Fronleichnam

«Die Prozession ist ein Stück weit ein Show-Element der Kirche»

In Frick, Baden und Sarmenstorf zeigten die Gläubigen allen Menschen, was jeden Sonntag im Gottesdienst gefeiert wird: die Gemeinschaft der Christen mit Jesus. In Baden fand nicht nur die Prozession, sondern auch der Gottesdienst draussen statt.

Ruhig war es am Donnerstag in Frick: Fronleichnam. Zu diesem kirchlichen Feiertag gehört traditionellerweise nach dem gemeinsamen Gottesdienst auch eine Prozession durch das Dorf.

An dieser religiösen «Demonstration» zeigten die teilnehmenden Christen allen Menschen, was jeden Sonntag im Gottesdienst gefeiert wird: die Gemeinschaft der Christen mit Jesus.

Angeführt wurde der Prozessionszug von den Kreuzträgern, danach folgte die Musikgesellschaft. Die Kinder, die dieses Jahr Erstkommunion gefeiert haben, streuten Blütenblätter.

Unter dem von vier Männern getragenen Baldachin folgte der Pfarrer, in den Händen die Monstranz. Auf der nur wenig befahrenen Hauptstrasse erinnerten wenige Minute nach der feierlichen Prozession nur noch vereinzelte, fröhlich im Wind tanzende Rosenblätter. an den von zahlreichen Gläubigen begleiteten feierlichen Prozessionszug.

Open Air-Fronleichnams-Gottesdienst in Baden

Kurz nach neun Uhr huschte eine Gruppe kichernder Erstkommunikanten mit hochgezogenen Röcken eilig durch die Badener Altstadt in Richtung Stadtpfarrkirche. Zum Fronleichnams-Gottesdienst wollte man natürlich nicht zu spät erscheinen, obwohl das für einmal wahrscheinlich gar niemand bemerkt hätte.

Der Gottesdienst fand nämlich nicht in der Kirche statt, sondern draussen auf dem Kirchplatz. Die Gläubigen der katholischen Gemeinden Baden und Ennetbaden luden gemeinsam mit der italienischen, spanischen, portugiesischen und albanischen Gemeinde zum Open Air-Gottesdienst unter blühenden Kastanien.

Die aufgestellten Festbänke waren bis auf den letzten Platz besetzt, und Stadtpfarrer Josef Stübi freute sich über das grosse Gottesdienstpublikum. «Besonders begrüssen möchte ich die Erstkommunikanten unserer Kirchgemeinden. Genau wie an eurem Weissen Sonntag steht auch heute das heilige Brot im Zentrum unserer Feier.»

Prozession um den Kirchplatz

An Fronleichnam feiern die katholischen Gläubigen die leibliche Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie. «Jesu ist Brot für den Leib und für die Seele», predigte Stübi und erinnerte an die wundersame Brotvermehrung, bei der Jesus mit fünf Broten und zwei Fischen den Hunger einer grossen Menschenmenge gestillt haben soll.

«Bei der Brotvermehrung haben alle etwas gegeben, alle haben miteinander geteilt. Würde die Weltgemeinschaft auf diesen einfachen Rat Jesu hören, müsste niemand mehr Hunger leiden. Und zu dieser Weltgemeinschaft gehören auch wir», predigte Stübi.

Musikalisch begleitet vom Kirchenchor Cäcilia und einer Delegation der Musikgesellschaft Badenia zogen die Ministranten, die Blütenkinder, die Pfarreileiter und die Erstkommunikanten mit der Monstranz im Anschluss an die Eucharistiefeier einmal um den Kirchenplatz.

Die Weite Gasse kam aufgrund laufender Bauarbeiten nicht als Prozessionsweg in Frage. «Wir stellen das heilige Brot in die Monstranz und gehen mit ihm ein kleines Stück, als Zeichen dafür, dass Jesus uns auf dem Weg des Lebens begleitet», erinnert Stübi die Open Air-Gemeinde.

Pfarrei Heilig Kreuz zelebriert den «Leib Christi»

Donnerstagmorgen, zehn vor sieben: Das Prozessionskommitee unter der Leitung von Franziska Widmer trifft sich, berät zehn Minuten und entscheidet : «Das Wetter wird halten, wir führen die Prozession durch.»

Der Altar bei der Kirche wird errichtet und auch die Katholische Arbeiterbewegung (KAB) und die Familie Melliger bereiten ihre die Altare vor.

Monstranz bringt Hostie zur Geltung

Um zehn Uhr strömen die 250 Gottesdienstteilnehmer unter Glockengeläut aus der Kirche, das Wetter hält. Drei der acht Ministrantinnen führen die Prozession mit Kerzen und Kreuz durch das Dorf.

Es folgen zwei Fahnenträger, der Kirchenchor, die Erstkommunions- und die Blumenkinder, weitere Ministranten und schliesslich Pfarradministrator Varghese Eerecheril, der die Monstranz trägt.

Vier Männer tragen den über Pfarrer und Monstranz schützend aufgespannten Baldachin. Priester und Leib Christi wären folglich als einzige vor dem Regen geschützt gewesen. «Die Idee ist, Jesus in Form der Hostie zu den Leuten zu tragen, dahin, wo wir alle leben», sagt Franziska Widmer.

Dies war einer der Gründe, die Prozessionsroute vor einigen Jahren wieder mitten durch das Dorf zu legen. Laut Widmer bedeutet dies zwar einiges an Mehraufwand, Strassen sperren oder Bewilligungen einholen, dafür kommt der Umzug besser zur Geltung. Widmer: «Die Prozession ist ein Stück weit ein Show-Element der Kirche.»

À propos Show: Stolz sind die Sarmenstorfer auf ihre Monstranz. Das sakrale Gerät stammt aus dem 17. Jahrhundert und wurde in Einsiedeln gefertigt. Zweck des Geräts ist es, eine geweihte Hostie zu inszenieren.

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