Erlinsbach

Gmeind entscheidet darüber, ob eine unter Schutz stehende Hecke verschoben werden soll

Die Villa (Bildmitte) ist von Hecken umgeben.

Die Villa (Bildmitte) ist von Hecken umgeben.

Am Erlinsbacher Sonnenhang soll eine Villa Mehrfamilienhäusern weichen. Bäume und Sträucher stehen dem Projekt aber im Weg.

An der Erlinsbacher Gmeind übermorgen Freitag ist eine Teiländerung des Bauzonenplans traktandiert: Im Gebiet Maienholz soll eine Hecke aus ihrem kommunalen Schutz entlassen, teilweise abgeholzt und an den Rand der Parzelle flächengleich neu gepflanzt werden, damit eine Überbauung realisiert werden kann.

Die Hecke steht auf einer grossen Parzelle an der Adresse Maienholz 15. Das Gebiet am Südhang, beim Dorfausgang in Richtung Salhöhe, war früher eine Landhauszone mit einzelnen Villen inmitten grosser Garten- und Parkanlagen. Heute ist es Wohnzone W2.

Hecke lässt die geplante Überbauung nicht zu

Auf der betroffenen Parzelle stehen ein Landhaus und eine Schwimmhalle. Die Liegenschaft hat vor einiger Zeit den Besitzer gewechselt und gehört nun einer Aarauer Firma. Anfang 2018 lag ein Planungsbericht öffentlich auf, aus dem hervorging, dass die Liegenschaftsbesitzerin die bestehenden Gebäude abreissen und sechs kleine Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 23 Wohnungen und einer Tiefgarage bauen will.

Jedoch: Auf dem Grundstück, das im Norden an die Landwirtschaftszone grenzt, steht eine 1829 Quadratmeter grosse Hecke, teils mit Bäumen und Sträuchern, darunter auch Exoten. Die Hecke ist so gewachsen, dass sie die geplante Überbauung nicht zulässt, weil sie das Areal in planerisch ungünstige kleine Bereiche aufteilt. Einfach abholzen darf man die Hecke nicht, weil sie seit 2010 in der Nutzungsordnung als geschütztes Naturobjekt eingetragen wurde.

Der Gemeinderat beantragt nun bei den Stimmbürgern, die Hecke aus dem Schutz zu entlassen, damit sie an den Rand der Parzelle verschoben respektive dort wieder aufgeforstet werden kann. Der dafür ausgeschiedene Bereich ist flächengleich und wiederum als Naturobjekt geschützt.

30 Quartierbewohner reichten Sammeleinsprache ein

«Mit der Heckenverschiebung wird die bauliche Nutzfläche vergrössert und somit werden die Voraussetzungen für eine innere Siedlungsentwicklung (Verdichtung) geschaffen», schreibt der Gemeinderat im Traktandenbericht. «Mit der geplanten Neubebauung wird ein für das Dorfgebiet vernachlässigbarer Mehrverkehr generiert», so der Gemeinderat. Eine spürbare Beeinträchtigung könne ausgeschlossen werden.

Gegen die Teiländerung des Bauzonenplans sind laut Gemeinderat vier Einwendungen eingegangen. Was im Traktandenbericht nicht steht: Eine davon ist eine Sammeleinsprache, hinter der 30 Quartierbewohner stecken. Bei der Einwendungsverhandlung seien sie nicht durchgedrungen, schreibt einer der Einsprecher, Benno Colombo, der AZ.

Weiter heisst es in seinem Brief: «An der Gemeindeversammlung muss über die Teiländerung, nicht aber über das auslösende Bauprojekt befunden werden. Was war zuerst: Das Huhn oder das Ei? Würden alle baurechtlichen Vorgaben eingehalten, müsste die geschützte Hecke nicht verändert werden. Wir Einwender sind der Meinung, dass geltendes Recht für jedermann gelten muss. Würde dieser Bauzonenplanänderung zugestimmt, könnte dies präjudiziellen Charakter haben. Vorgeschriebene Bauabstände von Waldrändern und Gewässern, Grenzabständen, Schutzgebieten, Bauzonenvorschriften etc. wären dann – je nach Fall – nicht mehr sakrosankt.»

Der Kanton sieht das anders: Er hat der Teiländerung des Bauzonenplans zugestimmt.

Steuerfuss soll um drei Prozentpunkte sinken

Das Budget 2020 basiert auf einem Steuerfuss von 92 Prozent. Das sind drei Prozentpunkte weniger als bisher. Bei einem Gesamtumsatz von 13,66 Mio. Franken macht die Einwohnergemeinde einen Verlust von 70'500 Franken (ohne Eigenwirtschaftsbetriebe).
Die Stimmbürger entscheiden am Freitag auch über Kredite: Der Ersatz der Wasserleitung Kilbigstrasse kostet 384'400 Franken, die Kanalisationssanierung 25'070 Franken. Für die Erneuerung der fast 100 Jahre alten Wasserleitung im Weiler Hard sind 646'400 Franken vorgesehen, die Sanierung der Entwässerungsleitung kostet 190'300 und die Belagssanierung 208'100 Franken.

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