Musik

Coronapause auch im Isebähnli Baden: Jazz in der Warteschlaufe

Raphael Walsers Gangart. Der Bandleader ganz hinten stehend.

Raphael Walsers Gangart. Der Bandleader ganz hinten stehend.

Das Konzert von Raphael Walsers GangArt im Isebähnli Baden ist abgesagt worden. Es lohnt sich, die Zeit bis zu den nächsten Konzerten mit seinem Album «Zwischen Grund und Grat» zu überbrücken.

Viele freiberufliche Schweizer Musikerinnen und Musiker leiden unter der finanziellen Belastung der Corona-Epidemie. Obwohl sie die Obergrenze von 100 Personen oft gar nicht erreichen, werden reihenweise Konzerte abgesagt. Ob die Künstler ihre Gagen oder eine Entschädigung für die gemachte Probenarbeit und andere ausgelegte Spesen erhalten, steht in den Sternen. Das Badener Isebähnli und der Verein Jazz in Baden haben noch bis am Samstag an ihren Konzerten festhalten wollen. Dann kam doch noch die Absage: «Jazz in Baden nimmt die aktuelle Situation sehr ernst. Schweren Herzens sagen wir deshalb unsere nächsten drei Konzerte ab. Ende Monat werden wir die Situation neu beurteilen und entscheiden, wie es weitergehen soll. Wir werden versuchen, die ausgefallenen Konzerte zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen.»

Mit Schweizer Volksmusik aufgewachsen

Der erste Betroffene der Absage im Isebähnli ist der Zürcher Kontrabassist Raphael Walser. Seine Band GangArt hätte heute Montagabend die Musik des aktuellen Albums «Zwischen Grund und Grat» live vorstellen wollen. Dazu kommt es jetzt aus Corona-Gründen nicht. Überhaupt sind alle Konzerte des viel beschäftigten Kontrabassisten abgesagt respektive verschoben worden.

Trotzdem lohnt sich eine Beschäftigung mit Raphael Walser und seiner Musik. Schon früh kam er in Kontakt mit der Schweizer Volksmusik und wuchs praktisch damit auf. «Es war eine Selbstverständlichkeit, dass wir in unserer Familie musizierten, jedoch immer auf freiwilliger Basis», reflektiert er heute. In jüngstem Alter mit Klavier angefangen, wechselt er mit elf Jahren zum Kontrabass. «Gar keine so romantische Geschichte», wie Walser erzählt, «ich wurde praktisch zum Kontrabass verdonnert, weil es im Schulorchester an tiefen Streichern fehlte.»

Im Rahmen seines Masterabschlusses an der Zürcher Hochschule der Künste gründete er sein Quintett GangArt und veröffentliche das Début. «Dort haben wir einen amerikanischen Folksong gespielt. Mich hat das dann gewurmt, weil ich grundsätzlich für ‹Aus der Region, für die Region› bin.» Auf dem Album «Zwischen Grund und Grat» hat Walser deshalb Schweizer Volkslieder in einem offenen Jazz verarbeitet.

Inspirationsquelle bildende Kunst

Neben der Volksmusik sind die bildenden Künste für Walser eine grosse Inspirationsquelle. «Beim Komponieren bin ich schon immer von Eindrücken und Stimmungen ausgegangen». Im aktuellen Album hat er dem berühmten Alpentriptychon von Segantini, das aus den drei Gemälden La Vita, La Natura und La Morte besteht, drei Kompositionen gewidmet.

Zur Überbrückung, bis zu den nächsten Konzerte im Herbst, ist sein aktuelles Album «Zwischen Grund und Grat» wärmstens zu empfehlen. Doch der initiative Walser ist schon an neuen Projekten. Im Oktober präsentiert er ein interdisziplinäres Projekt mit der Engadiner Illustratorin Pia Valär, in dem Eindrücke aus der alpinen Natur verarbeitet werden und die er mit GangArt und dem Kollektiv Leprechaun musikalisch zum Klingen bringt.

Raphael Walsers GangArt. Zwischen Grund und Grat. Live: 1.10. Bird’s Eye Basel; 23.10. Plattentaufe «Stüdis de la natüra» im Moods Zürich; 23.-25.10. Ausstellung/Performance im Kunstraum Walcheturm Zürich.

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