Buchs
Vor Kindern onaniert: Angeblicher Exhibitionist freigesprochen

Das Bezirksgericht Aarau hat einen 41-jähriger Mann vom Vorwurf freigesprochen, bei der Buchser Schulanlage Risiacher vor Schülern onaniert zu haben. Die Aussagen der beteiligten Kindern waren widersprüchlich.

Pascal Meier
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Die Schulanlage Risiacher in Buchs.

Die Schulanlage Risiacher in Buchs.

Sandra Ardizzone

An einem Freitag im Juni 2014 hallte aufgeregtes Kindergeschrei über die Wiese bei der Buchser Schulanlage Risiacher. Ein Mann hatte sich vor sieben Schülern ausgezogen, sich ins Gras gelegt und befriedigt.

Die acht- bis zwölfjährigen Kinder, die auf der Wiese spielten, rannten weg. Die Polizei kam auf den Platz, der Mann war aber bereits verschwunden.

Zu einem ähnlichen Vorfall kam es eine Woche später am Buchser WSB-Bahnhof. Ein Mann lief um 22 Uhr nackt über das Perron 2, blieb vor einer Frau stehen und fasste sich ans Glied. Die Frau war völlig perplex. Als eine andere Frau auf dem Perron gegenüber den Mann anschrie, er solle verschwinden, rannte dieser weg.

Polizei und Staatsanwaltschaft verdächtigten darauf einen 41-jährigen Schweizer aus Buchs, die beiden Taten begangen zu haben. Vor knapp zwei Monaten sass der IV-Rentner deshalb vor dem Aarauer Bezirksgericht. Vorwurf: Sexuelle Handlungen mit Kindern und Exhibitionismus. Vor Gericht beteuerte der Mann, er sei unschuldig. «Als die Vorfälle passierten, war ich zu Hause.»

Mehrere Kinder hatten den Mann jedoch bei der Einvernahme durch die Polizei identifiziert. Auch die Frau, die beim WSB-Bahnhof von einem nackten Mann belästigt worden war, identifizierte später vor Gericht den Beschuldigten als den Täter. Verurteilt wurde er an jener Verhandlung aber nicht. Weil die Frau, die den Vorfall beim WSB-Bahnhof beobachtet hatte, nicht vor Gericht erschien, wurde die Verhandlung auf später vertagt.

Nun fand die zweite Runde statt – und die Zeugin belastete den Mann ebenfalls. «Ich bin ziemlich sicher, dass ich ihn gesehen habe», sagte die 22-jährige Frau mit Blick zum Angeklagten.

Kritik an Ermittlungen

Dessen Verteidiger jedoch äusserte grösste Zweifel an dieser Aussage, genauso an den Aussagen der Kinder: «Vor allem bei der Beschreibung des Täters gibt es eklatante Widersprüche», sagte der Verteidiger zum Vorfall beim Schulhaus Risiacher.

Zudem ortete er «grobe Mängel» bei den Ermittlungen und bezeichnete die durchgeführte Fotowahlkonfrontation als «Lachnummer». Als man den Kindern zur Identifikation des Täters verschiedene Fotos von Männern vorlegte, habe nur sein Mandant die von den Kindern genannten Täter-Hauptmerkmale (Mittelglatze, Sonnenbrille, dicke Brille) erfüllt.

«Kein Wunder, dass mein Mandant so als Täter identifiziert wurde», sagte der Verteidiger. «Man hätte auch Schneemänner neben ihm abbilden können, das Ergebnis wäre dasselbe gewesen.»

Die Staatsanwaltschaft habe zudem laut dem Verteidiger Indizien, die seinen Mandanten entlasten, ignoriert. «Er hat auffällige Akne am Rücken, die von den Kindern nicht beschrieben wurde.»

Dieses Merkmal hätten auch die Frauen beim Vorfall am WSB-Bahnhof nicht erwähnt. «Zudem sind die Aussagen dieser Frauen widersprüchlich.» Unter anderem sei der Täter als «braun gebrannter Südländertyp» beschrieben worden.

Für den Verteidiger ist deshalb klar: Es gibt keine Beweise. Sein Mandant sei weder auf frischer Tat ertappt noch fotografiert worden und auch Spuren von ihm habe man nicht gefunden. «Ich kann nicht nachvollziehen, dass man meinen Mandanten verdächtigt.» Der Verteidiger forderte deshalb Freispruch.

Freispruch wegen Widersprüchen

Das Gericht folgte dieser Argumentation. Die Aussagen der Kinder seien widersprüchlich und die Beweislage ungenügend. Widersprüche gebe es auch beim Vorfall beim WSB-Bahnhof. «Wir haben deshalb erhebliche Zweifel, dass der Beschuldigte der Täter ist», sagte Gerichtspräsidentin Bettina Keller.

Dieser reagierte erleichtert. «Die Anschuldigungen haben mich schwer getroffen», sagt er.» «Ich hatte ein sehr schwieriges Jahr.»

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