Wetter
Hagelgewitter wütet über Aarau: «Das habe ich noch nie erlebt» – Feuerwehren rücken rund 20 Mal aus

Am Sonntag ist in der Region Aarau ein heftiger Hagelschauer niedergegangen. Videos von Leserreporterinnen zeigen den eindrücklichen Niederschlag.

Mireille Fluri
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Leserbilder vom Gewitter
12 Bilder
In der Nacht gab es schweizweit heftige Windböen und starken Niederschlag.
Rund 18'000 Blitze haben sich in der Schweiz entladen. Es folgen weitere Bilder vom Unwetter.
In Gretzenbach SO sieht man nach dem Hagelsturm zerfetzte Blätter.
Auch in Gretzenbach SO waren die Hagelkörner so gross wie Cherrytomaten.
Auch in Gretzenbach SO waren die Hagelkörner so gross wie Cherrytomaten.
Die Feuerwehr rückte rund 20 Mal aus.
Bei den Einsätzen habe es sich überwiegend um überflutete Keller gehandelt. Es folgen weitere Bilder.

Leserbilder vom Gewitter

Leser-Reporter 20Minuten

Zwei heftige Gewitterzellen in der Region Aarau führten am Sonntagnachmittag zu starkem Hagel. Die Kantonspolizei Aargau berichtet von rund 20 Einsätzen der Feuerwehr, die wegen Überschwemmungen in Tiefgaragen und Kellern ausrücken musste. Schäden richtete das Unwetter besonders in den Gemeinden Aarau und Küttigen an. Die Feuerwehr Aarau sei 14 Mal ausgerückt, sagt Kommandant David Bürge. «In mehreren Orten ist auch Wasser auf die Strasse überlaufen, weil die Abflüsse verstopft waren», so Bürge. In Küttigen sei die Feuerwehr sechs Mal wegen Überschwemmungen im Einsatz gewesen, erklärt Kommandant Daniel Wernli. Zudem hätten die grossen Regenmengen einen Kanalisationsrückstau verursacht, der mehrere Schachtdeckel aufgedrückt habe. Diese habe man wieder verschliessen müssen, sagt der Feuerwehrkommandant.

53 Liter pro Quadratmeter: Am meisten Regen fiel in Gösgen

«Die gemessenen Niederschlagsmengen sind eindrücklich, aber für ein starkes Gewitter nichts Aussergewöhnliches», sagt Patrick Stierli von Meteo-Schweiz. Die Wetterstation in Buchs mass 28,3 Millimeter Niederschlag für den ganzen 16. August, davon 19,5 zwischen 18 Uhr und Mitternacht. Das ist die zweithöchste Tagessumme dieses Jahr. Dies sei ein üblicher Wert für ein Gewitter, so Stierli. «Nicht alltäglich» sei jedoch die Hagelmenge gewesen. «So etwas habe ich noch nie gesehen», schreiben mehrere Leser zu ihren Bildern, die sie der AZ schickten, oder in sozialen Medien posteten.

Die schweizweit stärksten Niederschläge seien übrigens in Gösgen gefallen, erklärt der Meteorologe. Die Wetterstation Zofingen mass gar 38,1 Millimeter Niederschlag innert 24 Stunden. Trotzdem wurde die Feuerwehr in Zofingen kein einziges Mal alarmiert. Ein Grund, warum die Region Aarau trotz geringerem Niederschlag von Überschwemmungen betroffen war, könnten laut Meteorologe Stierli die relativ grossen Hagelmengen sein, die dort niedergingen: «Hagel dürfte wahrscheinlich dazu geführt haben, dass die Abflüsse verstopft waren und es zu lokalen Überflutungen kam.» Besonders stark regnete es in Gösgen: 53,4 Millimeter Niederschlag fielen dort am Sonntag, davon 42,6 zwischen 17 Uhr und Mitternacht. Es handelt sich um den höchsten Tageswert in diesem Jahr.

Die Aufzeichnungen der Wetterstation Erlinsbach zeigen herrlich, wie die Gewitterfront aufzieht:

Versicherungen: Geringe Schadensumme

Da die Regenmenge im Vergleich zu früheren Gewittern nicht aussergewöhnlich gross ausfiel, halten sich auch die Schäden in Grenzen. Die Aargauische Gebäudeversicherung habe bis am Montagmittag 30 Meldungen mit einer Schadensumme von 130000 Franken erhalten, sagt Mediensprecherin Christina Troglia. Dies sei «relativ bescheiden». Auch die AXA Winterthur sieht im Unwetter kein «Grossereignis», wie Mediensprecherin Marion Banholzer auf Anfrage schreibt. Bis Montag-Mittag seien bei der AXA rund 50 Meldungen aus der Region Aarau wegen Hagelschaden an Motorfahrzeugen eingegangen mit einer Schadensumme von 120'000 Franken. Die AXA rechnet mit «maximal 100 bis 150 durch den Hagel beschädigte Autos» , so Banholzer. Dazu kämen vereinzelte Hausratsschäden «mit einer entsprechend geringeren Schadensumme.»

Heftige Windböen und punktuell grosse Niederschlagsmengen verbreiteten sich in der ganzen Schweiz. Laut dem Wetterdienst Meteonews gab es in der Nacht über 18'000 Blitze.

In Kandersteg sind in der Nacht auf Montag der Campingplatz und Wohnquartiere teilweise überschwemmt worden. Laut Kantonspolizei Bern wurden fünf Personen leicht verletzt.

Grosse Schäden für Obst- und Gemüsebauern?

Auch nur schwach betroffen vom Unwetter ist der Ackerbau, wie Bauernverbands-Geschäftsführer Ralf Bucher auf Anfrage sagt. Demnach ist «das Getreide, das viel Fläche beansprucht und oft von Hagelschäden betroffen ist, schon geerntet». Grosse Schäden könnten hingegen Obst- und Gemüsebauern haben, befürchtet Bucher. Die Genossenschaft Hagel Schweiz, die Bauern gegen Ernteausfälle wegen Hagel versichert, hat bisher jedoch kaum Schadenmeldungen erhalten. Laut Mediensprecherin Esther Böhler rechnet die Versicherung schweizweit mit insgesamt rund 100 Meldungen.