Nur neun Tage nach der rauschenden Badenfahrt hat am Dienstagabend mit dem 15. Fantoche bereits der nächste Anlass mit nationaler, ja gar internationaler Ausstrahlung Fahrt aufgenommen. Ein Blick in die gut gefüllte Halle 37 im Trafo verriet schnell: von Badenfahrt-Kater oder Festmüdigkeit keine Spur. Vielmehr war den zahlreich erschienenen Gästen die Vorfreude auf das fünftägige Festival für Animationsfilm richtiggehend anzusehen. Wie international das Festival inzwischen ist, zeigte auch ein Blick in die Besucherreihen. Nicht wenige ausländische Gäste hatten Übersetzungs-Kopfhörer aufgesetzt – fast wähnte man sich an einer UNO-Konferenz.

Politisch ist auch das diesjährige Fantoche angehaucht, handelt doch eines der beiden Schwerpunktthemen von Brexit. Die Fantoche-Leitung spielte schon lange mit dem Gedanken, der langen Animationsfilm-Tradition Grossbritanniens einen Fokus zu widmen. Mit dem Entscheid zum EU-Austritt vor gut einem Jahr bot sich jetzt die perfekte Gelegenheit. Vor allem, weil der Brexit gut zum zweiten Schwerpunktthema «3 Generationen» passt.

Einige Animationsfilm-Happen, die Eröffnungsabend zu sehen waren.

«Man muss sich immer wieder von sich selbst verabschieden, um sich neu zu erfinden», sagte Festivalleiterin Annette Schindler in ihrer Begrüssungsrede. Das Fantoche sei schlechthin das Festival, wo sich jüngere und ältere Zeitgenossen begegnen könnten. «In vielen Dingen nähern sich die verschiedenen Generationen an. Und doch ist jede Generation anders geprägt – gerade auch was das Thema Film betrifft», so Schindler.

Attiger: «Ziehen Sie es sich rein»

Auch der Aargauer Landammann und Alt-Stadtammann Stephan Attiger war voll des Lobes für das Fantoche. «Das ist ein absoluter Höhepunkt im Kulturkalender des Kantons.» Er kenne kein anderes Festival, das so viele junge Menschen anspreche. «Auch meine Tochter wollte gleich am Mittwochabend mit mir ins Kino gehen.» Die höchste Badenerin, Einwohnerratspräsidentin Stefanie Heimgartner, räumte etwas zerknirscht, aber sympathisch ehrlich ein: «Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich noch nie am Fantoche war. Aber ich werde bestimmt wiederkommen.» Dies umso mehr, also sie als Kind wie viele andere Kinder von den Zeichentrickfilmen wie Road Runner, Dschungelbuch oder Lions King begeistert war.

Sogar die nationale Politik machte der Fantoche-Eröffnung ihre Aufwartung. Für die Zürcher SP-Nationalrätin Min Li Marti ist das Fantoche Ausdruck der kulturellen Vielfalt in der Schweiz. «Nicht alles muss in Zürich passieren. Hier hab ich zwar keinen roten Teppich gesehen. Doch in Sachen Animationsfilm kann es das Fantoche jederzeit mit Hollywood aufnehmen.»

Stephan Attiger schloss – ganz dem generationenübergreifenden Motto anlehnend – mit den Worten: «Ziehen Sie sich das Fantoche bis Sonntag rein.» Reinzuziehen gibt es in der Tat einiges: Die Besucher werden in den Genuss von 17 Langfilmen und über 300 Kurzfilmen kommen, von denen 81 in den Kategorien «Internationaler Wettbewerb», «Schweizer Wettbewerb» und «Wettbewerb für Kinderfilme» um die Gunst der Jury und des Publikums kämpfen. Insgesamt wurden 2094 Filme aus 102 Ländern für den Wettbewerb eingereicht, davon allein 67 Filme aus der Schweiz. Das sind 700 mehr als noch 2016.

Dabei beschränkt sich das Fantoche nicht nur auf die Kinosäle, sondern verteilt sich über die ganze Stadt. So sind in der Galerie DoK alle Wettbewerbsfilme zu sehen, während in der Stanzerei Live-Animationen stattfinden. Und der Wohnwagen auf dem Festivalgelände im Merker-Areal garantiert Nervenkitzel mit einem Objekttheater-Thriller.