Erlinsbach SO
Solardach verboten – in dieser Kirche fliesst nur göttliche Energie

Der Kanton Solothurn verbietet in Erlinsbach eine Solaranlage auf dem Dach der St.-Nikolaus-Kirche. Das Amt für Raumplanung, Abteilung Ortsbildschutz, befürchtet, es könnte ein Präjudiz mit unabsehbaren Folgen für die Denkmalpflege geschaffen werden.

Beat Wyttenbach
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Das südliche Dach der St.-Nikolaus-Kirche hätte Strom für 14 Haushalte liefern sollen, doch daraus wird definitiv nichts.

Das südliche Dach der St.-Nikolaus-Kirche hätte Strom für 14 Haushalte liefern sollen, doch daraus wird definitiv nichts.

Stadelmann

Das Bau- und Justizdepartement (BJD) des Kantons Solothurn verbietet der römisch-katholischen Kirchgemeinde im Solothurnischen Teil von Erlinsbach, auf dem Dach der St.-Nikolaus-Kirche Solaranlagen zu montieren – wie auch bereits die Vorinstanzen. Die Kirchgemeinde akzeptiert die Verfügung und zieht sie nicht weiter.

Zur Vorgeschichte: Am 25. Mai 2012 hatte die römisch-katholische Kirchgemeinde Erlinsbach SO das Amt für Raumplanung, Abteilung Ortsbildschutz, angefragt, ob auf der Südseite des Dachs der St.-Nikolaus-Kirche Solaranlagen angebracht werden könnten. Auf einer Fläche von rund 350 Quadratmetern könnte Strom für 14 Haushalte produziert werden. Der Bescheid war negativ. Das Amt hielt fest, dass das Dorfzentrum des ehemaligen Niedererlinsbach sich in der Ortsbildschutzzone befinde und die St.-Nikolaus-Kirche ein «erhaltenswertes Kulturobjekt» sei.

Trotz dieser negativen Stellungnahme reichte die römisch-katholische Kirchgemeinde am 29. Juli 2013 bei der Bau- und Werkkommission (BWK) ein Baugesuch ein. Bei der Anlage war eine «Indach»-Version vorgesehen. Die Solarmodule wären in die Dachhaut eingepasst und die vorhandenen Ziegel ersetzt worden. Das Baugesuch wurde im Oktober 2013 aufgelegt, es ging eine Einsprache wegen des «massiv gestörten Ortsbildes» ein. Das BWK hiess die Einsprache am 11. November gut und lehnte das Baugesuch ab.

Beschwerde eingereicht

Am 2. Dezember legte die Kirchgemeinde Beschwerde ein. Sie schrieb unter anderem sinngemäss, sie unterstütze den Entscheid des eidgenössischen Parlaments zum Atomausstieg. Das nach Süden geneigte Kirchendach biete sich für eine Photovoltaikanlage geradezu an. Nationale Interessen sollten über einer allzu engen Auslegung des Ortsbildschutzes stehen. Zudem würde die Anlage nicht stören, da die Kirche freistehend und somit kein Teil der Dachlandschaft sei. Sie würde weder das Erscheinungsbild, das Ensemble noch die Harmonie des Ortsbildes beeinträchtigen. Zudem könnte der Gewinn aus dem Stromverkauf die hohen Unterhaltskosten für die Kirche mitgetragen werden.

In seiner Verfügung stützt das Bau- und Justizdepartement die Ausführungen der Vorinstanz. Es räumt zwar ein, der Augenschein im Mai habe ergeben, dass die geplante Anlage vom Dorfplatz aus nicht sichtbar sei. «Indes ist die Wahrnehmung des Ortsbilds – entgegen der Ansicht der Bauherrschaft – nicht nur auf einen einzigen Blickwinkel beschränkt, sondern ergibt sich durch die verschiedenen Aussichten aus der Umgebung». Die Kirche St. Nikolaus sei ein «Denkmal von nationaler Bedeutung», und eine Solaranlage würde nicht zuletzt wegen ihrer Grösse «nicht nur innerhalb des Ortsbildschutzperimeters, sondern auch von weit ausserhalb als Fremdkörper an der historischen Baute sowie im Ortskern wahrgenommen».

Passt nicht auf Kulturobjekt

Weiter hielt das BJD fest, dass Solaranlagen gemäss Raumplanungsgesetz «nicht in vom Kanton benannten Schutzzonen oder auf einem Kulturobjekt von kantonaler oder nationaler Bedeutung» erstellt werden dürfen. Speziell die St.-Nikolaus-Kirche verdiene «unter Einbezug von Wiederherstellungs- oder angemessenen Schutzmassnahmen die grösstmögliche Schonung».

Die Rechnungsgemeinde hat nun beschlossen, den Entscheid nicht ans Verwaltungsgericht weiterzuziehen. Die Argumentation des BJD würde auch vom Verwaltungsgericht gestützt, argumentierte Kirchenpflegepräsident Ernst Fiechter. Ein positiver Entscheid wäre ein Präjudiz mit unabsehbaren Folgen für die Denkmalpflege. Eine Einsprache würde zudem unnötig weitere Kosten verursachen.

Die Kirchgemeindeversammlung akzeptierte die Verfügung des BJD mit 26 Ja bei drei Enthaltungen und entfernte das Projekt aus der Investitionsplanung. «Wir wollten etwas Gutes und Sinnvolles für die Allgemeinheit erstellen und unseren Beitrag als öffentliche Institution ‹Kirche› zu den erneuerbaren Energien leisten. Leider spricht zu viel dagegen», sagte Fiechter.