt das BOG: Die Sopranistin Corinne Angela Sutter und der Bassist Toni Jörg übernehmen die Rollen von Bess und Porgy.

«West Side Story» im Trafo

Samstag 11. Oktober um 20 Uhr

Sonntag 12. Oktober um 17 Uhr

Aktuelle Nachrichten