Aarau
Sozialdiakonin Cilia Staffelbach ist jung - dennoch machen ihr Gespräche über den Tod keine Mühe

Cilia Staffelbach ist jung, erst 25-jährig und betreut bereits eine ganze Gemeinde. Sozialdiakonin ist ihr Traumberuf – doch sie hat eine zweite Leidenschaft.

Marina Bertoldi
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Sozialdiakonin Cilia Staffelbach sieht es als Pflicht an, etwas für die ältere Generation zu tun.

Sozialdiakonin Cilia Staffelbach sieht es als Pflicht an, etwas für die ältere Generation zu tun.

Letztes Jahr im März verstarb der Aarauer Sozialdiakon Michele Bisaro unerwartet im Alter von nur 52 Jahren an Herzversagen. Jetzt hat die 25-jährige Cilia Staffelbach seine Stelle übernommen. Die Frohnatur lässt alle Traurigkeit vergessen.

Die Tür zum Büro steht weit offen. An der Wand hängen Postkarten mit Sonnenblumen, einem Heissluftballon, einem Frosch. Ein Hündchen springt ins Büro, das Hündchen der Arbeitskollegin. «Ja, hallo Giuli!», sagt Cilia Staffelbach mit freudiger Stimme. Sie bückt sich zum kleinen Wesen hinunter und wuschelt ihm mit beiden Händen durchs Fell. Dann blickt sie hoch. «Entschuldigung. Kommen Sie doch herein», sagt sie auf Berndeutsch. Sie trägt einen Nasenring. Die blonden Locken hat sie zu einem lockeren Dutt gebunden. Sie strahlt.

«Es ist mein absoluter Traumberuf», sagt Cilia Staffelbach. Als Sozialdiakonin könne sie das tun, was sie liebt: mit Menschen arbeiten. «Schon als Kind habe ich Menschen angelächelt und geschaut, wie sie reagieren.» Später nach der Fachmittelschule entschied sie sich, soziokulturelle Animation zu studieren. «Das Studium ist darauf ausgerichtet, mit Menschen zu arbeiten, sie zu animieren», schwärmt Cilia Staffelbach, in deren Freundeskreis sowohl 17-Jährige als auch 80-Jährige Platz finden.

Daneben arbeitete sie mit mehrfach behinderten Kindern, machte ein Praktikum in der Jugendarbeit, wechselte kurz in die Quartierarbeit, übernahm dann die Stelle ihres ehemaligen Praktikumbegleiters in der Jugendarbeit. Sie studierte, arbeitete und bildete nebenbei andere Studenten aus, alles gleichzeitig.

Wenn Cilia Staffelbach von dieser Zeit erzählt, sprudelt es nur so aus ihr heraus. Sie spricht schnell und viel, ohne dabei etwas Unüberlegtes zu sagen. «Ich kann sehr gut zuhören, auch wenn ich gerne viel rede», sagt sie und lacht herzlich. Das habe sie schon früh gelernt. «Ich habe drei Schwestern, wir alle haben sehr lebendige Persönlichkeiten.» Dementsprechend intensiv sei auch das Familienleben gewesen. «Da konnte ich meine diplomatische Ader voll ausleben.»

Als kleines Kind zog Cilia Staffelbach mit ihrer Familie für einige Jahre nach Colorado in die USA, wo ihr Vater den Klimawandel erforschte. «Er machte Eisbohrungen in Grönland, untersuchte Vulkane in Hawaii.» Den Grossteil ihrer Kindheit verbrachte sie aber auf einem Bauernhof in Bern. «Ich war ständig draussen», erzählt die 25-Jährige.

Diese Naturverbundenheit sei bis heute geblieben. Und obwohl sie mit drei Schwestern aufgewachsen sei, habe sie längst nicht nur mit Puppen gespielt. «Unser Vater hat uns wie Buben behandelt. Er hat mit uns getschuttet und nahm uns mit zum Klettern.»

Noch im Kindsalter entdeckte Cilia Staffelbach ihre grosse Leidenschaft: das Theater. Es fand keine Schulaufführung statt, bei der die junge Bernerin nicht mitgewirkt hat. «Ich habe diese Begeisterung im Blut. Meine Grosseltern haben auch leidenschaftlich Theater gespielt», erzählt sie. Zurzeit besucht Cilia Staffelbach nebenbei eine Schauspielschule in Zürich.

Doch bei aller Heiterkeit, Cilia Staffelbach kann auch ernst. Dann zum Beispiel, wenn sie mit einem Kirchgemeindemitglied über den Tod spricht. «Ich habe mich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt, bevor ich hier zu arbeiten begonnen habe.» Ihr sei bewusst, dass sie als Sozialdiakonin oft mit älteren Menschen in Kontakt komme. Und das war auch ihr grösster Wunsch. Sie sehe es als ihre Pflicht an, etwas für die ältere Bevölkerung tun.

Mit ihrer Arbeit für die Aarauer Kirchgemeinde könne sie das. Ideen für neue Projekte habe sie bereits. «Ich würde zum Beispiel gerne mal ein Pétanque-Spiel organisieren oder mit den Besuchern der Zinne Ostereier färben.» Zuerst stehe aber noch ein anderes Projekt an. Im Frühling studiert die Kirche mit Kindern ein Musical ein. Cilia Staffelbach wird beim Projekt mithelfen. «Auch deshalb mache ich die Schauspielausbildung. Ich lerne, mit welchen Werkzeugen ich solche Projekte leiten kann.»

Auch für sich selbst lerne sie viel. Nicht jede Rolle fällt der Frohnatur gleich einfach. Letztes Jahr habe sie eine Undine gespielt, die betrogen wurde und deshalb die gesamte Menschheit verurteilte. «Da stand ich vor 300 Zuschauern und musste ihnen meine ganze Wut und Verachtung entgegenspeien», erzählt sie. Dann lacht sie und man glaubt ihr sofort, wenn sie sagt: «Darin habe ich überhaupt keine Erfahrung.»

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