Erlinsbach SO

Neustart mit Hindernissen: Die ersten Wochen der «Schmitte-Praxis» verliefen anders als geplant

Das Ärzteteam: (v.l.) Maja Friess, Claudia Peter, Angela Hett und Thomas Grüter.

Das Ärzteteam: (v.l.) Maja Friess, Claudia Peter, Angela Hett und Thomas Grüter.

Seit dem 27. April dürfen die Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz wieder normal arbeiten – es sind nicht mehr nur dringliche Untersuchungen und Behandlungen erlaubt. Das freut besonders das Team der nigelnagelneuen Hausarztpraxis am Dorfplatz von Erlinsbach SO. Hier, mitten im ortsbildgeschützten Dorfkern, kaufte die Gemeinde 2017 das alte Mi­gros-Gebäude, liess es bis auf das Kellergeschoss abreissen und neu bauen. Oben entstanden Wohnungen, im Erdgeschoss die Praxisräume. Hintergrund: Die beiden Nachfolgerinnen des Hausarzts Hanspeter Kurth – Maja Friess und Claudia Peter – waren auf der Suche nach einer Liegenschaft, die sich auf Dauer besser für eine Gruppenpraxis eignet als Kurths Praxis in der Bläuen in Erlinsbach AG. Der Gemeinderat im solothurnischen Erlinsbach bot Hand. In mehreren Abstimmungen genehmigten die Stimmbürger Kredite für den Kauf der alten Liegenschaft am Dorfplatz und einen Neubau - total über 4 Mio. Franken.

Los ging es mit angezogener Handbremse

Nach drei Jahren in der alten Praxis konnten die Ärztinnen – mittlerweile waren es drei – im März endlich an den neuen Standort umziehen. Pünktlich auf die Coronakrise. Einerseits sei das gut gewesen, weil sie nun genügend Räume hätten, um die nötigen Sicherheitsabstände einhalten zu können, sagen sie. «Andererseits haben wir gerade sehr viel in den Innenausbau investiert und hätten dank dem zusätzlichen Arzt Thomas Grüter deutlich grössere Kapazitäten, um auch neue Patienten anzunehmen», so Maja Friess. Mit Corona kam der Einbruch: Die Praxis musste, wie manch andere, Kurzarbeit anmelden. «Das hat uns ziemlich Sorgen gemacht – wir sind keine abgebrühten CEOs, die sich das gewohnt sind.»

Nun geht es seit zwei Wochen wieder aufwärts in der «Schmitte-Praxis», die mit ihrem neuen Namen auf das angrenzende historische Gebäude am Dorfplatz verweist. Es dürfen alle Patienten kommen – sollte es Covid-19-Verdachtsfälle geben, werden diese gesondert zu Randzeiten einbestellt. Obwohl die Stadt Aarau mit ihrer medizinischen Rundumversorgung nahe ist, wird in der «Schmitte-Praxis» Wert darauf gelegt, die ganze Palette der Hausarztmedizin anzubieten, speziell auch reisemedizinische Beratung, Ultraschall, gynäkologische Routinekontrollen, kleine chirurgische Eingriffe und Hausbesuche.

Die Praxis hat noch den typischen Neubau-Geruch. Nicht ganz selbstverständlich: Denn in der allerersten Betriebswoche kam es zu einem Zwischenfall, der dem Team einen gehörigen Schrecken einjagte: Als jemand in der Umgebung ein grosses Feuer machte, gelangte Rauch durch eine nicht richtig eingestellte Lüftung in die Praxis. Viel Rauch. «Die Feuerwehr musste kommen, wir dachten wirklich, es brennt bei uns», erinnern sich die Ärztinnen.

Kantonswechsel war «furchtbar»

Jetzt können sie darüber lachen. Auch über die nicht enden wollende Flut an Papierkram, den der Kantonswechsel vom Aargau ins Solothurnische mit sich brachte: «Furchtbar» sei das gewesen, sagen Claudia Peter und Maja Friess gleichzeitig. Das war mit ein Grund, weshalb sie in den letzten Monaten extrem beschäftigt waren.

Darüber hinaus haben sie den Innenausbau der Praxis nicht nur selber finanziert, sondern auch eng begleitet – obwohl sie ihr Beruf fast Vollzeit beschäftigt. «Ein sehr intensiver, aber spannender Prozess. Trotzdem: Das war hoffentlich einmalig in unserem Leben», sagt Maja Friess. Und Claudia Peter fügt hinzu: «Es ist so geworden, wie wir es uns vorgestellt haben. Wir kommen sehr gerne zur Arbeit und sind der Gemeinde dankbar, dass sie das ermöglicht hat und wir hier sein dürfen.»

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