Schafisheim
Arbeitsunfall bei Coop-Verteilzentrum: Rangierkomposition war zu schnell, der Gehweg zu wenig gut gesichert

Im April kam es zu einem Unfall auf dem Gelände des Coop-Verteilzentrums in Schafisheim: Ein Mitarbeiter wurde von einem Rangierzug erfasst. Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle Sust hat nun ihren Bericht dazu veröffentlicht.

Nadja Rohner
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Der verunfallte Mitarbeiter war von der Seite her gekommen (rot) und wollte um den Container herumgehen. Just, als er abgelenkt wurde, fuhr eine Rangierkomposition mit deutlich übersetzter Geschwindigkeit heran (grün).

Der verunfallte Mitarbeiter war von der Seite her gekommen (rot) und wollte um den Container herumgehen. Just, als er abgelenkt wurde, fuhr eine Rangierkomposition mit deutlich übersetzter Geschwindigkeit heran (grün).

Sust

Im April ist es bei der Anschlussgleisanlage des Coop-Verteilzentrums in Schafisheim zu einem schlimmen Unfall gekommen: Der Hub-Leiter (37) des Verteilzentrums wurde von einem Rangierzug erfasst, zu Boden geworfen und dabei schwer verletzt. Es handelte sich um einen Angestellten des Transportlogistikunternehmens Railcare.

Er war zuvor aus seinem Bürocontainer gekommen und wollte um einen abgestellten, auf Stützen stehenden Container gehen, als er von einem Mitarbeiter durch einen Zuruf abgelenkt wurde.

Er grüsste, ging weiter und wurde unmittelbar, nachdem er sich umgedreht hatte, vom Zug getroffen. Weder der Lokführer noch der im Führerstand mitfahrende Rangierarbeiter (beide 31) bemerkten, was passiert war. Die Rangierkomposition war von Dottikon her gekommen und entsprechend aus Richtung Lenzburg aufs Coop-Areal gefahren.

Container zu nahe, Zug zu schnell

Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) hat diesen Unfallhergang unter die Lupe genommen und, ungewöhnlich rasch, ihren Bericht publiziert. Sie fand heraus, dass der Container nur einen Meter vom Gleis entfernt stand. Laut Betriebsvorschriften hätten es 1,5 Meter sein müssen. Und selbst das hält die Sust bei regelmässig von Personen benutzten Gehwegen für zu wenig, schreibt sie.

Auch war der Rangierzug mit 18 km/h statt den vorgeschriebenen 5 km/h (Schrittgeschwindigkeit) unterwegs. Dies begründete der Lokführer, der von einem Temporärbüro an die Railcare ausgeliehen war, gegenüber der Sust damit, dass er «das Streckengleis zwischen Lenzburg und Hunzenschwil möglichst rasch freilegen wollte».

Eine geringere Geschwindigkeit, so die Sust, hätte aber nicht nur die Chance erhöht, dass der verunfallte Mitarbeiter noch hätte ausweichen können, sondern auch die Schwere seiner Verletzungen reduziert.

Auch weist die Sust darauf hin, dass nach der Unfallstelle ein Bahnübergang folgte, der vor dem Passieren des Rangierzugs gesichert werden musste. «Mit dem Nichtbefolgen von Vorgaben provozierte der Lokführer, dass beispielsweise der Bahnübergang nicht rechtzeitig gesichert werden konnte und Strassenbenutzer gefährdet wurden.»

Lokführer war nicht befugt, Arbeiten auszuführen

Die Sust rüffelt aber auch die Art und Weise, wie der Lokführer instruiert worden war – oder eben nicht: «Der Lokführer war zum Zeitpunkt des Unfalles, am 4. April 2022, bereits seit vier Monaten auf der Anschlussgleisanlage des Verteilzentrums Schafisheim tätig.

Seine Ausbildung über die entsprechenden Betriebsvorschriften erhielt er erst am 23. April.» Auch fehlten in seinen Unterlagen der Eintrag betreffend der Lok, die er an jenem Tag fuhr. «Der Lokführer war somit nicht befugt, die Arbeiten auszuführen», so die Sust. «Er hätte von sich aus darauf verzichten müssen, bis er die Befähigungen erlangte.»

Weiter schreibt die Sust: «Während der durch das Eisenbahnverkehrsunternehmen Railcare durchgeführten Kontrollen sind die zu nahe am Gleis aufgestellten Container und die mangelnde Befähigung des Temporärpersonals nicht aufgefallen.» Im Übrigen habe der Entscheid von Coop als Betreiberin des Anschlussgeleises, Railcare mit der Überwachung zu beauftragen, dazu geführt, dass sich das Bahnverkehrsunternehmen selbst auf Einhaltung der Betriebsvorschriften überwacht.»

Immerhin: «Railcare hat umgehend Verbesserungen für die Begehbarkeit an der Unfallstelle vorgenommen und wird die weiteren Hinweise in ihre Kontrolltätigkeit aufnehmen», so die Sust.