Region
Freitag, der 13. – wie abergläubisch sind die Aarauer?

Fahrprüfung oder gar ein Termin auf dem Standesamt – beeindruckt der Freitag, der 13., die Bevölkerung? Im Kantonsspital Aarau hat jedenfalls noch nie jemand eine Operation deswegen verschoben.

Lucius Müller
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Auf das Zimmer mit der Nummer 12 folgt gleich die 14. So beugt man dem Aberglauben im Hotel Kreuz in Suhr vor.

Auf das Zimmer mit der Nummer 12 folgt gleich die 14. So beugt man dem Aberglauben im Hotel Kreuz in Suhr vor.

Mario Heller

Nur einmal fällt der Dreizehnte des Monats dieses Jahr auf einen Freitag. Heute. Obwohl der Freitag, der 13., als Unglückstag gilt, behaupten die meisten Menschen, sie seien nicht abergläubisch. Das hat auch eine Umfrage gestern in Aarau ergeben. Doch stimmt das wirklich? Wir wollten von Hoteliers, dem Spital, Fahrlehrern und Theaterleuten der Region wissen, ob sie die Zahl 13 tatsächlich kaltlässt.

Die Nummer 13 wird gemieden

Viele Hotels der Region sind zu klein, sodass sie gar nicht 13 Zimmer auf der Etage haben. Doch zumindest im Hotel Kreuz in Suhr gibt es kein Zimmer mit der Nummer 13. Direktor Daniel Götschi erklärt: «Aus Rücksicht gegenüber abergläubischen Gästen, haben wir die Nummer 13 ausgelassen.» Sogar im Kantonsspital Aarau waren die Erbauer offenbar abergläubisch. Mediensprecherin Andrea Rüegg sagt: «Im Haus 7 gibt es das Zimmer 13 nicht.»

Renato Manhart, Aarau «Nein, ich habe zwei schwarze Katzen zu Hause. Wenn ich dran glauben würde, würde ich sagen, dass sie mir sogar Glück bringen.»
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Eva Häfliger, Erlinsbach «Ja, schon ein bisschen. Am Freitag dem Dreizehnten habe ich schon etwas ein mulmiges Gefühl, obwohl noch nie etwas passiert ist.»
Kurt Erler, Beinwil am See «Nein. Aber an einem Freitag, dem 13., habe ich mich einst ernst verletzt. Das kommt mir jeweils doch in den Sinn.»

Renato Manhart, Aarau «Nein, ich habe zwei schwarze Katzen zu Hause. Wenn ich dran glauben würde, würde ich sagen, dass sie mir sogar Glück bringen.»

Mario Heller

Sonst aber lassen sich die Menschen tatsächlich kaum vom Datum beeinflussen. Patienten, die ihre Operation verschieben wollen, weil diese auf den Freitag, den 13., fällt, sind dem Spital nicht bekannt. Am «Unglückstag» stelle man auch nicht auffällig viele Notfälle fest, so Rüegg.
Mehr Unglück, das heisst mehr Unfälle an diesem Tag, kann übrigens auch Barbara Senn, Mediensprecherin der Suva, nicht bestätigen: «An Freitagen, die auf einen Dreizehnten fallen, passieren nicht mehr oder weniger Unfälle als an normalen Freitagen. Aufgrund verlängerter Wochenende passieren an Freitagen sogar weniger Berufsunfälle als an anderen Wochentagen.»

Weniger Trauungen

Wer will aber an einem Freitag, den 13., heiraten? Immerhin drei Paare tun das morgen in Aarau. «Das sind etwas weniger als an normalen Freitagen, die sonst sehr beliebt sind», sagt Beat Koch vom Zivilstandesamt Aarau. Durchschnittlich werden an Freitagen zwischen 5 und 8 Paare getraut. Koch erzählt: «Es wird eher auf spezielle Daten geachtet. So musste ich ein Paar an einem 11. Oktober genau um 11 Uhr 11 trauen. Nach deren Ansicht standen die Sterne in einer optimalen Konstellation.» Eine der drei Bräute, die sich morgen das Ja-Wort geben, ist Xenia Geier aus Oberentfelden: «Für mich ist Freitag der Dreizehnte ein Glückstag. Ich kehre es ins Positive. Es soll regnen, aber auch das ist kein schlechtes Omen. Regen an der Hochzeit bringe Glück, findet meine Mutter», sagt Geier.

Teddy an der Autoprüfung

Trauen sich auch die Fahrlehrlinge am Freitag den Dreizehnten auf die Strasse, beziehungsweise an die Fahrprüfung? Richard Spathelf, Leiter der Sektion Verkehrszulassung Aargau, sagt: «Wir stellen überhaupt nichts fest. Sämtliche Termine sind vergeben.» Fahrlehrerin Silvia Zanelli aus Erlinsbach drängt ihre Fahrlehrlinge sogar, die Prüfung am Dreizehnten zu machen: «Für mich ist es ein Glückstag. Noch nie hat einer meiner Schüler an einem Freitag dem Dreizehnten die Fahrprüfung nicht bestanden.» Und egal, an welchem Tag man die Fahrkünste beweisen muss, der Glücksbringer darf nicht fehlen: «Dass der Teddybär auf der Rückbank mitgefahren ist, ist auch schon vorgekommen», lacht Zanelli.

Spucken bringt Glück

Theaterleute sind bekannt für ihren Aberglauben. Auch in Aarau? «Wir haben sogar zwei Aufführungen heute, das kommt schon gut», sagt Peter-Jakob Kelting, Leiter des Theaters Tuchlaube. Doch das Abergläubische kennt auch er: «Essen und Hüte auf der Bühne bringen Unglück, ausser sie gehören zum Stück. Damit alles nach Plan läuft, spucken sich die Mitwirkenden vor dem Auftritt drei Mal über die rechte Schulter.» Wird das wirklich gemacht? «Ja», bestätigt Kelting.

Woher dieser Aberglaube kommt, dafür hat der römisch-katholische Pfarrer in Aarau Adrian Bolzern eine Vermutung: «Der Freitag ist negativ belastet, da Jesus am Karfreitag gekreuzigt wurde. Zwölf ist eine heilige Zahl: zwölf Jünger, zwölf Stämme Israels. Dreizehn ist sozusagen, zu viel des Guten, und wird deshalb negativ konnotiert.»