Der Wettinger, der ein Badener Stadtoriginal war

Im Gedenken an Mäni Fuchs (1925–2020), Fasnächtler und «ernste Frohnatur».

Roman Huber
Drucken
Teilen
Mäni Fuchs (1925-2020).

Mäni Fuchs (1925-2020).

Nachruf Müde und zufrieden durfte Mäni Fuchs seinen Altersgebresten in die Ewigkeit entfliehen. «Danke für alles Schöne, das ich erleben durfte. Danke auch jenen, die mir geholfen haben, ein frohes Leben zu führen» – es waren seine Worte auf der Todesanzeige. Typisch für ihn, denn wenn es drauf ankam, überliess Mäni Fuchs nichts dem Zufall. Ob als Berufsmann oder heimlicher Künstler – kaum jemand wusste, dass er die Zürcher Kunstgewerbeschule besucht hatte –, der für die Badener Fasnacht jahrelang Masken, Kostüme und Accessoires schuf. Ob als Spielteufel zur Grand-Casino-Eröffnung, beim Swissair-Crash oder Bankskandalen: «Mäni» wurde an Umzügen und Maskenbällen oft auf den ersten Rang gesetzt. Mit 79 Jahren machte er als «Sparer der Nation» letztmals aktiv mit. Auch «in Zivil» war Mäni Fuchs unübersehbar. Mit buschigem Schnauz, blitzblanker Glatze und weissem Haarkranz wurde er als Model engagiert. In Theaterstücken und Festspielen an Badenfahrten wirkte er als Charakterdarsteller. Die Rollen des Polizisten und Pfarrers waren wie auf ihn zugeschnitten. Die Spanischbrödlizunft ehrte ihn an der Cordulafeier 2008, in Obersiggenthal wurde er zum «Ehren-Chlöpfer».

Mäni Fuchs wuchs in Wädenswil als Seebube auf, der das Wasser liebte und im Sommer gern schwamm. In den Kriegsjahren lernte er in der Maschinen­fabrik Oerlikon Maschinenzeichner und bildete sich zum Kon­strukteur weiter. Ab 1952 wirkte er bei der Wettinger Gutor, wo er seine Jeannette kennen lernte und 1965 heiratete. Zwei Jahre später kam Sybille zur Welt. Am liebsten war er in Baden unterwegs und suchte noch im hohen Alter in «seinen» Lokalen wie dem «Go-In» den Kontakt zu Menschen. Obschon seit Jahren getrennt, unterstützte ihn Jeannette liebevoll, sodass Mäni Fuchs bis vor 2,5 Jahren in seiner Wohnung leben durfte, wo Fasnachtstrophäen und sein Porträt hingen, gemalt vom jüngst verstorbenen Freund und Badener Künstler Attila Herendi.

Das Corona-Besuchsverbot machte ihm trotz guter Betreuung im Regionalen Pflegezentrum zu schaffen. An Ostern durfte er aber seine Liebsten empfangen. Als Tochter Sybille ihm ab Handy den Laridah-Marsch spielte, hob er die schwachen Arme und dirigierte mit. Am Ostermontag schloss er im Beisein von Jeannette für immer die Augen. Die Abdankung fand im Friedhof Brunnenwiese statt. Kurz danach streuten zwei alte Freunde – «Borelli» und «Gipfeli» – in stiller Erinnerung Konfetti über das Grab.

Aktuelle Nachrichten