ZSO aargauSüd
«Hier muss mein Ton rauer sein»: Diese Gränicherin ist auf dem Weg zur Unteroffizierin

Die ZSO aargauSüd bemüht sich um Frauen. Angela Suter aus Gränichen ist eine von ihnen. Die Führung freut sich sehr über die weiblichen Neuzugänge. Es gehört gar zu den Hauptzielen der kommenden Jahre, den Frauenanteil zu erhöhen.

Flurina Dünki
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«Sprüche muss man kontern können», sagt Angela Suter.

«Sprüche muss man kontern können», sagt Angela Suter.

Britta Gut

«Was macht denn der Zivilschutz hier», heisst es aus dem Innern eines Gränicher Restaurants. Die Dame im Tenue auf der gegenüberliegenden Strassenseite fällt auf – und lässt bei den Gästen gleich Alarmglocken schlagen. Doch Entwarnung: Angela Suter, frisch gebackene Unteroffizierin der Zivilschutzorganisation aargauSüd, ist nur wegen des Treffens mit der AZ in offizieller Kluft unterwegs.

Die 32-jährige Gränicherin ist stolz auf ihr Unteroffiziers-«Dächli» auf der rechten Schulter des Tenues. Umso erstaunender ist es, dass der entscheidende Schupf zum Zivilschutz-Eintritt buchhalterischer Art war. Als Sanitätsinstruktorin führte sie im vergangenen Jahr für die Wynentaler Zivilschützer einen Auffrischungskurs in lebensrettenden Basismassnahmen mit Defibrator (BLS AED) durch.

Zusammen mit Kollegin Franziska Häfeli vom Samariterverein Zetzwil-Gontenschwil. Als das Thema Entschädigung zur Sprache kam, fand man, dass es einfacher wäre, wie der Zivilschutz via Erwerbsausfallentschädigung abzurechnen. Und von einem Moment auf den anderen fanden sich die beiden Frauen mit der Frage konfrontiert: «Könntet ihr nicht dem Zivilschutz beitreten?»

Darüber habe sie zuerst einmal schlafen müssen, sagt Angela Suter, «doch im Grunde sprach nichts dagegen». Ihr dreijähriger Sohn kann von ihrem Mann oder vom Grossmami gehütet werden, während die Mama im Zivilschutz ist. Jetzt ist sie Gruppenführerin Sanität. Als solche ist Angela Suter den Betreuern zugeteilt, einen eigenen Zug hat die Sanität nicht. Der Sanitätsbereich soll aber in Zukunft noch weiter ausgebaut werden. Auch Franziska Häfeli ist dem Zivilschutz beigetreten. Sie ist momentan auf dem Weg, Unteroffizierin zu werden.

Frauen sind im Zivilschutz sehr erwünscht

Die Führung der ZSO aargauSüd (umfasst die Gemeinden von Gränichen bis Burg sowie Beinwil am See und Birrwil) freut sich sehr über die weiblichen Neuzugänge. Es gehört gar zu den Hauptzielen der kommenden Jahre, den Frauenanteil zu erhöhen. Deshalb arbeite man gern mit den Samaritervereinen zusammen, damit Frauen einen Einblick in die Tätigkeiten der ZSO bekämen, sagt Kommandant Gregor Müller. «Frauen im Zivilschutz stellen immer eine Bereicherung dar.» Dies erstens, weil Frauen und Männer oft verschiedene Ansichten hinsichtlich eines Themas hätten, zweitens «geht man anders miteinander um», so Müller. Sprich: Die Männergruppe benimmt sich besser, sobald Frauen dabei sind.

Und noch aus einem anderen Grund haben die Zivilschutzorganisationen allen Grund, sich um Frauen zu bemühen, die freiwillig eintreten: «Das revidierte Zivilschutzgesetz schreibt als Dienstdauer nur noch 14 statt 20 Jahre vor», so Müller. «Das heisst, uns brechen mehrere Jahrgänge weg und wir werden künftig weniger Leute haben.»

Man muss Sprüche der Männer kontern können

Mit den Samaritervereinen der Region wird man weiter eng zusammenarbeiten. Der Gränicher Verein ist eine Ausnahme. Er ist seit Ende August der «Sanitätsverein Gränichen». Ausser des Namens hat sich jedoch nichts geändert. Die Bettelbriefe des Schweizerischen Samariterbundes (SSB) im Corona­frühling seien ihnen etwas sauer aufgestossen, sagt Angela Suter. Es habe zudem wenig Transparenz bezüglich dieser Spenden geherrscht. So seien die Gränicher ausgetreten.

Einen grossen Anteil macht die Handvoll Frauen in der ZSO noch nicht aus. Welchen Eindruck hat sich Angela Suter diesbezüglich bereits machen können? Gute Frauen brauche es, höre sie oft von den Kollegen. Aber sie hat auch gelernt: «Es ist nun einmal eine Männerdomaine», sagt sie, «da fallen Sprüche gegenüber einer Frau und die muss man kontern können.»

Sie selber schafft das mühelos: KV-Lehre in einem Transportunternehmen, jetzt in einer Schreinerei angestellt. «Man muss ihnen halt auch mal auf den Deckel hauen.» Sie müsse anders auftreten in einer Zivilschutzschulung als im Sanitätsverein. «Wenn ich im Verein den gleichen rauen Ton anschlagen würde, würden mir alle davonlaufen.» Im Zivilschutz aber müsse der Ton eben rauer sein: «Mannen, daher und keine Diskussionen!»