Badener Fasnacht

Die Schnitzelbankszene – je länger, je dünner: Baden hat nur noch sechs aktive Schnitzelbänkler

Wiederum haben an der Badener Fasnacht die Schnitzelbänkler für Lacher gesorgt. Doch die Szene wird von Jahr zu Jahr dünner. Eine kritische Würdigung und ein alarmierendes Fazit nach einem Abend mit nur sechs Bänkler-Gruppen.

Hut ab vor all jenen, die sich zusammenraufen und sich auf der Schnitzelbank-Bühne präsentieren. Ohne sie würde dieses närrische Markenzeichen der Badener Fasnacht nicht existieren.

Doch es schleckt keine Geiss weg: Es gibt nur noch sechs aktive Bänkler-Formationen, davon genügt knapp die Hälfte den Qualitätsansprüchen, die man als Publikum an eine abendfüllende Präsenz stellen darf.

Badener Schnitzelbänkler über Geri Müller

Badener Schnitzelbänkler über Geri Müller

Zuerst ein Lob den Schwäfelsüüdern. Vom Jubiläum motiviert, tragen sie ihre Verse nicht nur frisch, sondern auch frei vor. Es ist aber absolut menschlich, wenn man Texte ablesen muss. Aber erstens: Wenn dies nicht Mal fehlfrei und ohne Stocken gelingt, dann bitte Lesebrille anziehen oder vorher zweimal durchlesen.

Zweitens: Texte sollten bei aller Individualität eines Publikums mindestens minimal-humoristische Kriterien erfüllen. Drittens: Alte Stammtischwitze gehören definitiv nicht ins Programm. Viertens: Trotz Fasnacht gibt es die Pietät: Versreime über Verstorbene sind ebenso ein No-Go wie Fakälausdrücke für Amtsträger.

Nun die besten Verse – viele davon hervorragend illustriert – herausgepickt: Auch die Musik-Combo Salz & Pfäffer wagt sich mitunter an Schnitzelbänke, davon diese Pointe:

E grächti Fluglärmverteilig git’s, und das säg ich mit Fug,
Nur mit em g’chröpfte
Nordostsüdwest-Aaflug!

Und jetzt zu den Schwäfelsüüdern, in der Hoffnung, dass trotz Motivation die Stimme bis zur Derniere am Sonntag durchhält. Zum Stadtammann-Wahlkampf:

Das sind Stadtammae-Wahle im Gangnam-Style,
Mit grosse Hoseträger und
Transeteil.
Sie dealed, schiebed, lueged schiinheilig drii.
Meinsch glatt, de Lance Armstrong seig au derbii.

Nochmals Wahlen, diesmal aber bei der Bloser-Clique, die musikalische einen Sprung nach vorne taten.

Es isch e Qual, mer trifft ihn bi
jedere Wahl.
Öb Stadtrat, Amme oder «Miss RVBW»
Wählerisch isch er ned, das händ mer ja gseh!
Am Schluss wählsch den trotzdem de Ander – sorry
liebe Sander!

Die Chaoten nehmen die Personalpolitik beim Schweizer Fernsehen unter die Lupe:

Womi bim Fernseh vorgstellt ha,
händs gseit, ich seig ned ihre Ma,
Ich seig zwar uf en Art no cool
Aber kän Walliser und au ned schwul!

Das Oktoberfest und nicht etwa das Stadtfest ist die Szenerie von Ultimo Giro. Mit Gesang und Handharmonika-Begleitung ergibt sich viel Klamauk. Grund dafür, dass der Papst heute bei jeder Bundesratssitzung dabei sei, liege daran, dass der Heilige Vater versprochen habe, immer dort zu sein, «wo’s Eländ am Gröschte isch!». Hier noch ein Vers aus dem Sketch herausgepickt:

Es Bierli in Ehre, oder 3 oder 4,
Chann au de Stadtrat Hueber nöd verwehre.

Immer öfters etwas anderes scheint zum Motto der ehemals Tingels, Burnout, Ch.oder, diesmal Ch.ötzis zupassen. Die ausgesprochen kreative Fasnachtsgruppe ist über den angekündigten Weltuntergang am 21. Dezember 2012 gestolpert und ins Steinzeitalter zurückgeworfen worden. Zu den Wahlen

Hesch als Lehrer de Verleider,
Nimm d Privatkarriere-Leiter.
Do chasch di super profiliere
Bim Schnorre und Politisiere.
Nur öppis, Schneidi, rot ich dir:
Suuf nieme mit em Hueber Bier!

Speziell war bei den Ch.ötzis auch das Outfit, nebst Vers-, Gesangs- und Instrumental-Einlagen. Bei Ihnen wie bei den meisten andern bekam auch Geri Müller sein Fett ab:

Sis Plakat? Jetzt fallt’s mer uf:
Die uf de Föteli dadruf,
Jetzt hanis äntli au begriffe,
Sind glaub die, wo mit ihm kiffe.

Man kann etwas so lange schönreden, bis es nicht mehr ist. Nach diesem Schmutzigen Donnerstag jedoch gilt für die Organisatoren – Spanischbrödlizunft und Vereinigte Fasnachts-Gruppen Baden – allerhöchste Alarmstufe.

So wird der Schnitzelbankparcours keine zwei Jahre mehr überleben. Mit sechs Gruppen, keine Wilden, hat die traditionelle «intellektuelle Fasnacht» einen Tiefpunkt erreicht, der sich auch nicht mit den Skiferien begründen lässt.

Das je länger, je dünner gewordene Programm hat sich längst auf der Publikumsseite niedergeschlagen. Kaum zuvor war die Stimmung in vielen Beizen derart schwach.

Auch auf den Strassen gab es spätabends von Fasnacht kaum eine Spur mehr. Guter Rat ist teuer. Doch das drohende Ende ist nur mit raschen Massnahmen abzuwenden: Workshops für Nachwuchs, Förderpreise – Vorschläge, die zumindest prüfenswert wären.

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