Aarau
Sprengmeister Weber: «Fünf Minuten vor der Sprengung war ich nervös»

Zuerst barst der Hauptbau und stürzte langsam in sich zusammen. Mit kaum merklicher Verzögerung wurden die Sprengladungen im Treppenbau gezündet und es fiel in die Trümmer des Hauptbaus. Genau wie geplant.

Toni Widmer
Merken
Drucken
Teilen

Die Staubwolke hatte sich verzogen, die Zuschauer drängelten sich vor den zwei Lücken im Flies, welches als Schutzwand um die Rockwell-Liegenschaft gezogen worden war und bestaunten den imposanten Trümmerhaufen.

Im Medienraum wurde Sprengmeister Walter Weber eine halbe Stunde nach der Sprengung mit Applaus empfangen.

«Irgendwelche Fragen?», schmunzelte er. Und dann gab er zu: «Ja, fünf Minuten vor der Sprengung war ich ziemlich nervös.»

Es hatte alles geklappt wie geplant. Der Hauptbau barst und stürzte ein.

Das Treppenhaus, dessen Sprengladungen leicht verzögert gezündet worden waren, hinterher. 5000 Tonnen Masse fielen in sich zusammen. Ein kaum spürbarer Knall, eine riesige Staubwolke und schon war es vorbei.

Sprengmeister dankt seinem Team

«Sind Sie jetzt stolz?», wurde der Sprengmeister von den Medienleuten gefragt.

«Nein, aber ich habe Freude. Das Gebäude ist so gefallen, wie wir es geplant haben und weil wir tüchtig vorgenässt haben, war die Staubwolke deutlich kleiner als erwartet.»

Weber macht seiner Crew ein grosses Kompliment: «Für ein solches Unterfangen muss unser kleines Unternehmen jeweils mehrere Leute beiziehen. Es sind erfahrene Freelancer, seit 10 Jahren meist dieselben. Es ist ein Traum-Team, auf das ich mich verlassen kann.»

Die einzige kleine Panne waren geborstene Schaufensterscheiben in einer Liegenschaft gleich gegenüber dem Sprengobjekt.

«Ich weiss noch nicht, was genau passiert ist. Die Schaufenster sind nur knapp 20 Meter von der Detonation entfernt und ich habe vor der Sprengung bereits erklärt, dass man allenfalls mit etwas Glasbruch rechnen muss.»

Grosse Schaufenster könnten auch bei einer relativ kleinen Druckwelle rasch ins Schwingen kommen. Die Reparatur sei bereits eingeleitet, erklärte Weber weiter.

Nach der Sprengung die Putzmaschine

Noch vor dem Glaser kamen der Bagger und die Putzmaschine. Jener Bauschutt, der etwas zu nahe an das Trottoir der Buchserstrasse gefallen war, wurde weggeräumt, die Strassen rund um den Gais-Kreisel gewischt.

Eine Stunde nach der Sprengung waren die Spuren ausserhalb des Baugeländes schon weitgehend beseitigt. Nur der Müll der «Partygänger» an der Hinteren Bahnhofstrasse lag noch da.

Die Festgemeinde war schon vor der Sprengung negativ aufgefallen. «Die Zündung hat sich wegen betrunkenen und renitenten Zaungästen verzögert», erklärte Walter Weber.

Sie hätten sich vorerst nicht an die Anweisungen des Sicherheitspersonals gehalten und im Gefahrenbereich aufgehalten. «Schade, dass es immer wieder Leute gibt, die es einfach nicht glauben wollen», sagte der Sprengmeister.

Die erste Sprengung eines Hochhauses in der Schweiz wurde nach ersten Schätzungen von weit über 1000 Zuschauerinnen und Zuschauern verfolgt. Die meisten wussten sich zu benehmen.

Walter Weber verhehlte nicht, dass er sich vom gelungenen «Blitz-Rückbau» in Aarau einen gewissen Werbeeffekt erhofft: «Wir haben eindrücklich gezeigt, dass man auf diese Weise ein Gebäude ohne Einsatz von schwerem Gerät schnell und sicher rückbauen kann.»