Die Sitzungen des Kreisschulrates Aarau-Buchs sind öffentlich. Jedermann kann sich hineinsetzen. Am Donnerstagabend war es aber wohl gut, dass als einziger Zuschauer der Buchser SVP-Ortsparteipräsident Samuel Hasler den Weg ins Stäpfli-Schulhaus fand. Fazit: Die Schule funktioniert im Alltag gut, bei den übergeordneten Gremien, der Kommunikation und der Administration hapert es. Nicht ganz unbedenklich bei einem Unternehmen mit 28-Mio.-Franken-Budget, 500 Mitarbeitenden und 3000 Schülern.

«Das geht gar nicht»

Inhaltlich war die Jahresrechnung 2018 - die aufgrund des erst im Sommer aufgenommenen Schulbetriebs nur die Monate August bis Dezember umfasst – nicht umstritten, sie wurde gutgeheissen. Für Kritik sorgte, dass von den vier Mitgliedern der Rechnungs-Kontrollstelle (die Buchser Einwohnerräte Marc Jaisli und Christine Knüsel sowie die Aarauer Einwohnerräte Daniel Ballmer und Barbara Schönberg) keines Zeit gefunden hatte, an der Kreisschulratssitzung teilzunehmen. «Das geht gar nicht», sagte der Buchser Gemeinderat Anton Kleiber, «ich will, dass das Ratsbüro hier ein energisches Wort einlegt.»

Auch zwei Kreisschulräte weg

Auch vom 18-köpfigen Kreisschulrat fehlten vier Mitglieder: Nicole Lehmann und Barbara Deucher (beide FDP Aarau) sowie Esther Belser Gisi (Pro Aarau) und Nina Wüthrich (SP, Buchs). Die letzteren beiden hatten, so wurde gestern öffentlich, ihren Rücktritt erklärt. Weil die Kreisschulräte im Majorzsystem gewählt werden (im Gegensatz zum Einwohnerrat), kann nun nicht einfach jemand nachrutschen. Am 20. Oktober finden die Ersatzwahlen an der Urne statt – in Buchs wie in Aarau.

Dass auch Kreisschulpfleger Bernhard Grafe (FDP, Aarau) zurücktritt, haben die Kreisschulratsmitglieder am Donnerstag aus der AZ erfahren – was für Kritik an der Kommunikation sorgte. Dass nun schon der zweite Kreisschulpfleger der neuen Kreisschule sein Amt – offiziell aus zeitlich-beruflichen Gründen – niederlegt, erstaunte die Parlamentsmitglieder. Die Aarauer Stadträtin Franziska Graf sagte, die Nachricht habe sie «erschüttert». Sie bitte dringend darum, dass mit Grafe (an diesem Abend nicht anwesend) ein Austrittsgespräch geführt werde, um zu erfahren, ob es Änderungen brauche, etwa beim Pensum. Daniel Fondado (Pro Aarau), Präsident der Kreisschulpflege, bestätigte, dass der effektive Aufwand für das Amt bei weitem übersteige, was er und die anderen Schulpfleger sich vorgestellt hätten. Man sei daran, hier kurz- und langfristige Lösungen zu finden.

Lange diskutiert wurde die Motion von Nicole Burger (SVP, Aarau), der es im Kern darum ging, die bisher in Buchs-Rohr übliche separative Schulung (Kleinklassen, etc) beizubehalten. Die Kreisschulpflege hatte als Legislaturziel beschlossen, eine integrative Schule sein zu wollen.

Zunächst musste der Rat darüber entscheiden, ob Burgers Antrag überhaupt als Motion entgegengenommen werden kann oder nicht, weil eine solche in den Satzungen nicht explizit vorgesehen ist (bloss «Anträge» und «Anfragen»). «Wenn wir es nicht zulassen, werden wir zu einem reinen Abnicker-Gremium», warnte Burger. Die Motion wurde dennoch nicht überwiesen. Als blosser Antrag wurde das Geschäft dann doch noch inhaltlich diskutiert: Ausser Burger stellten sich alle Kreisschulräte auf den Standpunkt, es sei Sache der Schulpflege, zu entscheiden, ob integrativ oder separativ beschult werden soll. Der Antrag wurde abgewiesen.

Weder Website noch E-Mail

Nicht abgestimmt werden konnte über einen anderen Antrag von Nicole Burger, die forderte, dass von Bewerbern für die Schulpflege ein Strafregisterauszug gefordert werden soll. Das Ratsbüro hatte nämlich vergessen, die anlässlich der vorletzten Sitzung versprochene Abklärung über die Rechtmässigkeit dieser Forderung zu veranlassen.

Noch immer nicht in Betrieb ist die neue Website der Kreisschule Aarau-Buchs. Schul-Geschäftsleiter Remi Bürgi kündigte sie für «spätestens zum Start des neuen Schuljahres» an. Bis dahin muss man auf die Websites der eigentlich nicht mehr existierenden Schulen Aarau und Kreisschule Buchs-Rohr zurückgreifen. Wer aber aktuelle Informationen zum Kreisschulrat darauf sucht, etwa die Protokolle der letzten Sitzungen oder auch nur die korrekte Zusammenstellung der aktuellen Kreisschulpflege, läuft auf. Und vergeblich schickt man auch E-Mails an die auf der Website aufgeführten «vorname.nachname@ksab.ch»-Mailadressen der Kreisschulräte: Sie funktionieren nämlich nicht. Am Donnerstag wurde beschlossen, komplett darauf zu verzichten.