Densbüren

Wieso sich Unternehmer Georg Senn gegen eine Fusion mit Herznach und Ueken wehrt

Ortsbürger und Unternehmer Georg Senn mit Densbüren und seiner Fabrik in der Kaisermatt im Hintergrund. Plakate des Nein-Komitees hängen an mehreren Stellen, hier an der Einfahrt zu Asp.

Ortsbürger und Unternehmer Georg Senn mit Densbüren und seiner Fabrik in der Kaisermatt im Hintergrund. Plakate des Nein-Komitees hängen an mehreren Stellen, hier an der Einfahrt zu Asp.

Der Unternehmer Georg Senn kämpft vor der Abstimmung vom kommenden Wochenende für die Zukunft von Densbüren. Es stellt sich die Frage: Wohin mit Densbüren? Nach Aarau, ins Fricktal, oder doch der Alleingang.

Die vielen Plakate am Dorfeingang von Densbüren und dem Ortsteil Asp deuten es an: Die Abstimmung vom nächsten Sonntag lässt in der Gemeinde die Wogen hochgehen. Schliesst sich Densbüren den geografisch näher gelegenen Herznach und Ueken an, verliert es wohl die eigene Primarschule.

Bei einem Anschluss an Aarau bliebe diese zwar bestehen, doch wie viel Sinn macht eine Fusion über die Staffelegg mit der viel grösseren Hauptstadt – und dann noch ohne die Beteiligung von Küttigen, das dazwischen liegt? Und ist das 723-Seelen-Dorf zu klein, um weiterhin eigenständig zu funktionieren?

Entschieden wird am 15. Dezember vorerst nur, ob der Gemeinderat Fusionsabklärungen mit Herznach und Ueken aufnehmen soll oder nicht. An der Gemeindeversammlung Ende September wurde dies mit 78 zu 53 Stimmen verworfen.

12'000 Franken müsste man hinblättern

Gegen den Entscheid ergriff die 70-jährige Romi De Ambrosis das Referendum: In vier Wochen brachte sie 159 gültige Unterschriften zusammen – fast 30 Prozent der Stimmberechtigten. Einer ihrer ersten Gratulanten war offenbar Fusionsgegner Georg Senn.

«Dass sie das Referendum zustandegebracht hat ist eine Leistung», sagt der 73-jährige Unternehmer. Um dies anzuerkennen, müsse man ja nicht gleicher Meinung sein.

«Sie will genauere Abklärungen, bevor die Gemeinde definitiv über eine ­Fusion entscheidet. Ich finde aber, dass man nicht Geld und Zeit investieren soll in etwas, von dem man schon im Vorhinein weiss, dass es keine Vorteile bringt.» 12'000 Franken müsste Densbüren für eine Fusionsprüfung hinblättern, der Kanton würde zusätzliche 25'000 Franken zahlen.

Referendum und Nein-Komitee in Rekordzeit gebildet

So rasch wie Georg Senn seiner Kontrahentin gratulierte, so schnell stellte er ein über 30-köpfiges Nein-Komitee zusammen. Für dieses ist klar: Eine Fusion mit Herznach und Ueken bringe «keine Vorteile!», wie weit oben auf den Plakaten steht. «Wir haben ein wirtschaftlich gut geführtes Dorf», sagt Georg Senn.

Die Schule sei modern, der Unterricht geschehe schon heute mit Tablets, dafür werde Densbüren von den Dörfern ringsherum geachtet. «Schüler aus anderen Gemeinden zahlen Schulgeld, damit sie hier in die Schule dürfen», sagt er. «Das ist fast schon ein Geschäftsmodell für uns.»

Für Georg Senn ist klar: Verliert Densbüren die Schule, dann ist ein grosses Plus weg. «Der Charakter des Dorfs stirbt dann», die Entwicklung der Gemeinde würde geschadet. Eine Ortschaft ohne eigene Schule sei für Familien unattraktiv, viel schlimmer etwa als eine Ortschaft mit hohem Steuerfuss.

Solide Leistung in Richtung Zukunft

Mit 117 Prozent ist dieser in Densbüren hoch, Herznach hat heute einen Steuerfuss von 116 Prozent und Ueken einen von 125 Prozent. Entsprechend schreibt das Nein-Komitee fett gedruckt auf seinen Flugblättern, aus drei schwachen Gemeinden werde keine starke. Offenbar stünden in den Nachbargemeinden denn auch viel grössere Investitionen an, die Densbüren mittragen müsste.

«Densbüren ist nicht reich, geht aber mit soliden Leistungen in die Zukunft», liest man weiter unten. Zum Schluss argumentieren die Gegner damit, dass die Densbürer Ortsbürger viel mehr Waldflächen hätten, die durch die Energiewende «eine enorme Vermögensaufwertung» erfahren dürften. Und sie bringen den mit Aufwand verbundenen Bezirkswechsel ins Spiel.

Georg Senn greift dabei gar zum Geschichtsbuch und erinnert, wie Densbüren nach dem Einmarsch der Berner die Grenze zum Fricktal und dem damaligen Vorderösterreich darstellte. «Seit dem gehören wir zur Aarauer Seite der Staffelegg.»

Die eiserne Motorradfigur bei seiner Fabrik in der Kaisermatt hat er nach der Gemeindeversammlung auch umdrehen lassen: Neu zeigt der Töff nicht mehr in Richtung Fricktal, sondern in Richtung Aarau.

«In Aarau wären wir gut aufgehoben»

Würde Georg Senn denn eine Fusion mit Aarau begrüssen? «Diese Frage kann ich noch nicht abschliessend beantworten», sagt er. Zu den aktuellen Gesprächen mit dem Zukunftsraum Aarau sagt er aber wohlwollend: «Dort werden wir wirklich auf Augenhöhe behandelt, die Gemeinden nehmen und geben in gleichem Masse. Da wären wir gut aufgehoben», sagt Georg Senn.

Geht es ihm auch um den Steuerfuss? Bei einer Fusion mit Aarau würde dieser auf 97 Prozent sinken. Dazu sagt er: «Ich zahle gerne Steuern hier.» Das Dorf sei gut geführt, die Gemeinde habe geholfen, dass sich seine Firmen weiterentwickeln können.

Die von ihm gegründeten Betriebe LCD Laser Cut, SWD, MTA und Lifa sind weltweit führend in der Herstellung von Teilen für Elektromotoren, allen voran dem Stator und Rotor, das Herzstück solcher Antriebe. In den Hybridautos von Mercedes-Benz etwa steckt immer ein wichtiges Stück Densbüren drin. Mercedes fährt Georg Senn auch seit er mit 18 seinen Führerschein gemacht hat.

Befürworter haben gestern Flugblätter verteilt

In einer früheren Umfrage hatten die Bewohner im Ortsteil Asp angegeben, eher mit Aarau fusionieren zu wollen. Diejenigen im Ortsteil Densbüren sprachen sich aber eher für einen Zusammenschluss mit den Gemeinden im Staffeleggtal aus. Georg Senn wohnt zwar in Densbüren, «doch eigentlich bin ich ja Doppelbürger», sagt er humorvoll: Sein Vater stamme aus Asp, seine Mutter aus Densbüren.

Romi De Ambrosis, die das Referendum für Fusionsabklärungen mit Herznach und Ueken zustande brachte, wohnt hingegen in Asp und sagt: «Mit Aarau fusionieren – das passt einfach nicht.» Die Mentalität im Staffeleggtal sei eine andere. «Es ist falsch, mit Aarau jahrelang über eine Fusion zu reden, mit unseren Nachbarn aber nicht», sagt sie.

Ein Flugblatt mit entsprechenden Argumenten haben die Befürworter der Fusionsprüfung gestern in der Gemeinde verteilt. Dort ist auch von «Respekt und Anstand» zu den Nachbargemeinden die Rede. An der Argumentation des Nein-Komitees störe sie denn vor allem der Fokus auf die eigenen Vorteile.

Unter den Gemeinden kennt man sich 

«Es geht doch nicht nur um uns, sondern ums Miteinander», sagt De Ambrosis. Zudem werde wegen der Schule unnötig Angst geschürt. «Es kann ja sein, dass wir die Schule behalten.» Das letzte Wort hat da der Kanton.

Vor einem Jahr hat Georg Senn ein Buch über Densbüren herausgebracht und an alle Haushalte verteilt. Mitverfasserin war ausgerechnet Romi De Ambrosis. «Ich verstehe diejenigen, die genauere Abklärungen wollen», sagt Georg Senn. Da spiele sicher auch etwas Liebe zum Nachbarn mit, unter den drei Gemeinden kenne man sich.

«Ich denke aber unternehmerisch. Das ist vielleicht anders, als wenn man emotional oder politisch denkt.» Der Umgang mit den Befürwortern sei gemäss ihm aber sehr gut. «Es ist spannend und macht richtig Freunde, wie im Dorf derzeit diskutiert wird.» Er hofft auch auf eine hohe Beteiligung an der Urne.

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