Aarau
Zeitreise durch 100 Jahre Schulalltag

Heute feiert die Theatergruppe der Bezirksschule Premiere mit ihrem szenischen Rundgang. Auf das Publikum wartet mit «Von Karzern, Kadetten und den Heldinnen der Zukunft» ein lebendiges Stück.

Katja Landolt (Text)und Alex Spichale (Fotos)
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So verlief die Generalprobe des szenischen Theatwerprojekts in Aarau
10 Bilder
 Dieser Schauspielerin wurde die Hand mit roter Farbe bemalt, weil sie geklaut hat. (Alex Spichale)
 Die Hippieschülerin im Zwiegespräch mit dem Mädchen aus der Moderne. (Alex Spichale)
 In der Arrestzelle für aufmüpfige Schüler versuchen die beiden Mädchen auszubrechen. (Alex Spichale)
 Generationentreffen im Karzer - der Arrestzelle. (Alex Spichale)
 Hippieschülerin meditiert, während die Schülerin aus der Neuzeit Trübsal bläst. (Alex Spichale)
 Die Meditation dauert an. (Alex Spichale)
 Und auch die Miene der Dame aus der Moderne hat sich kaum verändert. (Alex Spichale)
 Sie streiten sich um eine Tasche. (Alex Spichale)
 Das Hippiemädchen hält Ausschau. (Alex Spichale)

So verlief die Generalprobe des szenischen Theatwerprojekts in Aarau

Aargauer Zeitung

In der Maienzugküche beim Schanzmätteli ist es kalt und still. Nur kurz dringt von draussen das Geräusch splitternden Glases herein; die Glassammelstelle. Dann, plötzlich: Die junge Frau in Hotpants und Gepardentop, die eben noch lässig draussen an einer Mauer gelehnt und sich in einem Handspiegel betrachtet hatte, platzt herein. Das Scheppern ihrer hochhackigen Absätze vervielfältigt sich in dem grossen, halb leeren Raum. Lauthals schimpft sie vor sich hin, lässt sich schwer auf einen Betonsockel fallen.

Erst jetzt, da sich die Augen an das Dunkel gewöhnen, fallen ihr und dem Publikum die anderen Mädchen auf, die versteckt zwischen Skeletten alter Feuerwehrwagen, behauenen Säulen und gusseisernen Kreuzen kauern. Das Mädchen ist in einem Karzer gelandet, einer Arrestzelle für aufmüpfige Schüler. Hier trifft es auf andere junge Frauen, Gestalten aus längst vergangenen Zeiten. Zeiten, die das Zelglischulhaus seit seiner Einweihung 1911 erlebt hat.

Die Sorgen bleiben gleich

Es ist Mittwochnachmittag, die Hauptprobe für das Stück «Von Karzern, Kadetten und den Heldinnen der Zukunft» unter der Leitung und Regie von Eva Welter. Die fast 50 Schauspieler nehmen die Besucher mit auf eine Zeitreise durch ein Jahrhundert im Zelglischulhaus, dargestellt in einem szenischen Rundgang durch die Räume der Bezirksschule.

Es ist ein lebendiges, vielfältiges Stück, das Welter mit der Theatergruppe erarbeitet hat, eines, das den Zuschauer immer wieder mit Themen wie Mobbing, Jugendgewalt und Spanische Grippe, Wilhelm Tell und Max Frisch überrascht.

Als Grundsteine für das Stück dienten Interviews mit ehemaligen Bezirksschülern, die die Mitglieder der Theatergruppe im August geführt hatten. Dabei hätten die Schüler vor allem eines gemerkt: «Die Sorgen, die Jugendliche vor 70 Jahren beschäftigt haben, unterscheiden sich kaum von denen heutiger Teenager.»

Aufführungen: Premiere heute Donnerstag, 12. Mai, 19.30 Uhr; 2. Aufführung: Freitag, 13. Mai, 19.30 Uhr, Kollekte.
Reservationen: theaterbez@bluewin.ch