Aarau
Rockwell-Schliessung: Regierungsrat glaubte, die Firma sei profitabel

Die geplante Schliessung der Produktion in Aarau, mit der 250 Jobs verloren gehen, hat den Regierungsrat überrascht. Für die Rockwell-Mitarbeiter sind Angebote zur Stellenvermittlung vorgesehen.

Fabian Hägler
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In diesen Gebäuden sind die 250 Personen tätig, die von den Abbaumassnahmen bei Rockwell betroffen sind.

In diesen Gebäuden sind die 250 Personen tätig, die von den Abbaumassnahmen bei Rockwell betroffen sind.

Chris Iseli;Chris Iseli/Aargauer

Es war ein Schock, als Rockwell am 19. September ankündigte, ihre Produktion in Aarau zu schliessen. 250 Stellen dürften bis 2021 verloren gehen, der Abbau beginnt im Jahr 2019. Die Verlagerung der Arbeitsplätze ins Ausland rief auch die Politik auf den Plan, die SP-Fraktion reichte im Grossen Rat eine Interpellation zum Entscheid von Rockwell ein. Die Antwort der Regierung zeigt, dass auch Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann von der Ankündigung der Firma überrascht wurde. Die Rockwell-Geschäftsführung habe den Regierungsrat zwei Tage vor der Öffentlichkeit über den Stellenabbau informiert, heisst es darin. Das Unternehmen plane, «eine nächste Generation der bisher in Aarau produzierten Motorschutz- und Leistungsschalter an einem anderen Standort zu fertigen und die Montage an andere Produktionsorten zu konzentrieren», schreibt die Regierung. Nur so könne Rockwell auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig bleiben, heisst es in der Antwort.

Die Regierung hält fest, man bedaure die Abbaupläne, zumal man bisher stets davon ausgegangen sei, «dass die Produktion von Rockwell Automation in Aarau profitabel betrieben werden kann». Das Unternehmen habe sich entschieden, auf neue Produkte umzusteigen, was nachvollziehbar und langfristig unumgänglich sei. Und dass derartige Neuausrichtungen immer wieder zum Anlass genommen würden, die Produktion von Industriegütern ins Ausland zu verlagern, sei leider eine Tatsache, was auch Beispiele anderer Schweizer Unternehmen zeigten.

Kanton unterstützt Betroffene

In den vergangenen Wochen haben laut Regierungsrat mehrere Sitzungen mit Urs Hofmann, Rockwell-Managern, Vertretern der Angestellten sowie der Stadt Aarau stattgefunden. Man unterstütze «alle Ansätze zur Verminderung des Stellenabbaus und der Anzahl Entlassungen», schreibt die Regierung. Das Amt für Wirtschaft und Arbeit werde ein Konzept zur Unterstützung betroffener Mitarbeiter erarbeiten. Dabei sollen auch Inputs der Gewerkschaften einfliessen. Das Amt für Wirtschaft und Arbeit plant, wie im Fall GE/Alstom, bei Bedarf zusammen mit Rockwell Automation ein betriebliches Arbeitsmarktzentrum einzurichten. Überdies werde zu gegebener Zeit ein mobiles Regionales Arbeitsvermittlungszentrum eingesetzt. Der Regierungsrat hält fest, weil der Stellenabbau erst 2019 beginnen und bis 2021 dauern solle, könne die Zeit genutzt werden, «um Massnahmen für die Arbeitsintegration der betroffenen Mitarbeitenden einzuleiten». Dabei gehe es um Standortbestimmungen, Outplacements, Beratungen und Bildungsmassnahmen. «Gezielte Weiterbildungen stehen im Fokus der Bemühungen, um die Chancen für eine Reintegration in den Arbeitsmarkt zu optimieren», heisst es in der Antwort.

Grundsätzlich hält der Regierungsrat fest, dass neben dem angekündigten Abbau von 250 Stellen bei Rockwell und dem drohenden Verlust von 1300 Jobs bei General Electric weitere Stellenreduktionen im Aargau nicht auszuschliessen seien. Zwar erhole sich die Schweizer Wirtschaft langsam vom Frankenschock, doch die Firmen im Aargau seien im Wettbewerb besonders exponiert. Je nach Marktsegment sei die Situation der Unternehmen deshalb unterschiedlich. Erhole sich beispielsweise die Nachfrage nach Uhren, habet dies im Kanton Solothurn einen grossen Einfluss. «Werden aber plötzlich wieder Kraftwerke gebaut, ist dies vor allem im Kanton Aargau spürbar», vergleicht der Regierungsrat.