Zum 50-Jahr-Jubiläum
Erlinsbacher schrieb einst der Gotthardbahn ein Hörspiel

1932 wurde Dramatiker Cäsar von Arx als Hörspiel-Autor gefeiert

Hans M. Eichenlaub
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Cäsar von Arx 1944 in seinem «Schreibhäuschen». Es stand am Lätthübel-Hang in Erlinsbach AG. Das heisst: Von Arx lebte zwar im Solothurnischen Niedererlinsbach, schrieb aber meist im Aargauer Teil des Dorfes.

Cäsar von Arx 1944 in seinem «Schreibhäuschen». Es stand am Lätthübel-Hang in Erlinsbach AG. Das heisst: Von Arx lebte zwar im Solothurnischen Niedererlinsbach, schrieb aber meist im Aargauer Teil des Dorfes.

Keystone

Andere Zeiten, andere Medien: Heute wird die Eröffnung des Neat-Tunnels multimedial vermittelt. Im Mai 1932 war das noch ganz anders. Damals sendete das Radio Beromünster ein Hörspiel «Zum Jubiläum 50 Jahre Gotthardbahn – 1882–1932» – im Auftrag der SBB verfasst von Cäsar von Arx, dem damals bedeutendsten Schweizer Bühnenautor, wohnhaft im solothurnischen Niedererlinsbach. Der Dramatiker gilt allgemein als Vorläufer von Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt.

Alles live inszeniert

Als Cäsar von Arx seinen Beitrag zum Gotthardbahn-Jubiläum leistet, steckt das Hörspiel als Ausdrucksform der Radiokunst noch in den Kinderschuhen, werden doch erste Hörfolgen oder eben Hörspiele von den Radiostudios Bern, Zürich und Basel ab 1925 gesendet. Die Urausstrahlung des Von-Arx-Opus erfolgt am 27. Mai 1932 als Live-Inszenierung, Aufnahmen auf Band oder anderen Tonträgern gibt es noch nicht. Es wird auch sein einziges Originalhörspiel bleiben. Trotz herausragenden Kritiken in den massgebenden Zeitungen wendet sich der Autor weiterhin der Bühne zu.

Cäsar von Arx

Der 1895 in Basel geborene und 1949 in Niedererlinsbach am Todestag seiner Ehefrau aus dem Leben geschiedene Cäsar von Arx wird zuerst bekannt als Verfasser von historischen Festspielen wie etwa 1924 in Aarau mit dem Spiel «Die Schweizer» zur 100-JahrFeier des schweizerischen Schützenvereins, vor allem aber als Autor von zahlreichen Bühnenwerken, von denen nicht wenige ihre Uraufführung am Zürcher Schauspielhaus erleben. So 1931 sein einziges Dialektstück, «Vogel friss oder stirb», und als sein grösster Erfolg 1934 sein meistgespieltes Drama «Der Verrat von Novara», das erste Schweizer Bühnenstück, das ins Programm des Wiener Burgtheaters aufgenommen und insgesamt in sieben Sprachen übersetzt worden ist. (HME)

Beromünster-Hörerinnen und -Hörer werden an jenem Mai-Abend sofort in den Bann des Geschehens gezogen: Zum Auftakt erklingt die Signalglocke eines Bahnhofs. Wir hören den Lärm des einfahrenden Zuges, heftig knirschen die Bremsen.

Dann laut und deutlich die Stimme des Kondukteurs: «Göschenen! Fünf Minuten Aufenthalt! Cinque minuti di fermata!» So stimmungsvoll beginnt das Hörspiel, das Cäsar von Arx bescheiden «1882–1932» betitelt, das jedoch laut dem im «Verlag der SBB-Revue Bern» erscheinenden Textheft «Hörspiel zum Jubiläum der Gotthardbahn» heisst.

In diesen wenigen Minuten des Zwischenhalts vor der Einfahrt in den Tunnel Richtung Süden erzählt der Autor auf sinnliche Weise die Chronik der Pass- und Bahngeschichte inklusive des Tunnelbaus in zehn prägnanten Hörbildern. «Bemerkenswert», fand etwa die Basler «National-Zeitung», «wie von Arx – ausgehend von der verbreiteten Symbolik des Gotthards als Kreuzungspunkt, an dem die verschiedenen Sprach- und Kulturräume aufeinandertreffen – die Vielfältigkeit der Dialekte und (Landes-)Sprachen akustisch wirkungsvoll verwendete. Diese Qualitäten verliehen dem Gotthardspiel Modellcharakter.»

Und die «Neue Zürcher Zeitung» sprach von einem «eindrucksvollen, akustisch überreichen Spiel». Ein Spiel übrigens, in dem der bei der Tunneleröffnung 1882 bereits verstorbene Erbauer Louis Favre ebenfalls zu Wort kommt, in einer Art Rückblende im Dialog mit seiner Frau. Die Hörspiel-Regie lag in den Händen von Paula Ottzenn, Schauspielerin am Berner Stadttheater. Bei einer zweiten Inszenierung, live ausgestrahlt 1939, führte Ernst Bringolf, Dramaturg im Berner Radio-Studio, Regie.

Der Hörspieltext ist greifbar in: «Cäsar von Arx – Werke 4: Dichtungen, Vorträge, Feuilletons 1913–1948», Schwabe- Verlag Basel, 2008.

Hörspiel-Müsterli «Härdepfel mit Späggemeggli» «Guschti, mach Platz, dass das Fräulein use ka. Jä-so? Exgüsi.»«Schuggi! Bring-mer au e Schinggebretli mit und e bar Mandarinli, wenn’s hett, aber nit grad vo de tiirschte!»«Wottsch nit lieber ko ne Täller Suppe-n-ässe?»«Was gitts firegi?»«Härdepfel mit Späggmeggli.»«Kostet?»«Fünfundvierzig Rappe.»

Hörspiel-Müsterli «Härdepfel mit Späggemeggli» «Guschti, mach Platz, dass das Fräulein use ka. Jä-so? Exgüsi.»«Schuggi! Bring-mer au e Schinggebretli mit und e bar Mandarinli, wenn’s hett, aber nit grad vo de tiirschte!»«Wottsch nit lieber ko ne Täller Suppe-n-ässe?»«Was gitts firegi?»«Härdepfel mit Späggmeggli.»«Kostet?»«Fünfundvierzig Rappe.»

ZVG

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