Emanzipation
Frauenstimmrecht: Historisches Museum Baden zeigt Kurzfilm zum Jubiläum

Seit 50 Jahren dürfen Frauen wählen und gewählt werden. Das Historische Museum widmet dem Jubeljahr mehrere Veranstaltungen, welche Frauen mit Jahrgang 1971 teilweise gratis besuchen dürfen.

David Rutschmann
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Frauenrechtlerinnen mit Plakaten der Ja-Kampagne zum Frauenstimmrecht wenige Tage vor der Abstimmung in Zürich.

Frauenrechtlerinnen mit Plakaten der Ja-Kampagne zum Frauenstimmrecht wenige Tage vor der Abstimmung in Zürich.

KEYSTONE / 26. Januar 1971

Am 7. Februar 1971 stimmte eine Mehrheit der Schweizer Männer dafür, dass zukünftig auch Frauen neben ihnen an der Urne und auf dem Wahlzettel stehen dürfen. Das Frauenstimmrecht in der Schweiz feiert also das 50-jährige Jubiläum – und ist damit, wie oft betont wird, im internationalen Vergleich noch vergleichsweise jung.

Bereits 26 Jahre zuvor hatten Frauen in Italien die Wahl, ganze 53 Jahre zuvor Frauen in Deutschland. Frauenaktivistinnen und Frauenverbände haben für dieses Recht mehr als hundert Jahre lang gekämpft.

Im Vorfeld der ersten Abstimmung über das Frauenstimmrecht 1959 wird über intellektuelle Fähigkeiten und Möglichkeiten der Frau diskutiert; Abstimmungsdossiers seien zu komplex für Frauen, so die gängige Meinung − die Abstimmung scheitert.

Zehn Jahre später gerät die Schweiz unter Druck: In der Europäischen Menschenrechtskonvention wird die Diskriminierung der Geschlechter untersagt. Der Bundesrat will die Konventionen dennoch mit Vorbehalt unterzeichnen – der Protest der Frauenverbände ist gross. Er findet im Parlament Widerhall und führt zur Abstimmung am 7. Februar 1971.

Proteste hatten dazu geführt, dass das Frauenstimmrecht zum zweiten Mal vor dem (männlichen) Volk landete.

Proteste hatten dazu geführt, dass das Frauenstimmrecht zum zweiten Mal vor dem (männlichen) Volk landete.

Schweizerisches Sozialarchiv

Die Aargauer Männer nehmen diese nur knapp an − sind allerdings nicht so wehrhaft wie einige Ost- und Innerschweizer Kantone, welche das Anliegen ablehnen. Erst knapp 20 Jahre später, 1990, wird auch Appenzell-Innerrhoden vom Bundesgericht dazu gezwungen, die Kantonsverfassung so zu ändern, dass auch auf Kantonsebene Frauen abstimmen dürfen.

Am kommenden Sonntag, dem Jubiläumstag der Abstimmung auf Bundesebene, wollte das Historische Museum Baden eigentlich zu einem Vortrag von Andrea Voellmin, der Leiterin des Aargauer Staatsarchivs, einladen. Es sollte um Aargauer Frauen gehen, die Geschichte schrieben.

Pandemiebedingt wurde dieser Vortrag in die zweite Jahreshälfte verschoben: Auf den 22. August 2021 – kein Ehrentag in der Schweizer Geschichte der Emanzipation, aber als Geburtstag der ersten Frau mit Pilotenschein, der Französin Élise Deroche, zumindest auch feministisch angehaucht. Frauen mit Jahrgang 1971 sollen für die Veranstaltung keinen Museumseintritt zahlen.

Um das Jubiläum nicht jubellos verstreichen zu lassen, will das Historische Museum nun allerdings am 7. Februar als Ersatz und kleinen Vorgeschmack auf den Vortrag im Sommer einen Kurzfilm veröffentlichen. Der zweiminütige Film soll, so Pressetext, den «starken Vordenkerinnen gedenken».

Von September 2018 bis März 2019 widmete sich bereits eine Sonderausstellung «Love, Peace und dem Frauenstimmrecht». Das Historische Museum Baden wird eine digitale Rückschau darauf ermöglichen,

Von September 2018 bis März 2019 widmete sich bereits eine Sonderausstellung «Love, Peace und dem Frauenstimmrecht». Das Historische Museum Baden wird eine digitale Rückschau darauf ermöglichen,

Historisches Museum Baden

Damit startet eine Veranstaltungsreihe im Historischen Museum, welche Frauen das Wort überlässt, um die Entwicklung des Frauenstimmrechts aus gesellschaftlicher, historischer und künstlerischer Sicht zu beleuchten.

Neben dem Vortrag soll das beispielsweise das Konzert «Garzeit» am 4. Juni sein, welches durch zeitgenössische Musik und Objektinstallationen die Chronik des Frauenstimmrechts haptisch und audiovisuell erfahrbar machen soll.

Dann wäre da eine Entdeckungsreise im Museum mit der Historikerin Heidi Pechlaner Gut, welche die Museumsobjekte auf Geschlechterklischees abtastet. Oder ein Workshop am 26. September, welcher zum Ziel hat, Artikel zu bedeutenden Frauen in Wikipedia und anderen Lexika aufzunehmen.