Aarau/Seetal
Mehr Velotouristen an der Aare und am Hallwilersee

Bisherige Radwege und neue Routen mit Akku-Ladestationen steigerten im Sommer den lokalen Tourismus. Auch die Nachfrage nach Angeboten wie Bed & Breakfast hat angezogen.

Marianne Wydler (Text und Foto)
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Jan Repka aus Prag besucht während seiner zweiwöchigen Radreise durch die Schweiz die Aarauer Altstadt.

Jan Repka aus Prag besucht während seiner zweiwöchigen Radreise durch die Schweiz die Aarauer Altstadt.

Wer sich diesen Sommer in der Aarauer Altstadt aufhielt, begegnete Velofahrern mit Gepäck und stellte fest: Man wurde von mehr Ausflüglern als sonst nach dem Weg gefragt. Das Team der Buchhandlung in der Kronengasse hatte sogar den Eindruck, dass in dieser Saison auffallend viele Velotouristen in Aarau vorbei kamen. Es vermutet, ein neuer Veloreiseführer locke in dieser Saison mehr deutsche Radtouristen an.

Radreisepauschalen bringen Gäste

Zieht Aarau tatsächlich mehr Touristen an als früher? Deutsche Internetseiten beschreiben besonders seit diesem Jahr mehrtägige Touren durch die Flusslandschaft der Aare und weisen dabei auf «die liebenswerten Städtchen wie Olten, Aarau und Brugg» hin. Ingo Mielke von der Radreisen-Datenbank sagt: «Radtouristen aus Deutschland nehmen die Schweiz in den letzten zwei Jahren mit erhöhtem Interesse wahr. Dabei erhält die Aareroute viel Aufmerksamkeit.» Sie biete alle Vorteile eines Flussradweges: Klare Orientierung am Flusslauf, wenig Steigungen, hohes Naturerlebnis, Nähe zum Wasser und für Familien geeignet. Die Publikation von Veloland Schweiz zur Aare-Route – soweit bekannt – wird auch in Deutschland beachtet.

Auch die Velohandlung Grassi bemerkte im Juli und im August eine Zunahme von Radtouristen gegenüber andern Sommern. Obwohl versteckt gelegen, suchten Radfahrer aus Deutschland, Italien und Dänemark das Geschäft auf. Sie reisten auf der Nord–Süd-Route, ein Bus transportierte ihr Gepäck. «Aarau liegt ja gleich an zwei nationalen Radrouten», sagt der Velohändler. Er stellte fest: Heute orientierten sich viele Veloreisende per Navigationsgerät. Man könne nicht nur anhand von Radkarten und -führern ausmachen, welche Gebiete sich Veloreisende auswählten.

In den Strassencafés der Aarauer Altstadt bediente das Personal die in- und ausländische Touristen. Ob es dieses Jahr mehr Gäste habe als in vergangenen Sommern, sei schwer zu sagen, heisst es im Gossip. In den Sommerferien besuchten laut der Besitzerin des Scalo besonders viele Touristen ihr Café.

Eine Fachfrau, die neue Entwicklungen im Tourismus in der Region verfolgt, ist Fabienne Vollenweider von Seetaltourismus: «Durch die neu eröffnete Hochstamm-Seetal-Route mit Akku-Stationen sind sicher mehr Leute mit E-Bikes unterwegs.» Mietstationen im Wirtshaus Rütihof in Gränichen, im Bahnhof Aarau und im Hotel Seerose in Meisterschwanden tragen zur Popularität der Route bei. Auch eine Bergroute vom Wynental ins Seetal und die Route von Willisau via oberes Seetal nach Zug empfiehlt Seetaltourismus. Diese Routen sind durch Schweiz Mobil ausgeschildert, mit Ausnahme der Trainingstour von Karin Dürig. Die 12 Kilometer lange Runde der Radrennfahrerin startet in Retschwil am Baldeggersee.

Aargau Tourismus empfiehlt auch mehrtägige Routen wie die zweitägige Rütihof-Tour oder die dreitägige Route von Bremgarten nach Meisterschwanden.

Bed & Breakfast immer beliebter

Damit Radreisende überhaupt mehrtägige Routen in Angriff nehmen, wollen sie davon ausgehen können, eine passende Unterkunft zu finden. Wem das Hotel zu teuer ist, der findet vor allem am Hallwilersee Alternativen. Das Angebot reicht von Bed & Breakfast über die Jugendherberge, Übernachten auf dem Bauernhof bis zum Campingplatz. Auch der Aare entlang wird Radlern seit dieser und der letzten Saison mancherorts ein Zimmer mit Frühstück offeriert.

Andrea Lehner von Aargau Tourismus sagt: «Die Nachfrage nach Angeboten wie Bed & Breakfast hat sehr angezogen.» Im Aargau fehlten unter der Woche oft Hotelbetten für Touristen, so Lehner. Denn die wenigen vorhandenen seien schon durch Geschäftsleute belegt.

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