Schönenwerd
Hochwasser, Vereisung, Veränderungen im Flussbett: Der Bally-Park liegt auf Sorgenland

Das Ufergebiet war in vorindustrieller Zeit eine Quelle von Mühe und Gefahr. Entlang der Aare errichteten die Gemeinden Verbauungen und Wehre, um das Land vor den wilden und gefährlichen Fluten zu befestigen und zu schützen.

Philipp Abegg
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Schönenwerd, Aquarell von David Alois Schmid um 1840. Rechts auf der Aare erkennbar die Fähre nach Niedergösgen. Foto: Patrick Lüthy/Original in der Sammlung Ballyana.

Schönenwerd, Aquarell von David Alois Schmid um 1840. Rechts auf der Aare erkennbar die Fähre nach Niedergösgen. Foto: Patrick Lüthy/Original in der Sammlung Ballyana.

Patrick Lüthy

Ein wilder und gefährlicher Fluss: Das war die Aare, bevor der Mensch in der Lage war, ihren Lauf zu beeinflussen. Hochwasser, Vereisung und immer wieder Veränderungen im Flussbett waren die Regel.

Vor der Juragewässerkorrektion (seit 1878 wird die Aare durch den Bielersee geleitet) betrug der Unterschied der höchsten und niedrigsten Pegelstände bei Solothurn sieben Meter. Immer wieder gab es Hochwasser, welche die ufernahen Gebiete überschwemmten.

Inseln kamen und gingen

Bei Schönenwerd bildete die Aare Inselchen, die ihre Lage immer wieder änderten. Hochwasser spülte bestehende weg und nachdem sich die Situation beruhigt hatte, bildeten sich neue.

Einem solchen Hochwasser dürften auch die ursprünglichen Bauten des im 7. oder 8. Jahrhundert gegründeten Stifts St. Leodegar zum Opfer gefallen sein. Die Gebäude lagen nach einer Urkunde aus dem Jahr 778 auf einer Insel oder Halbinsel. Sie verschwanden vollständig. Jedenfalls wurden nie Spuren einer Anlage aus der Zeit vor dem Bau der Stiftskirche (um 1000) zurückgehen würde, gefunden.

Auf einer Planzeichnung des Schultheissenamts Olten von 1721 sind alleine zwischen Gretzenbach und der Kantonsgrenze sieben Inseln eingezeichnet. Auf der Zeichnung des Stifts von Emanuel Büchel von 1758 ist eine Insel oberhalb von Schönenwerd zu erkennen, die auch auf dem Aquarell von David Alois Schmid aus der Zeit um 1840 erscheint.

Gut erkennbar sind jeweils der weite, mäandernde Strom und die ihn säumende Auenlandschaft. Auf beiden Seiten der Aare befanden sich Streifen von Schachenland, die häufig überschwemmt und weder landwirtschaftlich noch anders genutzt wurden.

Entlang der Aare errichteten die Gemeinden Verbauungen und Wehre, um das Land zu befestigen und zu schützen oder um neues zu gewinnen. Vermutlich ebenfalls als Folge eines Hochwassers legte man 1832 auf Gretzenbacher Gemeindegebiet ein neues «Wuhr» (Damm, Wehr) an, um das Ufer zu sichern.

Dadurch veränderte sich die Schachenlandschaft oberhalb von Schönenwerd. Eduard Bally machte später in seiner «Geschichte der C. F. Bally AG» (1915–1925) deutlich, dass diese Anlage erst das Land für den späteren Bally-Park schuf: «Im Herbst 1832 machten die Schönenwerder mit Hülfe der Gretzenbacher die Flusssperre der Aare beim sogenannten Fohrenwäldli (die sogenannte Gretzenbacher-Wehrung). (...) Dieser Wehrung verdankt Schönenwerd das ganze Land der jetzigen Parkanlage.»

Bally beschreibt die Wirkung dieses Bauwerks: «Der alte Lauf der Aare, welcher durch das Gretzenbacherwuhr in sein neues Bett gewiesen wurde, reduzierte sich auf eine Reihe von Bächen und Weihern, über die ein Laden zum Überschreiten gelegt war, damit man zum damaligen Badeplatz unterhalb der Ausmündung der obern Schlittschuhweiher gelangen konnte. Dieser Bach wurde zum Teil im Kanal 1868 aufgenommen.»

Hochwasser von 1852 mit Folgen

1852 erlebten die Menschen am gesamten Aarelauf ein Hochwasser, das im Niederamt den Talboden bis an die Geländestufe, auf dem die alten Dorfkerne von Schönenwerd und Gretzenbach liegen, überschwemmte.

Eduard Bally berichtet um 1920: «Ältere Leute behaupten, dass von der Aarauerstrasse bis zur Kirche in Erlinsbach das ganze Tal ein See schien.» Da zu dieser Zeit auf dem Niveau des Schachens noch kaum Gebäude standen, dürfte sich der Schaden in Grenzen gehalten haben.

Das Hochwasser veränderte jedoch den Lauf der Aare im Niederamt. Das Erlinsbacher Uferland, das zuvor bis auf das heutige rechte Aareufer gereicht hatte, wurde vollständig weggeschwemmt. Die Aare frass sich tief ins linke Ufer ein und bildet seither eine hohe, steile Uferböschung.

Vor 1864 gab es zwischen Olten und Aarau keine einzige Brücke. Dafür verkehrte unter anderem zwischen Schönenwerd und Gösgen eine Fähre. Der Fährbetrieb war bis zur Aufhebung der alten Feudalrechte eine Erbpacht der Familie Spielmann von Niedergösgen.

Mit der Brücke von 1864 verlor die Familie ihr Gewerbe und musste durch die Regierung entschädigt werden: «Die Familie Spielmann wurde von der Regierung für ihr Erbrecht der Fährer abgefunden durch Abtretung von ca. 40 Jucharten Schachenland, das ihr eigentümlich zugestellt wurde und welches Land später Carl Franz Bally kaufte zur Anlage des Parkes à Fr. 150.– per Jucharte» (so Eduard Bally). Eine Jucharte mass 36 Aren oder 3600 Quadratmeter. Bally bezahlte demnach 42 Rappen pro Quadratmeter.

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