Aarau
In diesem Jahr gab es viel zu wenige laue Sommerabende

Die Aarauer Sommerbilanz 2014 ist ernüchternd: Verregnete Festivals und rund 25 Prozent weniger Umsatz für die Freiluft-Beizen. Immerhin die Stammkunden blieben loyal und kamen auch, wenn es regnete.

Carla Stampfli
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Am Gauklerfestival in Lenzburg musste mehrmals der Regen von der Bühne gewischt werden.chris iseli

Am Gauklerfestival in Lenzburg musste mehrmals der Regen von der Bühne gewischt werden.chris iseli

Unter freiem Himmel den Freunden zuprosten und in die Abendsonne blicken — dafür braucht es in einem normalen Sommer keine Reise in den Süden. In einem Sommerrestaurant der Region oder bei einem der zahlreichen Freiluftevents wie dem Lenzburger Gauklerfestival kommt sonst ebenso Ferienstimmung auf. Nicht in diesem Sommer: Die häufigen Regenfälle im Juli und August hielten viele Gäste von einem Besuch ab. Und sommerlich war es am Lenzburger Festival bloss am Sonntag.

Vergangenen Donnerstag verabschiedete sich die Schwanbar an der Aarauer Aare von den Gästen. «So schlecht wie diesen Sommer war es seit Jahren nicht mehr», sagt der Betriebsverantwortliche Michael Fasler. Im Vergleich zum Vorjahr habe die Sommerbeiz eine Umsatzeinbusse von rund 25 Prozent erlitten.

Ähnlich sieht die Situation beim «Summertime» westlich der Kettenbrücke aus, das noch bis Ende Monat geöffnet ist. «Im Juli und August war das Restaurant schlecht besucht», sagt Geschäftsinhaber Beat Thommen.

Er rechne mit rund 25 bis 30 Prozent weniger Umsatz gegenüber dem letzten Jahr. Nur wenn das Wetter im September mitspiele, so der Geschäftsinhaber, könne die Einbusse unter 20 Prozent gehalten werden. Auch das Restaurant im Freibad Schachen, das Beat Thommen betreibt, hat diesen Sommer «massive Einbussen» zu verzeichnen.

Events wurden verschoben

Der Regen schlug sich auch auf den Terminplan der Events nieder; in der Schwanbar konnten das Konzert von Heidi Happy und der Nachtmarkt nicht an den vorgesehenen Abenden durchgeführt werden; das Konzert von Pablo Nouvelle musste gar witterungsbedingt auf das nächste Jahr verschoben werden.

Dass der Betrieb weitergeführt wird, ist nach diesem schlechten Sommer nicht selbstverständlich. «Unsere Kapitalbasis erlaubt es uns, im nächsten Jahr die Schwanbar wieder zu öffnen», sagt Fasler.

Doch nebst dem laut Fasler «leichten Verlust» drückt auch die höhere Miete des neuen Zwischenlagerraums in Olten auf das Budget. «Irgendwann», so der Betriebsverantwortliche, «macht es keinen Sinn mehr, für zwölf Monate eine Halle zu mieten, wenn nur zwei davon Einnahmen generieren.» Vielleicht müsse das Schwanbar-Team bald einmal einen Winterevent organisieren, damit man sich den Betrieb weiterhin leisten könne.

Trotz einer schlechten Saison gab es Lichtblicke: Der Höhepunkt für die Besucher des Restaurants Summertime war das grosse Feuerwerk am 1. August: «Das Wetter war schön, und es kamen viele Leute», sagt Beat Thommen rückblickend. Das Feuerwerk, so der Geschäftsinhaber, sei ein Dank an alle Gäste. Ende September geht es auch für die zweite Aarauer Sommerbeiz in die Winterpause. Ausser, auf den schlechten Sommer folgt im letzten Moment doch noch ein guter Herbst: «Falls es in der ersten Oktoberwoche sehr schön ist, kann es sein, dass wir länger offen halten», sagt Thommen.

Stammkunden blieben loyal

Das schlechte Wetter schreckte auch in der Schwanbar nicht alle ab, einen Aperitif an der frischen Luft zu trinken. Wenigstens die Stammkunden sind sehr loyal geblieben: «Selbst wenn es in Strömen regnete, wussten sie, dass die Schwanbar offen ist», sagt Michael Fasler.

Ein Highlight wurde der Cocktail mit Campari, Prosecco und Holunderblütensirup Tocco Rosso. Ein Mitglied des Schwanbar-Teams hat den Cocktail auf einer Speisekarte in Berlin entdeckt und das Rezept mit nach Aarau gebracht. «Ich denke, das wird der Sommerdrink 2015», sagt er optimistisch.

Weniger Probleme hatten Restaurants mit Gartenterrassen. «Wir hatten einen sehr guten Sommer», sagt Peter Schneider, Geschäftsinhaber des Gasthofs zum Schützen in Aarau.

«Weil das Wetter unbeständig war, wählten die Leute ein Restaurant, in dem sowohl drinnen, als auch draussen gespeist werden kann», sagt Schneider.

Etwas weniger Gäste als letztes Jahr verbuchte hingegen das Waldhaus Gehren in Erlinsbach, das ebenfalls von der Familie Schneider betrieben wird. «Es wäre aber schlechter gewesen, wenn die Naturfreunde nicht bei jedem Wetter ausgehen würden», sagt der Geschäftsinhaber.

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