Erlinsbach
Peter Heller hat einen hauseigenen Schiesskeller und macht sogar die Patronen selber

Der IPSC-Schütze kann inzwischen in seinem hauseigenen Schiesskeller trainieren. Weil er so viel trainiert, stellt er um Geld zu sparen die Patronen selber her. Er vermietet seine Anlage, doch nicht jeder darf bei ihm schiessen.

Philipp Felber
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Peter Heller mit seiner Open-Division-Waffe.

Peter Heller mit seiner Open-Division-Waffe.

Bruno Kissling

Von aussen deutet nichts darauf hin, dass sich in dem alten Bauernhaus in Erlinsbach eine unterirdische Schiessanlage befindet. Und dies, obwohl hier auch schon Wettkämpfe ausgetragen worden sind. «Aus Sicherheitsgründen ist die Anlage nicht gross angeschrieben», sagt deren Besitzer, Peter Heller. Oberirdisch, wo einst Pferdeboxen standen, ist ein kleines Lokal eingerichtet. Hier empfängt Heller Interessierte, die sich in Kursen mit dem dynamischen Pistolenschiessen vertraut machen möchten.
In diesem Sport ist Peter Heller zu Hause. Und dies sehr erfolgreich. Welt-, Europa- und mehrfacher Schweizer Meister darf er sich nennen. Bereits seit 1985 betreibt er diesen Sport, seit 1995 als Mitglied der Schweizer Nationalmannschaft. «Nicht weil ich gut bin, sondern weil die anderen eine Zeit lang noch nicht so gut waren», sagt Heller.
Einen lang gehegten Traum hat er sich im Jahr 2000 verwirklicht. Er, damals Hausmann, hatte am Tag immer zwei Stunden Zeit, um zu trainieren. Leider waren die Trainingsmöglichkeiten zu weit weg. So machte er Nägel mit Köpfen und baute seinen Keller um in eine Pistolenschiessanlage. Nun hatte er seine Trainingsmöglichkeit direkt unter seinem Haus. Und er trainiert häufig. So häufig, dass es sich lohnt, die Patronen selbst herzustellen. So spart er pro Patrone gut sechs bis sieben Rappen.
Sein Schiesskeller ist heute ein Begriff – weit über die Schiessszene hinaus. Einfach war es jedoch nicht, eine Bewilligung dafür zu bekommen. Drei Jahre ging es hin und her, bis eine Bewilligung vorlag, wie Heller erzählt. Und die galt auch erst mal nur für ein Jahr. Danach sollte getestet werden, ob die Anlage wirklich keine wertmindernde Lärmemission verursacht wie von Anwohnern befürchtet.
Das tat sie nicht. Somit bekam Heller die definitive Bewilligung. Diese würde es auch erlauben, dass Dienstpflichtige ihr obligatorisches Bundesprogramm über 25 m mit der Pistole absolvieren dürften. Doch dafür wurde die Anlage noch nie genutzt. Sie dient Heller und anderen Schützen hauptsächlich als Trainingsanlage. Zudem nutzen diverse Polizeikorps den Raum für Ausbildungszwecke.
Nicht alle dürfen schiessen
Und natürlich vermietet Heller die Anlage auch. Oder er führt, wie eingangs erwähnt, Kurse durch. Die Vermietung ist denn auch ein Reizthema, denn nicht jeder ist in der Schweiz berechtigt, Waffen zu tragen. So dürfen Staatsangehörige aus acht Staaten (Albanien, Algerien, Sri Lanka, Kosovo, Mazedonien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Türkei) in der Schweiz überhaupt nicht schiessen. Es komme aber vor, dass auch Leute aus solchen Staaten den Keller mieten und Kurse bei ihm buchen wollen. «Da kontrolliere ich jeweils die Ausweise, und lasse alle, die nicht schiessen dürfen, auch nicht schiessen», erklärt Heller.
Neuer Name, besseres Image
Doch sonst hat er keine Berührungsängste. Freimütig gibt er auch zu, dass sein Sport als Combat-Schiessen («Combat» bedeutet auf Deutsch etwa Kampf, Gefecht, Schlacht) einen unschönen Ruf in den Medien erhielt. Dadurch, dass viele Vereine nun nicht mehr als Combat-Vereine auftreten, sondern die Sportart vor allem unter dem Namen IPSC-Schiessen (International Practical Shooting Confederation) bekannt ist, hat sich dies wohl etwas entschärft. Auch legt Heller Wert darauf, dass mit diesem Sport keine Verteidigung an sich trainiert werde.
Denn während der Wettkämpfe wird nicht auf genügend Deckung geachtet. «Es ist ein Vollgas-Sport.» Dementsprechend sind auch die Pistolen, mit welchen in verschiedenen Kategorien geschossen wird, modifiziert. Wobei: je nach Division (Kategorie) bestehen gewisse Auflagen. «Eine Open-Divison-Waffe kostet mit allen Modifikationen so um die 6000 Franken. Ein Einsteiger-Modell für die Production-Division bekommt man zusammen mit den nötigen Magazinen für 1100 Franken», sagt Heller.

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