Aarau
«Horizont» – ein Motto mit doppelter Bedeutung

Einzeln hätte es nicht für ein abendfüllendes Konzert gereicht – zusammen aber boten der Aarauer Musikverein Harmonie und die Musikgesellschaft Erlinsbach ein gutes Programm.

Jürg Nyffenegger
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Der Aarauer Musikverein Harmonie und die Musikgesellschaft Erlinsbach vermochten an ihrem gemeinsamen Konzert zu überzeugen.

Der Aarauer Musikverein Harmonie und die Musikgesellschaft Erlinsbach vermochten an ihrem gemeinsamen Konzert zu überzeugen.

zvg

Allein hätten sie wohl kaum ein abendfüllendes Konzert, ja vielleicht nicht einmal ein Feierabendständchen auf die Bühne gebracht: der Musikverein Harmonie Aarau und die Musikgesellschaft Erlinsbach. Gemeinsam schafften sie es. Dass es überhaupt zum Gemeinschaftskonzert kam, verdankten die beiden Vereine einerseits zwei Tubisten, die sich laut Harmonie-Präsident Stephan Kohler unermüdlich für das Experiment eingesetzt hatten. Ein glücklicher Umstand war und ist zudem der, dass beide Formationen vom gleichen Dirigenten geleitet werden: dem jungen gebürtigen Spanier und in Winterthur lebenden Oboisten Jordi Bertran-Sastre.

Unter dem Titel «Horizont» hatte der Dirigent ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, das erfreulicherweise sogar zwei Werke eines Schweizer Komponisten enthielt. Natürlich, zwei Vereine lassen sich nicht problemlos zusammenführen. Obwohl zwischen Aarau und Erlinsbach keine Welten liegen, sind es doch recht unterschiedliche Kulturen, die aufeinandertreffen. Da spielen auch Vereinsstolz und Geschichte eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Dennoch hat sich der Versuch gelohnt, sass doch auf der Bühne des KuK Aarau ein gut 30-köpfiges Orchester. Leider blieben (zu) viele Plätze im Saal leer, und weshalb dieser mit Tischen ausgestattet und damit die Zuhörenden quer zur Bühne sitzen mussten, blieb das Geheimnis der Organisatoren, zumal sich der Getränkeservice nach der Pause verabschiedete und man bis zur Hauptverlosung der Tombola, die eine Stunde nach Konzertende stattfand, «auf dem Trockenen» sass.

Harmonie auf der Bühne

Abgesehen von dieser kleinen organisatorischen Panne dürfen die beiden Musikvereine auf eine geglückte «Verlobung» zurückblicken. Mit einem rhythmisch interessanten Stück von Randall Standrige wurde das Konzert festlich eröffnet. Dann folgten zwei Werke, die von den Musikern sehr viel abverlangen. Wer Philip Sparke aufs Programm setzt, kennt die Herausforderungen, die dieser Komponist an die Interpreten stellt.

Seine Erinnerung an die Verlegung einer Telegrafenleitung von Irland in die USA im Jahre 1866 ist voll von harmonischen und rhythmischen Überraschungen und reich an Einflüssen aus der irischen Folklore. In diesem und im darauf folgenden Stück des Berners Mario Bürki, in dem der Komponist an zwei berühmte Filme erinnert, kam das Orchester in Technik und Intonation an seine Grenzen.

Zu einem Feuerwerk kam es indessen in der kleinen Horror-Suite von Thomas Doss. Da wurde dem Publikum mit schrägen Tönen, Stampfen, Zischen und Klatschen die Welt der Geister und des Bösen hautnah serviert, und in Bürkis «Stockhorn Liecht» wuchsen die Musizierenden über sich hinaus. Ein Lob gehört dem Trommler, der den aus Maurice Ravels «Boléro» geklauten Rhythmus einwandfrei nachvollzog. Jeder spürte, wie der Dirigent dazu in der Lage ist, zu motivieren und damit hochgesteckte Ziele zu erreichen.

Auch im zweiten Teil spielten die beiden Vereine überzeugend auf. Da wurden die griechische Mythologie und afrikanische Träume nachgezeichnet, die traurige Geschichte der Medusa erzählt und Gilbert Tinners Träume und Wunder wunderbar interpretiert.
Der Anfang ist gemacht, mit Horizonten im klug zusammengestellten Programm, mit Licht am Horizont für die Zukunft. Das Fazit: weiter so.