Gränichen
Schluss nach 375 Trauungen: Gemeindeschreiber Suter geht in Pension

Statt in der Kabine eines Raupentrax ist Hanspeter Suter an einem Schreibtisch im Gränicher Gemeindehaus gelandet. Bereut hat er es nie. Nach 16 Jahren als Vize-Gemeindeschreiber und 17 Jahren als Gemeindeschreiber geht er nun Ende Woche in Pension.

Katja Schlegel
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Hanspeter Suter kennt die Gränicher nach 33 Jahren in- und auswendig.Alex Spichale

Hanspeter Suter kennt die Gränicher nach 33 Jahren in- und auswendig.Alex Spichale

Alex Spichale

Raupentrax-Fahrer wollte er werden – geworden ist er Gemeindeschreiber: Hanspeter Suter, seit 33 Jahren im Dienste der Gemeinde Gränichen, 16 Jahre lang als Vize-Gemeindeschreiber und 17 als Gemeindeschreiber.

Jetzt hört er im Alter von 63 Jahren vorzeitig auf, aus dem Gemeindeschreiber wird ein Mountainbiker, Hobbygärtner, Oldtimerschrauber und Hausmann. «Gefühlsmässig ist das Leben nicht mehr so lang wie auch schon. Ich möchte meinen Lebensabend noch gesund geniessen können», sagt er.

Suter kennt Gränichen so gut wie seinen Hosensack. In den 17 Jahren als Gemeindeschreiber hat Suter als Aktuar im Wahlbüro rund 70 Wahlen und Abstimmungen geleitet, hat an 36 Gemeindeversammlungen teilgenommen, als Zivilstandsbeamter 375 Paare getraut und in Hunderten Gemeinderatssitzungen gesessen und ebenso viele Protokolle geschrieben.

Wunsch: Ein guter Steuerzahler

Suter hat miterlebt, wie das Dorf um 2000 Einwohner auf 7200 angewachsen ist, wie landwirtschaftliche Betriebe und Kleingewerbe verschwunden und viele Überbauungen dazu gekommen sind, wie Gränichen mit dem Dorfzentrum Linde 1993 seinen Kern bekommen hat.

Und doch hat sich das «Dorf zum Daheimsein» für Suter nicht wirklich verändert: «Gränichen ist immer ein Dorf geblieben, mit allem, was es zum Leben braucht.»

Trotzdem ist es gerade das Bevölkerungswachstum, das Suter am meisten Sorgen macht, wenn er an die Zukunft denkt: «Diese Leute müssen und wollen sich auch mit dem Auto und dem öV bewegen, sie wollen einkaufen, arbeiten, leben.

Das zu ermöglichen, mit diesen Massen an Menschen umzugehen, wird die grösste Herausforderung werden.» Er wünsche sich, dass sich Gränichen massvoll weiter entwickle. Und die Finanzen? Suter lächelt und nickt.

Ja, mit den Finanzen stehe es auch nicht zum Besten, sagt er. Wäre er einen Tag lang König von Gränichen, er wünschte sich für sein Königreich einen guten Steuerzahler.

«Man muss Menschen mögen»

Wer Gemeindeschreiber sein will, muss Menschen mögen. Davon ist Suter überzeugt. «Man muss kontaktfreudig sein und gerne mit Menschen in allen Lebenslagen zu tun haben.» Als schönste Aufgabe bezeichnet er die Trauungen, die er als Zivilstandsbeamter durchführen durfte.

Er freue sich noch immer, wenn er auf der Strasse Paare antreffe, die er vermählt hat. Und wie hat er die Gränicher erlebt, wie ist der typische Gränicher? Suter lacht und überlegt. «Er ist etwas eigen, aber im positiven Sinn. Er ist hartnäckig und hat eine eigene Meinung, die er auch vertritt», meint er dann. «Und er ist ein Geselliger.»

Dem Bubentraum mit dem Raupentrax weint Suter nicht nach, im Gegenteil. «Ich würde den Beruf des Gemeindeschreibers wieder wählen.» Und das nicht nur, weil er als einziger Mann auf der Kanzlei der Hahn im Korb war, sagt er und lacht. «Ich habe meine Arbeit im Spannungsfeld von Politik, Verwaltung und Gesellschaft immer gern gemacht.»

Auch wenn Suter weiss, dass sein Amt bei Nachfolgerin Andrea Geissmann in guten Händen ist, wird es doch keine einfache Woche: «Am Freitag meine Kiste zu packen und den Schlüssel für das Gemeindehaus abzugeben, wird mir nicht leicht fallen.»