Gränichen
Kanton verlangt Verdichtung: Knackt die Gemeinde bald die 10'000er-Marke?

Nach sechs Jahren kommt die revidierte Nutzungsplanung von Gränichen am 7. März vors Volk. Eine ausserordentliche Gemeindeversammlung war wegen der Pandemie nicht möglich. Weiter zuwarten will der Gemeinderat aber nicht mehr.

Daniel Vizentini
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Gränichen gewinnt leicht über 200 Einwohner jedes Jahr.

Gränichen gewinnt leicht über 200 Einwohner jedes Jahr.

Bild: Britta Gut (22.5.2020)

Dass der Gemeinderat jetzt noch eine Urnenabstimmung für den 7. März ansetzt, mag auf den ersten Blick kurzfristig erscheinen. Die Geschichte hinter der neuen Bau- und Nutzungsordnung (BNO) ist aber eine lange: Seit Bewilligung des Kredits Ende 2014 arbeitet die Gemeinde daran. Nach Prüfung des Kantons waren Anpassungen nötig – und ein zusätzlicher Kredit. Mitte 2020 stand die BNO dann eigentlich für die Absegnung durch das Stimmvolk bereit. Doch Corona verzögerte diesen letzten Schritt immer wieder.

An der Wintergmeind im letzten November wurde die BNO nicht behandelt, da die Traktandenliste bereits ziemlich umfangreich war. Zudem erschienen damals weniger als die Hälfte der Menschen, die sonst an die Gmeind kommen – vermutlich wegen Corona. Eine ausserordentliche Versammlung für die BNO anzuordnen, kam auch deshalb nicht infrage.

Weiter zuwarten will der Gemeinderat nun nicht mehr. Auch, damit sich Baugesuche, die die neuen Regelungen abwarten, nicht weiter anstauen. Zum nationalen Abstimmungstermin am 7. März kommt die neue BNO nun an die Urne. Die aktuelle ist von 1998 und gilt als veraltet.

Verdichtung und mehr Einflussnahme durch die Gemeinde

Nebst Anpassungen auf neue, allgemeine Vorgaben des Kantons sieht das Regelwerk grob zwei grundlegende Änderungen vor. Erstens eine Verdichtung: Bei beinahe allen Zonen wird die Ausnützungsziffer erhöht. Auf solchen mit eingeschossigen Bauten dürfen etwa künftig zwei Etagen stehen. Zweitens: Eben weil Verdichtung ansteht, will die Gemeinde bei Arealüberbauungen mehr Einfluss nehmen können.

Ziel ist, die Qualität der öffentlich zugänglichen Aussenräume hochzuhalten, gar attraktive Plätze zu schaffen. Der Gemeinderat wird von den Bauherren ökologische Ausgleichsflächen verlangen dürfen, und dass ein unabhängiger Fachplaner das Bauprojekt prüft, bevor ein Baugesuch gestellt wird.

Kanton erwartet für Gränichen etwa 2000 Einwohner mehr in 20 Jahren

Solche Regelungen sind in anderen Gemeinden, die ihre BNO in den letzten Jahren erneuert haben, bereits üblich. Und sie sind in Gränichen nötig, denn der Kanton sieht das Dorf als «urbanen Entwicklungsraum» an und verlangt, die Einwohnerdichte zu erhöhen: von heute 43 Personen pro Hektare auf bis zu 70 in den bebauten und 90 in den noch unbebauten, eingezonten Gebieten.

Prognosen des Kantons sehen einen Bevölkerungsanstieg bis 2040 von den heute 8200 auf 10'300 Einwohnern vor. Dies kann nur über Abrisse von bestehenden Häusern und dichteren Neubauten erreicht werden. 97 Prozent des Gränicher Baulands ist ausgeschöpft, neue Einzonungen sind nicht vorgesehen. In der Vergangenheit hat der Gemeinderat mehrfach klargemacht, dass er kein Interesse daran habe, Gränichen zu einer Stadt werden zu lassen.

Was ist mit dem freien Bally-Areal im Zentrum?

Mitten im Dorf stehen mit dem Bally-Areal und der Brocki-Parzelle seit Jahren zwei grosse Flächen brach. Geschehen soll dort vorerst nichts: Nach Annahme der neuen BNO wird eigens fürs Zentrum ein Entwicklungsrichtplan gestartet. Gemeinde und lokale Gewerbetreibende haben bereits signalisiert, dass das Bally-Areal möglichst frei bleiben soll, etwa als Platz für Veranstaltungen.

Von der neuen BNO ausgeklammert werden vorerst auch die Weiler Refental und Rütihof. Dort wartet man Verhandlungen zwischen Bund und Kanton ab. Geändert wird laut Peter Stirnemann vorläufig aber nichts: Es gehe um Detailanpassungen an den neuen kantonalen Richtplan. Natur- und Landschaft will die Gemeinde erhalten und aufwerten, auch im Siedlungsgebiet.

Werden Hochstammbäume künftig subventioniert?

Besonders für seine Hochstammbäume bekannt ist Gränichen eigentlich nicht, anders als Regionen wie das Seetal oder der Jurapark. Die höher liegenden Flächen des Dorfs sind aber weitgehend von solchen Bäumen geprägt. Deren Pflege, Unterhalt und die Ernte des Obsts gilt als sehr zeitintensiv. Das Geld, das man damit verdient, deckt die Arbeitskosten bei weitem nicht. Und was sich nicht rechnet, das lohnt sich nicht für die Landwirte.

Damit die Bäume nicht reihenweise eingehen, will die Gemeinde neu finanzielle Anreize für deren Erhalt stellen: Pro Baum winken alle drei Jahre 100 Franken (für Obstbäume) respektive 40 Franken (für ökologisch wertvolle Feldbäume) zu. Auch Neupflanzungen werden mit Beiträgen unterstützt. Pro Dezitonne geerntetes Obst soll es 20 Franken dazu geben. Die Subventionen der Gemeinde dürfen aber nicht 20000 Franken im Jahr für alle Gesuche überschreiten.

Das Reglement dazu wird auch am 7. März den Stimmberechtigten an der Urne vorgelegt. Es ist wortgenau dasselbe, das Küttigen bereits seit 2017 kennt. Gemäss Gemeindeammann Peter Stirnemann hat Gränichen das Reglement aber nicht bei den Küttigern abgeschaut. «Sie haben später damit angefangen als wir», sagt er. Nur: Die revidierte Nutzungsplanung kam dort schon vorher vors Volk.

Keine Diskussion wie an einer Gmeind, dafür eine Videobotschaft

Ohne Gemeindeversammlung wenden sich Peter Stirnemann und weitere Kommissionsmitglieder online in einer längeren Videobotschaft
an die Öffentlichkeit: Man sei sich bewusst, dass die Gmeindsdiskussionen nun wegfallen. Doch der Gemeinderat habe diesen «schwierigen Entscheid» gefasst, um Menschen der Risikogruppe nicht von der Entscheidung auszuschliessen. Zudem habe es in den letzten Jahren Orientierungsanlässe zur neuen BNO gegeben. 17 Einwendungen wurden nach der öffentlichen Auflage behandelt.

Gemeindeammann Peter Stirnemann und weitere Kommissionsmitglieder präsentieren die Vorlage dieses Mal im Internet.

Video: Gemeinde Gränichen

Wer noch Fragen habe, könne diese gerne per E-Mail an die Gemeinde stellen (abstimmung@graenichen.ch).