Kantonsspital Baden
Abzockerei mit Babyfotos: Kurz nach der Geburt kommt die happige Rechnung

Eltern können im Kantonsspital Baden ihr Baby kostenlos fotografieren lassen. Doch dann erhalten sie ein Paket nach Hause geschickt – mit happiger Rechnung: 299 bis 349 Franken. Das Spital hatte allerdings einen anderen Preis vereinbart.

Manuel Bühlmann
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Wer im Kantonsspital Baden (KSB) ein Kind zur Welt bringt, bekommt kurz darauf Besuch von einer professionellen Fotografin. Diese arbeitet im Auftrag der Baby Smile Fotografie AG. Mit Zustimmung des KSB. Kostenlos erhalten die Eltern, die das möchten, ein Bild für die Babygalerie auf der KSB-Website – und ein Paket angeboten. Wer nicht ablehnt, hat dieses einige Wochen zu Hause im Briefkasten. Kostenpunkt: zwischen 299 und 349 Franken.

In dem Paket finden sich Fotobuch, Leinwand, Fotoserien, Kalender, Poster und Geburtskarten des fotografierten Babys. Die CD mit den Fotografien gibt es als Geschenk – allerdings nur dann, wenn der Inhalt des Pakets gekauft wird. Innerhalb von zwei Wochen nach Erhalt müssen sich die Eltern entscheiden, ob sie die Produkte mit dem Motiv ihres Babys kostenlos zurückschicken wollen oder nicht. Zu einem Zeitpunkt, an dem das emotionale Erlebnis einer Geburt nicht weit zurückliegt und sich die neue Lebenssituation mit dem Säugling noch nicht eingespielt hat. «Der Sonntag» hat Kenntnis von Fällen, in denen der Service nicht wunschgemäss ablief: Ein Paar bekam eine Mahnung, ohne je ein Paket oder eine Rechnung erhalten zu haben, ein anderes berichtet von falschen Angaben auf den Geburtskarten.

Früher fotografierten die Hebammen

Zwischen dem KSB und der Firma Baby Smile bestehe ein Vertrag, der die Zusammenarbeit regle, bestätigt Sabine Sahli, Leiterin Pflege Frauen- und Kinderklinik des KSB. «Diese Kooperation läuft seit rund eineinhalb Jahren.» Damit wolle man die Mitarbeitenden entlasten. «Früher haben die Hebammen noch selber die Neugeborenen fotografiert», sagt Sahli. Das sei heute aus Zeitgründen kaum mehr möglich. Dazu komme, dass die Bilder damals weniger professionell gemacht werden konnten.

Problemlos verläuft die Zusammenarbeit mit Baby Smile allerdings nicht. Nächste Woche kommt es deshalb zur Aussprache: Das KSB ist nicht zufrieden mit dem geleisteten Service. Nachdem vermehrt Rückmeldungen unzufriedener Eltern eingegangen seien, habe man nun «die Notbremse» gezogen, sagt Sahli. Hauptgrund ist die Babygalerie auf der KSB-Website, die von Baby Smile betreut wird: «Die Babygalerie wird nicht schnell genug aufdatiert», sagt Sahli. Das störe viele Eltern, die ihre Babys gerne möglichst rasch online sehen würden. «Vielen ist zudem der Aufwand zu gross. Das Fotoshooting im Spitalzimmer geht ihnen zu lang.»

Für Irritationen aufseiten des KSB sorgt offenbar auch der Preis des Angebots von Baby Smile: «Ich höre zum ersten Mal davon, dass das verschickte Paket 299 Franken beziehungsweise 349 Franken kostet», sagt Sabine Sahli. «Davon muss ich mich distanzieren. Bei der Vertragsverhandlung war die Rede von 195 Franken.» Sie sei irritiert, dass das KSB nicht über die Preiserhöhung informiert worden sei.

Baby Smile wollte keine Stellung nehmen

Dass ein privates Unternehmen an einem öffentlichen Spital um Kunden wirbt, findet Sahli vertretbar. «Die Eltern werden gut über das Angebot informiert und ihnen ist es selber überlassen, ob sie mitmachen wollen», sagt Sahli. Das KSB sei zudem weder am Gewinn beteiligt noch erhalte es sonst in irgendwelcher Form Geld von der Firma, sagt Sahli. Als Gegenleistung werden dem Badener Spital professionelle Fotografien der Neugeborenen zur Verfügung gestellt. Wie viel Geld sich mit dem Geschäft verdienen lässt, ist unklar: Über Verkaufszahlen wollte die Baby Smile Fotografie AG keine Auskunft geben. Potenzielle Kunden gibt es im Kantonsspital Baden viele: Im letzten Jahr kamen dort fast 1700 Kinder zur Welt. Neben Baden arbeiten zehn weitere Schweizer Spitäler mit der Baby Smile AG zusammen. Darunter das Universitätsspital Basel, das Spital Thun oder das Zuger Kantonsspital.

Ob die Zusammenarbeit weitergeführt wird, ist offen. Möglich sei auch, dass das KSB den Vertrag kündige, sagt Sahli. Die Baby Smile Fotografie AG wollte zu den Vorwürfen auf wiederholte Nachfrage des «Sonntags» keine Stellung nehmen. Die Firma hat ihren Sitz gemäss Handelsregister in Zürich. Das einzige Mitglied des Verwaltungsrates ist zugleich Geschäftsführer der Baby Smile Fotografie OHG im deutschen Chemnitz.

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