Chlorgasunfall

Aus Sicherheitsgründen: Bald verwendet nur noch eine Aargauer Badi Chlorgas

Die Badi Villmergen verwendet noch Chlorgas.

Die Badi Villmergen verwendet noch Chlorgas.

Wird eine Badi umgebaut oder saniert, kann der Kanton durchsetzen, dass eine Chlorgasanlage ersetzt wird.

Chlorgas ist hochgiftig und gefährlich. Konzentrationen von drei Gramm reinem Chlor pro Kubikmeter Luft führen bereits nach wenigen Atemzügen zum Tod. Im Ersten Weltkrieg wurde das Gas erstmals als chemische Waffe verwendet. Da es eine höhere Dichte als Luft aufweist, sammelte es sich in den Schützengräben an. Viele Soldaten starben. Auch in Syrien wurde in den letzten Jahren mehrfach Chlorgas eingesetzt.

Im Aargau wird das giftige Gas in Schwimmbädern eingesetzt, um das Wasser zu desinfizieren. Verwendeten 1991 noch 48 Aargauer Badis Chlorgas, sind es heute nur noch 2. Muri und Villmergen. Bremgarten, wo sich der Chlorgas-Vorfall ereignete, mischt verschiedene Substanzen, um eine Chlor-Lösung zu erhalten. Villmergen wird sich aber demnächst vom Chlorgas verabschieden. «Gemäss unserem Kenntnisstand wird die Badi ab der Saison 2019 kein Chlorgas mehr einsetzen», sagt Alda Breitenmoser, Leiterin des kantonalen Amts für Verbraucherschutz.

Chlorgas: Wirkung, Gefahren und Alternativen

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Die Antworten auf die wichtigsten Fragen nach dem Chlorgas-Alarm in der Badi Bremgarten: Wie gefährlich ist Chlorgas, welche Alternativen gibt es und wie machen es die anderen Aargauer Badis?

Villmergen folgt damit der Badi Wohlen, die seit dieser Saison über eine neu konzipierte Wasseraufbereitung verfügt. Laut Schüwo-Park-Geschäftsführer Christian Meier hat man auf das Granudos-System umgestellt. «Das heisst, wir arbeiten mit einem Chlorgranulat, das aufgelöst und mit Schwefelsäure neutralisiert wird. Dann wird Frischwasser zugegeben und das Ganze mit dem Badewasser vermischt», erklärt Meier.

In Fachkreisen sei die Sicherheitsproblematik von Chlorgas bekannt, sagt Breitenmoser. Deshalb würden Planer keine neuen Chlorgasanlagen vorsehen. «Bei einem grundlegenden Umbau oder aufbereitungstechnischer Sanierung eines Schwimmbades muss die Chlorgasdesinfektion durch ein anderes Verfahren ersetzt werden.»

Das Amt für Verbraucherschutz würde dies nötigenfalls mit einer Verfügung durchsetzen.
Bei bestehenden Anlagen kann der Kanton aber nichts machen. «Es gibt keine gesetzliche Grundlage, Betriebe mit Chlorgasanlagen zum umgehenden Ersatz des Verfahrens zu verpflichten», sagt die Amtsleiterin. «Sie dürfen weiterhin betrieben werden, solange gewisse Vorgaben eingehalten werden.»

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Diese Vorgaben sind in der Störfallverordnung geregelt. Laut Verordnung müssen die Badis, trotz Chlorgaseinsatz, «einen sicheren Betrieb gewährleisten, bei dem weder Angestellte noch Badegäste oder sonstige Personen durch das Gas zu Schaden kommen», sagt Breitenmoser. Dazu müssen die Verantwortlichen alle Massnahmen treffen, um das Risiko zu vermindern.

Weiter seien eine Sprühanlage, Gaswarngeräte, Alarm- und Evakuationspläne sowie Notausgänge erforderlich. Zudem sollten regelmässig Übungen durchgeführt werden. Die gleichen Regeln gelten für das Schwimmbad Schachen in Aarau. Allerdings nicht, weil es Chlorgas einsetzt, sondern weil «die gelagerte Menge an Natriumhypochlorit ebenfalls der Störfallverordnung untersteht».

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Ein technischer Defekt liess am Dienstag im Freibad Bremgarten Chlorgas austreten. Der Tele-M1-Bericht von einem chaotischen Sommernachmittag in Bremgarten.


Regelmässige Kontrollen

Die Bäder-Inspektorin des Amts für Verbraucherschutz kontrolliert die Badewasser-Aufbereitung von Schwimmbädern laut Breitenmoser alle zwei Jahre. «Im Rahmen der Inspektionen werden die Betriebsverantwortlichen auf Unregelmässigkeiten oder Störungen der Aufbereitungsanlagen angesprochen.» Diese müssen dokumentiert sein und es muss ersichtlich sein, welche Massnahmen getroffen wurden. Die Chlorgasanlangen seien von Chemiesicherheitsspezialisten zuletzt im Herbst 2011 überprüft worden.

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