Konzert
Orchesterverein Aarau mit neuem Dirigenten: Nach zwei Jahren kann Armin Renggli endlich sein Einstandskonzert geben

Eine schon fast unwirkliche Situation: Armin Renggli hat vor knapp zwei Jahren den Orchesterverein Aarau übernommen, als Nachfolger von David Schwarb. Kurz darauf kam der Lockdown, nicht einmal mehr proben war möglich. Daher kann Renggli erst jetzt sein Einstandskonzert in Aarau geben.

Sibylle Ehrismann
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Armin Renggli ist schon bald zwei Jahre Dirigent des Orchestervereins Aarau.

Armin Renggli ist schon bald zwei Jahre Dirigent des Orchestervereins Aarau.

zVg

Das Programm dieses ersten Konzerts verweist darauf, dass Renggli sich auch in der Blasmusikszene auskennt. Der Orchesterverein spielt unter anderem das Euphoniumkonzert von Joseph Horovitz (*1926), Solist ist Fabian Bloch. Der Komponist Horovitz konnte dieses Jahr übrigens seinen 95. (!) Geburtstag feiern. Das Euphonium gehört wie die Tuba zu den grössten und tiefsten Blasinstrumenten, der Name kommt aus dem Griechischen und bedeutet «wohlklingend».

Auch Armin Renggli hat sich einst für das Euphonium entschieden, er studierte dieses Instrument vor seinem Kapellmeisterstudium. Wie kommt ein junger Mensch zu einem Euphonium? «Eigentlich hatte unsere Familie nur am Rande mit Blasmusik zu tun», erzählt Renggli, «mein Vater war Dirigent, meine Mutter Sängerin, Oper und Operette waren bei uns zu Hause allgegenwärtig. Es war eher ein Zufall: als ich das Euphonium zum ersten Mal hörte, war ich fasziniert von seinem warmen, samtigen Klang. Bis heute bin ich ein Klang-Junkie, auch als Orchesterdirigent.»

Renggli ist auch Chefdirigent der «Kirchenmusik Flühli»

Dementsprechend ist auch das Konzert für Euphonium und Orchester von Horovitz sehr klangmalerisch, es bringt die samtigen Farben schön zur Geltung. Das Konzert zeigt aber auch auf, was man mit diesem Instrument alles machen kann, der dritte Satz etwa ist überaus virtuos. «Das Euphonium wird wie die Trompete mit Ventilen gespielt», erklärt Renggli, «damit lässt es sich durchaus virtuos spielen.»

Renggli hat bisher einige Sinfonie- und Blasorchester geleitet, zurzeit ist er auch Chefdirigent der «Kirchenmusik Flühli», einer sehr bekannten Formation. «Kirchenmusik Flühli» ist ein spezieller Name für eine Blasmusik, wie kommt das? «Der Name geht auf eine alte Tradition zurück», meint Renggli. «Wir spielen zwar ab und zu bei kirchlichen Feiern, aber wir sind nicht der Kirche angeschlossen.» Obwohl das Dorf Flühli nur 900 Einwohner hat, gebe es zwei gute Brass Bands, so Renggli weiter. Die eine wurde vor langer Zeit von der CVP lanciert und ist katholisch ausgerichtet, die andere von der FDP.

Diese bekannte Brass Band von Flühli leitete einst auch der Schweizer Dirigent Philippe Bach, einer der Dirigierlehrer von Armin Renggli. Bach ist seit etlichen Jahren Chefdirigent der traditionsreichen Meininger Hofkappelle in Thüringen, gleichzeitig steht er der Kammerphilharmonie Graubünden vor.

Orchesterverein spielt zum ersten Mal wieder in Grossformation

Was gab Bach seinem Studenten Renggli mit auf den Weg? «Er hat in mir die Faszination fürs Dirigieren erst so richtig entfacht. Zudem machte mir Bach bewusst, was es bedeutet, selber zu interpretieren, und das mit einem grossen Klangkörper. Er vermittelte uns auch, wie wichtig es ist, sich zuerst nur mit dem Text, der Partitur auseinanderzusetzen, sie genau zu studieren und die Intentionen des Komponisten zu erkennen, bevor man dirigiert.»

Nach der langen Coronapause spielt der Orchesterverein nun erstmals wieder in Grossformation, es kommen auch die pastorale 6. Sinfonie von Beethoven und die Titus-Ouvertüre von Mozart zur Aufführung. Darauf hat Renggli das Orchester sorgfältig vorbereitet. Ende Juni spielten sie ein erstes kammermusikalisches Konzert, in dem die Bläser alleine zwei Quintette spielten, und die Streicher nur ein Streicherstück. Nun ist die Motivation der Orchestermusiker(innen) natürlich gross, endlich mal wieder den grossen Klang zu erleben.

Aarau, Kultur & Kongresshaus, Sa, 20. November, 20 h
Vorverkauf: Buchhandlung Orell Füssli, Hintere Vorstadt 18, Aarau.

Tel. 062 832 38 38

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