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Schnee und Eis: Jetzt sind die Huskys in ihrem Element

Andy und Natascha Schlatter fahren Schlittenhunderennen – trainiert wird aber trotz Schnee auf Rädern.

Lee Ann Müller
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Wann geht es los
10 Bilder
Voller Vorfreude auf die Fahrt tollen die Huskys im Schnee herum
Rückkehr nach einer 30-minütigen Fahrt druch den Wald
Mit einer Stirnlampe geht es durch den dunkeln Wald
Luftsprünge und erwartungsvolle Blicke
Die Hunde warten am Waldrand auf ihre Artgenossen
Schnee und Eis: Jetzt sind die Huskys in ihrem Element
Damit die Hunde genügend Energie haben, füllt Natascha Schlatter die Futternäpfe nach
Die Hunde dürfen sich nicht verwickeln
Andy und Natascha Schlatter spannen die Hunde vor den Wagen

Wann geht es los

Lee Ann Müller

Die Kälte beisst sich durch das Thermoleibchen und den dicken Overall bis auf die nackte Haut und die Bise pfeift einem schon um die Ohren, bevor die Huskys losspringen.

Es ist Mittwochabend im Wald, ausser ein paar zähen Joggern ist keine Menschenseele zu sehen. Nur Andy und Natascha Schlatter trainieren mit ihren Hunden für die Schweizer-Meisterschaft in der Lenk am kommenden Wochenende, bei welcher sie in der Kategorie «Sprint» antreten werden. 12 Kilometer legen sie auf einem Schlitten am Stück zurück, dies mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 22 Stundenkilometern oder mehr.

Da die Schneebedingungen im Mittelland selten geeignet sind, um mit dem Schlitten zu trainieren, haben Schlatters einen Wagen auf Rädern. Er kommt auch heute zum Einsatz, auf den Waldwegen ist der Schnee grösstenteils bereits verschwunden.

Jeweils von Ende August bis Dezember bereitet sich das Ehepaar mit seinen Hunden auf die Wettkämpfe vor. «Die Rennen sind das Zückerchen für eine intensive Vorbereitungszeit», sagt Natascha Schlatter. Bevor man loslegen kann, muss vieles erledigt sein.

Wolfsgeheul im Transporter

Bereits Stunden vorher beginnen die Vorbereitungen für das Training. Wie Eltern, die mit ihren kleinen Kindern auf einen Ausflug gehen, bereitet das Ehepaar im Vorraum ihres Hauses fein säuberlich die Würstchen, Futternäpfe, die «Gstältli» und einen Abfalleimer vor, in dem sie später den Kot der Huskys sammeln können.

Aus den Innenräumen, in denen die Hunde jeweils zu zweit oder zu dritt leben, ertönt Gejaule und Gewinsel und als sie ihre Besitzer hören, springen sie wie wild an den Gittern hinauf. «Sie wissen genau, dass es losgeht», sagt Natascha Schlatter.

Mit routinierten Handgriffen führt sie jeden einzelnen Husky zu den Hunderäumen im Transporter, mit dem das Ehepaar Schlatter jeweils an die Rennen in der ganzen Schweiz fährt. Vom Wohnort geht es mit dem Wagen auf der kurvenreichen Strasse durch die Dörfer zum Trainingsgebiet.

Hinten im Transporter heulen die Huskys. Ihre Ähnlichkeit mit den Wölfen ist nicht zu überhören.

«Es ist ein Virus, eine Sucht»

Auf der Fahrt erinnert sich Andy Schlatter zurück an Magic, den ersten Husky, den sie besassen und mit dem ihre Faszination für Schlittenhunde erwachte und sie wie eine Sucht nie mehr losliess. «Ich wollte immer schon einen Husky», sagt er. Einen. «Aber es bleibt nie bei nur einem.»

Mittlerweile besitzen sie zwölf Hunde. «Es sind unsere Kinder», sagt Natascha Schlatter. Ein Lebensinhalt, der keinen Platz lässt für weitere Hobbys. Jeden Morgen stehen sie um 4.30 Uhr auf, um die Huskys an die frische Luft zu lassen, zu füttern und zu schätzelen. Ende Sommer, wenn die Saisonvorbereitungen beginnen, klingelt der Wecker gar bereits um 3.15 Uhr: Die Schlittenhunde vertragen die Hitze der Spätsommerabende nicht, und so müssen sie in den halbwegs kühlen Morgenstunden trainieren. Pünktlich um acht Uhr steht Coiffeuse Natascha Schlatter anschliessend in ihrem Geschäft «Kronenhaar» in Lenzburg.

Mittlerweile hat Andy Schlatter den Bus am Waldrand geparkt und die ersten sechs Hunde werden vor den Trainingswagen gespannt. Die restlichen sechs bindet Natascha Schlatter am Wegrand an. Die Huskys spüren, dass sie bald loslaufen können und sind nicht mehr zu halten, wie verrückt zerren sie am Wagen. Als der Startbefehl fällt, jagt der Leithund davon, mit dem Bewusstsein, dass ihm seine Kollegen im Nacken sitzen. Andy Schlatter verschwindet mit dem ersten Team, den jüngeren Hunden, zwischen den Bäumen. Erst bei den Senioren, den älteren und gemächlicheren Hunden, kann sich auch die az-Journalistin auf den Sitz wagen und mit Adrenalinschüben durch den dunklen Wald rasen. «Gee!», ein Befehl für «rechts», ruft Andy Schlatter, der hinten auf dem Wagen steht.

Leithündin Piper will weiter geradeaus, doch Co-Leader Joe an vorderster Front des Hundegespanns drückt seine Nase sanft gegen Pipers Kopf in die geforderte Richtung. Das Herz macht einen Sprung, als die Huskys nach rechts abbiegen und sich der Sitz auf dem Wagen in die Kurve legt. Der Schnee spritzt auf und der Jackenärmel schrammt haarscharf am Boden vorbei.

Nach einer Viertelstunde ist die Fahrt vorbei und die Hunde bekommen ein Würstchen. Zurück im Bus auf der Fahrt nach Hause ist diesmal hinten im Transporter alles still. Zufrieden hechelnd erholen sich die Huskys.

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