Klassik
Daniela Roos spiel Klassik mit viel Kreativität – auch darum ist die «Sonaare»-Konzertreihe so erfolgreich

Daniela Roos-Hunziker gehen die Ideen nicht aus. Zu hören ist dies am vorletzten «Sonaare»-Konzert der Saison.

Sibylle Ehrismann
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Daniela Roos-Hunziker ist Cellistin und leitet die feine Konzertreihe «Sonaare».

Daniela Roos-Hunziker ist Cellistin und leitet die feine Konzertreihe «Sonaare».

Bild: Zvg

Ein Name wie aus Tausendundeiner Nacht: Duo Escarlata! Die Cellistin Daniela Roos-Hunziker schmunzelt: Das heisse übersetzt «Scharlachrot». Auf diesen Namen seien sie gekommen, weil bei ihr zu Hause gerade eine tiefrote Amaryllis-Blüte aufgegangen war, als sie nach einem Namen für ihr spezielles, fast unmögliches Duo suchten.

Denn zur Cellistin kommt im Duo Escarlata auch eine Akkordeonistin: Ina Callejas. Die beiden eigenwilligen Musikerinnen haben ein ähnliches Temperament, sie verbindet rhythmische Virtuosität, ein spielerisches Hin und Her von Melodie und Begleitung – und ein freudiges Entdecken neuer Stücke. Neun Jahre ist es nun her, dass dieses spezielle Duo mit dem Förderpreis «Pro Argovia Artist» ausgezeichnet wurde, und es ist noch immer sehr erfolgreich unterwegs.

Akkordeonistin Ina Callejas.

Akkordeonistin Ina Callejas.

Ursula Burgherr

Violoncello und Akkordeon klingen zusammen ungewohnt. Doch Ina Callejas ist eine versierte Arrangeurin, ähnlich einer Orgel hat das Akkordeon verschiedene Registerfarben, die man effektvoll einsetzen kann. Diesen besonderen Klang gibt es auch auf der Escarlata-CD «Herzstücke», mit Musik von Manuel de Falla, Astor Piazzolla, Camille Saint-Saëns und vielen mehr.

Zu ihren Konzerten lädt sie persönlich

Daniela Roos erzählt voller Enthusiasmus von all ihren Projekten. Dazu gehört auch die künstlerische Leitung der kleinen, aber feinen Konzertreihe «Sonaare», die sie 2014 übernommen hat. Unter ihrer Ägide entwickelten sich die «Konzerte für Entdecker», wie sie sie nennt, vom Geheimtipp zur beliebten Reihe mit zehn Konzerten pro Saison.

Nun stehen davon bereits die letzten dieser besonderen Saison an. Nach einer musikalischen Zeitreise ins London von 1666 und einer «Noche de Tango» lässt es sich Roos nun nicht nehmen, mit ihrem Duo ebenjene «Herzstücke» zu spielen. Der Titel verspricht Romantik, etwa wird Offenbachs Salonstück «Deux âmes au ciel» von Violoncello und Akkordeon interpretiert. Mit dem Konzert feiert das Duo Escarlata auch ein wenig sein 10-Jahre-Jubi­läum.

Mittlerweile kann Roos bei «Sonaare» mit 150 bis 200 Personen pro Konzert rechnen – damit findet sie ein beachtliches Publikum für Kammermusik. Was ist das Geheimnis ihres ­Erfolgs? «Unsere Gäste schätzen das persönliche Ambiente», meint Roos, «ich verschicke für jede Veranstaltung 300 persönliche Briefe per Post. Geschätzt wird auch, dass die Konzerte immer am letzten Freitag im ­Monat stattfinden und nicht länger als eine Stunde dauern.» Längst hat auch die Mund­propaganda gegriffen, und der schöne Konzertsaal in der Pauluskirche Aarau ist der ideale Ort.

Die Liebe zur Musik braucht ein Organisationstalent

Dabei hat sich Daniela Roos-Hunziker eher spät für das Cellostudium entschieden. Obwohl ihre Schwester Geigerin wurde, wollte sie unbedingt Kinderkrankenschwester werden wie ihre Mutter. Nach der Ausbildung arbeitete sie tatsächlich zunächst im Spital, entschied sich dann aber mit 26 Jahren doch noch für ein Cellostudium an der Musikhochschule Luzern. Ihren Master of Arts bei Marek Jerie schloss sie sogleich mit Auszeichnung ab.

Damals schlug ihr Herz Alte Musik, für das Barockcello und die Viola da Gamba. «Das Spielen auf der Viola da Gamba musste ich leider aufgeben, ich habe zu wenig Zeit, um darauf zu üben. Es ist doch ein ganz anderes Instrument als ein Cello. Beim Barockcello hingegen ist die Mensur dieselbe, nur der ­Bogen wird anders geführt, das lässt sich mit dem üblichen ­Cellospiel gut verbinden.» Mit ihrem Barockcello spielt ­Daniela Roos im Bachcollegium Zürich von Bernhard Hunziker mit.

Das Duo Escarlata bei einem Konzert 2013.

Youtube

Neuerdings spielt sie auch im «Swiss Orchestra» mit, welches die Dirigentin Lena-Lisa Wüstendörfer erst 2019/20 ins Leben gerufen hat. Dieses junge Orchester tourt durch die ganze Schweiz, im Fokus hat es die Schweizer Sinfonik des 19. Jahrhunderts, die sonst nur selten gespielt wird. Ausserdem ist das «Swiss Orchestra» das Residenzorchester der Andermatt Konzerthalle. In diesem aufstrebenden Orchester mitzuspielen, ist für Daniela Roos eine grosse Freude, die spezielle Musik und das Ambiente gefallen ihr gut. Das spannende Leben der vielseitigen Musikerin erfordert mit den kleinen Zwillingen und dem bald fünfjährigen Sohn viel organisatorisches Talent und noch mehr Leidenschaft.

Sonaare: Duo Escarlata, Herzstücke, 6.8. um 19 Uhr, Pauluskirche Aarau.

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