Kurtheater Baden
Liederabend «Worst Songs»:«Auch für schlechte Lieder braucht es Liebe»

Aus den allerschlimmsten Songs macht Andreas Storm einen heiteren Theaterabend im Kurtheater Baden.

Anna Raymann
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Das Trio Büld, Burckhardt und Storm singt im Kurtheater.

Das Trio Büld, Burckhardt und Storm singt im Kurtheater.

Bild: Toni Suter/T+T Fotografie

Für viele wird es der erste Theaterbesuch sein, seit die Bühnen wieder bespielt werden dürfen. Schön ist es, dabei lachen zu können. Das Kurtheater Baden spielt mit «Worst Songs» zum heiteren Liederabend auf – ein Konzert, das ganz dem schlechten Geschmack gewidmet ist. Das Programm bietet «Sex und Röschti», Blut und Leberwürste im «Herbscht» und einen gesungenen Beschwerdebrief einer SBB-Mitarbeiterin.

Regisseur Andreas Storm holt sich für die Tiefpunkte der neueren Popgeschichte kräftige Verstärkung an die Seite: Es singt Schauspielerin von «Tumulte Blonde» Rebekka Burckhardt, Jojo Büld, der sonst die «Ensemble-Musik» am Schauspielhaus Zürich leitet, begleitet am Klavier. Zuweilen dreistimmig finden sie neue, teils noch skurrilere Interpretationen von Schlagerhits und Rap-Eskapaden. Die Momente dazwischen reichen für Zwischenrufe und persönliche Anekdoten.

Vielleicht gibt es gar keine schlechten Lieder

Sich einen Abend dem Schlechten zu widmen, braucht Überwindung. Doch im Kurtheater Baden geschieht dies mit so viel Leidenschaft, dass man sich mit wippendem Fuss bald fragt: Gibt es denn überhaupt schlechte Lieder? Der Regisseur lacht: «Singen ist umarmen. Darum braucht es auch für die schlimmen Lieder ein bisschen Liebe», sagt Andreas Storm, «aber das Lied ‹Wir› von Freddy Quinn ist schon sehr schmerzhaft.» Der Schlager-Hit keift gegen Hippies, preist 1966 im Nachkriegsdeutschland Zucht und Ordnung.

«Lachen statt empören – das ist mein politischer Ausdruck.»

Wie Quinns Protestsong sind die meisten Lieder im Programm verrutscht. Form und Inhalt klaffen spektakulär auseinander. Mal trägt die Melodie in Höhen, mal verbergen sich im Text pointierte Spitzen. Es ist ein heiterer Abend, aber kein seichter. «Lachen statt empören – das ist mein politischer Ausdruck», sagt Andreas Storm. Wenn BMW seine un- oder zumindest unterbezahlten Praktikanten zu Werbezwecken rappen lässt – «Verlass’ die Vorlesungsräume, verwirklich’ deine Träume. BMW ist individuell, nicht Kommerz» – ist die subtile Kapitalismuskritik von der Bühne nicht zu überhören.

Der schlechte Geschmack hat bei Storm Tradition

Der Liederabend ist eine Abkopplung oder, wenn man so will, eine Sonderausgabe des langjährigen Programms «Worst Case Szenarios». Seit zwölf Jahren holen Andreas Storm und Cathrine Störmer mit «Worst Case Szenarios» misslungene, richtig verhauene Werke auf die Bühne: «Scheitern gehört elementar zur Kunst», sagt Storm, der Bücher, Gedichte, Filme oder Wahlwerbespots sammelt, von denen man nicht glauben mag, dass sie vollen Ernstes veröffentlicht wurden. Und Lieder von dieser Sorte gibt es genug – so viele, dass es locker für weitere Abende reichen würde. «Läbe und Stärbe im Thurgau» oder der ETH-Rap spart diese erste Runde jedenfalls noch auf.

Bis dahin ist das Programm in Baden gut gefüllt. Die Premiere am 8. Mai im neuen Foyer des Kurtheaters ist bereits ausgebucht. Für die Folgetermine im Mai und Juni gibt es noch Karten für Jodelattacken mit «Sex und Röschti» und andere grenzwertige Ohrwürmer.

«Worst Songs». 8.5. und 11.5. Kurtheater Baden. 26.6. Freilichttheater Baden.

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