Restaurants
Neue Gastro-Serie: Warum wir im Aargau West so viele «Bären» haben

Neue Serie über das gute Dutzend Gasthöfe Bären im AZ-Gebiet Aargau West – von den quicklebendigen bis zu halb toten.

Katja Schlegel
Merken
Drucken
Teilen
Einfach schön: Das Wirtshausschild des Gasthofs Bären Suhr.

Einfach schön: Das Wirtshausschild des Gasthofs Bären Suhr.

Bilder: Michael Küng

Das Wirtshaus im Dorf, während Jahrhunderten war es das Zentrum des gesellschaftlichen Lebens. Ein Ort der Fröhlichkeit und der Gemeinschaft – und gleichzeitig ein Ort des Lasters. Wirtshäuser waren Brennpunkte, auf die der Staat stets ein wachsames Auge hielt.

Der Wirt zählte zu den wichtigsten Männern im Dorf, aber diese Stellung hatte ihren Preis: Wer wirten wollte, brauchte eine Konzession der Obrigkeit, im Westaargau bis 1798 die Herren von Bern. Der Wirt musste im staatlichen Auftrag für Ordnung sorgen und Sünder verzeigen. Er musste also darauf bedacht sein, dass die Gäste tranken, um ihm das Einkommen zu sichern, aber nicht zu viel, damit sie keine Dummheiten anstellten. Kam es doch so weit, wurde auch er als Wirt für das Fehlverhalten der Gäste belangt.

Ein Wirt musste den Herren von Bern genehm sein. Und so erstaunt es nicht weiter, dass viele der ältesten Gasthöfe im einstigen Berner Untertanengebiet «Bären» heissen. Das Wappentier sollte die Landsherren ehren. Und waren die Berner hier auf Reisen, kehrten sie natürlich gern in einem «Bären» ein. Das handhabten auch die anderen Regionen so: Im vormals österreichischen Fricktal finden sich beispielsweise auffallend viele Gasthöfe zum Adler.

Reglementiert war auch das Recht der Wirtshaustypen, aufgeteilt in drei Kategorien: Taverne/Gasthof, Pinte/Schenke und Busch- oder Eigengewächswirtschaft. In einer Taverne durften alle Getränke und Speisen serviert und Mensch und Tier beherbergt werden. In einer Pinte durften alle Getränke, aber nur kalte Speisen und Würste serviert werden. Übernachten durfte in einer Pinte keiner. In einer Buschwirtschaft kamen nur Wein aus Eigenproduktion sowie Käse und Brot auf den Tisch.

Für ein Tavernenrecht zahlten Wirte eine einmalige Gebühr sowie einen jährlichen Zins. Zusätzlich musste der Wirt vierteljährlich das Ohmgeld auf Getränke zahlen. Drei Prozent des Verkaufspreises kamen dem Staat zu, vier Prozent der Gemeinde. Dazu musste der Wirt penibel die ausgeschenkte Getränkemenge notieren. Ohmgeldforderungen wie auch Rechte und Kategorien wurden später auch vom Kanton Aargau weitergeführt. Dieser erweiterte nach und nach die Kategorien, beispielsweise mit Speise- oder Bierwirtschaften.

Quellen

Historisches Lexikon der Schweiz, www.hls-dhs-dss.ch. Dorf und Gemeinde Buchs von Markus Widmer-Dean und Raoul Richner, 2010. Reinach – 1000 Jahre Geschichte, Peter Steiner, 1995.

Serie: Unsere «Bären» – gelebte Beizenkultur