Suhr
Millionen-Umbau bei der Emmi – damit Biomilch und Wiesenmilch nicht vermischt werden

Die Mittelland Molkerei AG in Suhr will ihre Rohmilchtanks umstellen. Für die unterschiedlichen Milchsorten braucht es immer mehr getrennte Produktionslinien. Das gesamte Projekt kostet laut Besitzerin Emmi «einen mittleren einstelligen Millionenbetrag».

Daniel Vizentini
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In der Mittelland Molkerei AG werden an die 2000 Milchproduzenten von Bern bis Glarus betreut. 370 Personen arbeiten am Standort in Suhr.

In der Mittelland Molkerei AG werden an die 2000 Milchproduzenten von Bern bis Glarus betreut. 370 Personen arbeiten am Standort in Suhr.

Daniel Vizentini

Aktuell liegt ein Baugesuch auf für eine «Erweiterung des Rohmilchlagers» bei der Mittelland Molkerei in Suhr. «Es werden Stahltanks ausgewechselt», steht in den Unterlagen. Vier bisherige, grosse Tanks werden mit mehreren kleineren ersetzt. Vergrössert wird das Gesamtvolumen aber nicht.

Hinter dem Vorhaben steckt aber viel mehr. Der Suhrer Gemeindepräsident Marco Genoni ist als Geschäftsleiter der Genossenschaft Milchproduzenten Mittelland zuständig für die Betreuung von 2000 Milchproduzenten zwischen Bern und Glarus. Er erklärt: Damit die unterschiedlichen Milchsorten wie Biomilch, Wiesenmilch, konventionelle Milch und deren Zwischenprodukte wie Rahm oder Buttermilch getrennt verarbeitet und gelagert werden können, braucht es vom Produzenten bis zum Laden getrennte Linien.

«Die Logistik wird komplizierter und es braucht mehr Tanks, aber nicht unbedingt grössere.»
Der Hauptsitz der Mittelland Molkerei AG. Das Bürogebäude hinten ist nicht im Besitz von Emmi.

Der Hauptsitz der Mittelland Molkerei AG. Das Bürogebäude hinten ist nicht im Besitz von Emmi.

Urs Helbling (15.11.2016)

Etwas genauer erklärt es die Emmi, die Eigentümerin der Mittelland Molkerei AG in Suhr. Dort, wo früher die Butterzentrale – im Volksmund bekannt als die «Butteri» – und später die Aargauer Zentralmolkerei war, arbeiten heute an die 370 Menschen in der Herstellung von Frischprodukten und Molkereiprodukten wie Milch, Rahm und Butter. Mediensprecherin Sibylle Umiker sagt: Die aktuell vier Tanks (zwei à 100'000 Liter und zwei à 200'000 Liter) werden neu aufgeteilt in acht Tanks mit je zwischen 82'000 und 87'000 Liter. Es werden immer zwei Tanks übereinander angeordnet, sodass nicht mehr Grundfläche benötigt wird.

Die Labels verlangen eine getrennte Produktion von Anfang bis Schluss

Der Grund für die Umstellung: Immer mehr Labels – solche Etiquetten wie «Bio Schweiz» oder andere, regionale Labels – verlangen neu eine Trennung der Produktionslinien von Anfang bis zum Schluss. «Bisher akzeptierten verschiedene Labels eine sogenannte Massenbilanz», erklärt Sibylle Umiker. Nur die von einer bestimmten Label-Milch eingekaufte und verkaufte Menge musste übereinstimmen, die Milch aber nicht zwingend im entsprechenden Produkt eingesetzt werden.

«Das hatte den Vorteil, dass auch Labels mit sehr kleinen Mengen umgesetzt werden konnten», sagt sie. «Eine Massenbilanz ist sicher dort sinnvoll, wo es vor allem um die Unterstützung eines bestimmten Themas wie etwa einer Region geht» und wo die Produktionsbedingungen des Labels höchstens einen geringen Einfluss auf das Produkt haben.

An einem Tag Produkte von sechs verschiedenen Labels

Die Mittelland Molkerei in Suhr verarbeitet Milch von zehn Labels. «In der Regel werden an einem Tag Produkte von ungefähr sechs verschiedenen Labels hergestellt», sagt Sibylle Umiker. Dafür reichen die vier Tanks nicht aus beziehungsweise: Die Produktionsplanung wird mit nur wenigen Tanks komplexer.

Die Bauarbeiten dürften voraussichtlich im November beginnen. Wenige Monate später, im März 2022, soll das Projekt bereits abgeschlossen sein. Das Auswechseln der vier Stahltanks kostet laut Baugesuch 300'000 Franken. Das ganze Projekt beziffert Sibylle Umiker auf «einen mittleren einstelligen Millionenbetrag».