Gontenschwil
Gegen grüne Einöde: Gemeinde wird weitere Teilnahme an Naturama-Projekt «Natur findet Stadt» prüfen

Neben dem Schulhaus Gontenschwil wurde eine umgestaltete Fläche eingeweiht. Ein erster Schritt in Richtung Biodiversitätsprojekt «Natur findet Stadt». Die Gemeinde will die weitere Teilnahme vom Echo aus der Bevölkerung abhängig machen.

Katja Schlegel 1 Kommentar
Drucken
Neben dem Schulhaus Gontenschwil wurde eine umgestaltete Fläche samt Kleinstrukturenlehrpfad eingeweiht. Dazu zählt mitunter diese Sandlinse.

Neben dem Schulhaus Gontenschwil wurde eine umgestaltete Fläche samt Kleinstrukturenlehrpfad eingeweiht. Dazu zählt mitunter diese Sandlinse.

Zvg / Aargauer Zeitung

Grün ist nicht grün, auch auf dem Land nicht. Und auch wenn das kantonale Biodiversitätsprojekt «Natur findet Stadt» die Stadt im Namen trägt, so ist es natürlich auch für ländliche Gemeinden gedacht. Gontenschwil zum Beispiel. Hier hat der Natur- und Vogelschutzverein angestossen, dass sich die Gemeinde an das Projekt herantastet. Mit einem ersten Erfolg: Eine rund 80 Quadratmeter grosse, umgestaltete Ruderalfläche beim Schulhaus wurde am Wochenende eingeweiht, samt einem Lehrpfad mit Kleinstrukturen und einer Informationsrunde zum Projekt. Rund 70 Leute haben am Anlass teilgenommen.

Jacqueline Züsli, Präsidentin des Natur- und Vogelschutzvereins Gontenschwil.

Jacqueline Züsli, Präsidentin des Natur- und Vogelschutzvereins Gontenschwil.

Sibylle Haltiner / Aargauer Zeitung

Ein Echo, das Jacqueline Züsli, Präsidentin des Natur- und Vogelschutzvereins zutiefst freut: «Wir hätten niemals mit so vielen Interessierten gerechnet.» Und was die Präsidentin besonders freut: Von diesen gut 70 Personen haben über 20 ihr Interesse an einer Gartenberatung kundgetan. Damit stehen die Karten gut, dass Gontenschwil offiziell an «Natur findet Stadt» teilnehmen wird. Denn diesen Entscheid hat der Gemeinderat an den Erfolg des ersten Anlasses geknüpft.

Was grün ist, ist noch lange nicht vielfältig

Das 2013 in Baden entwickelte und seit 2017 vom Aarauer Naturama geleitete Projekt «Natur findet Stadt» funktioniert nach dem Schneeballsystem: Die Gemeinde übernimmt mit der Aufwertung einer öffentlichen Fläche die Vorbildfunktion und motiviert ihre Bewohner, private Gärten und Balkone ebenfalls ökologisch aufzuwerten. Dabei werden sie kostenlos durch einen Naturgärtner aus der Region beraten; die Massnahmen werden durch Profis oder die Teilnehmenden selbst umgesetzt. Die aufgewerteten Grünflächen werden Nachbarn und Freunden gezeigt, um die Begeisterung für das Projekt weiterzugeben.

Die umgestaltete Ruderalfläche mit Wildstaudenbord.

Die umgestaltete Ruderalfläche mit Wildstaudenbord.

Zvg / Aargauer Zeitung

Braucht es ein solches Projekt in einem Dorf mit grossen Gärten, eingebettet zwischen Wiesen und Feldern? «Unbedingt», sagt Jacqueline Züsli. Sie kennt die Frage, sie hört sie oft. «Aber nur weil es in Gontenschwil grün ist, heisst das nicht, dass es auch vielfältig ist.» Viele Gärten seien einfach gestaltet, mit Rasenfläche und Hecken, schlimmstenfalls mit Schottergarten. Aber da krabbelt und da schwirrt nichts. Und wo kein Insekt ist, ist auch bald kein Igel, keine Fledermaus, kein Vogel mehr. «Das Projekt ‹Natur findet Stadt› erachten wir im Verein als guten Hebel, um diesbezüglich etwas zu verändern», sagt Züsli. Als Inspiration für kleine, wirksame Veränderungen dient deshalb auch der Lehrpfad: Hier hat der Natur- und Vogelschutzverein beispielsweise Sandlinsen, Altholzstehlen, Steinhaufen und Nistmöglichkeiten gebaut.

Gemeinderat gibt sich noch zurückhaltend

Wird Gontenschwil denn nun Projektpartner bei «Natur findet Stadt»? Gemeinderat und Vizeammann Bruno Ellenberger, mitunter zuständig für Natur- und Umweltschutz, gibt sich diesbezüglich noch zurückhaltend. Der Anlass sei eine sehr gefreute Sache gewesen. «Und die aufgewertete Fläche direkt neben dem Schulhaus ist ein Gewinn für die Gemeinde.» Doch jetzt sei es am Natur- und Vogelschutzverein, einen Antrag auf Weiterführung zu stellen. «Wir müssen die Teilnahme vom Interesse der Gontenschwilerinnen und Gontenschwiler abhängig machen. So ein Projekt muss vom Dorf getragen werden», sagt Ellenberger.

Jacqueline Züsli ist bereits daran, den Antrag auszuarbeiten. «Der Erfolg vom letzten Wochenende hat uns mehr als bestärkt, weiterzumachen.» Weiter geht es auch auf der Fläche selbst: Im November werden noch eine Hecke und sechs Hochstammbäume gepflanzt. Wie schon bei den Kleinstrukturen wird auch diesmal eine Schulklassen mithelfen. Und im Frühling soll eine rund 1000 Quadratmeter grosse Blumenwiese gesäht werden.

Diesen Sommer hat das Naturama mitsamt aller beteiligten Gemeinden und dem Kanton für «Natur findet Stadt» den Binding-Preis gewonnen, den höchstdotierten Naturschutzpreis der Schweiz. Nebst den Städten Aarau, Baden, Mellingen und Zofingen sind im Aargau die Gemeinden Biberstein, Küttigen, Niederlenz, Rothrist, Wohlen, Obersiggenthal, Wölfinswil/Oberhof und Muri am Projekt beteiligt. Weitere Orte sind im Gespräch, unter anderem Moosleerau und Brugg. Interessiert zeigen sich auch Orte ausserhalb des Kantons, so beispielsweise die Städte Basel oder Lausanne.

1 Kommentar

Aktuelle Nachrichten