Aarau
Entwurzelter Baum beschädigt Echolinde

Der Sturm Sabine fordert ein prominentes Opfer: Die Aarauer Echolinde wurde in der Nacht auf Dienstag stark in Mitleidenschaft gezogen.

Michael Küng
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Echolinde
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In Aarau wurde die für die Stadt wichtige Echolinde von einem umgestürzten Baum stark in Mitleidenschaft gezogen.
 Baumpfleger Lukas Kauffungen und ein Mitarbeiter im hohen Geäst der Echolinde.

Echolinde

Michael Küng

In der Nacht von Montag auf Dienstag dürfte es oberhalb des Zelgli-Quartiers in Aarau mächtig geknallt haben: Sturm Sabine hat eine Buche entwurzelt, die über den Waldweg in das mächtige Geäst der Echolinde gekracht ist. «Rund ein Viertel des Astwerks der Echolinde ist weg», sagt Stadtförster Roger Wirz. Noch am selben Tag hat er einen Baumpfleger aufgeboten, der sich um die Schäden an der Echolinde gekümmert hat – damit kein Wasser in die offenen Stellen laufen und dort Fäule verursachen kann. «Diese Behandlung hat die Echolinde bekommen, weil es sich um den historischen Baum schlechthin in Aarau handelt», sagt Wirz. So sollte die mächtige Linde die folgenreiche Sturmnacht gut überstehen, sagt er. «Die Echolinde hat schon manchen Sturm überstanden.»

Der Stadtförster geht davon aus, dass eine starke Sturmböe die auf die Echolinde gestürzte Buche am gegenüberliegenden Waldrand gefällt hat. «Das hat mich selber erstaunt, denn ihr Wurzelwerk war eigentlich in gutem Zustand». Doch eine starke Böe könne eben jeden Baum erwischen.

Der Aarauer Baumpfleger Lukas Kauffungen war schon wenige Stunden nach dem Anruf des Stadtförsters mit seinem Team vor Ort. Nach dem Einsatz im hohen Geäst der Echolinde weiss er: «Es hat alles gut geklappt, die Echolinde wird das gut überstehen».

Wald hat Sturm gut überstanden

Der übrige Wald im Gebiet des Forstbetriebs Region Aarau hat vereinzelte Streuschäden erlitten, verzeichnet aber keine Flächenschäden, so Roger Wirz. «Solange es windet, ist es weiterhin ratsam, sich nicht unter Bäume zu begeben», sagt er. Vorsicht sei auch geboten wegen Bäumen, deren Wurzelwerk sich gelockert haben könnte. «Auch im Hinblick auf die weiteren Prognosen, denn für das Wochenende oder Anfang nächster Woche ist bereits der nächste Sturm angekündigt», warnt Wirz.

Aarau und seine Echolinde

Die Echolinde hat grosse Bedeutung für Aarau. Auf einer Anhöhe über der Stadt gelegen bietet sie eine Aussicht entlang der Jurakette bis zu Schloss Lenzburg und darüberhinaus. Die grosse Lichtung am Waldrand, an der die Echolinde steht, hat eine lange Geschichte. So nehmen Historiker an, dass dort oben im Mittelalter das Landgericht stattgefunden hat, auf einer halbrunden, in den Wald geschlagenenen Lichtung, deutlich kleiner noch, als sie heute ist.

In den Hungerjahren von 1816 und 1817 versuchte die Stadt Aarau, durch das Anpflanzen von Nahrungsmitteln auf der Lichtung für Linderung zu sorgen. Doch weil der Regen ausblieb, sprachen die Leute bald davon, dass es auf der Anhöhe «aussieht wie in Neufundland». So wird es in den Aarauer Neujahrsblättern von 1945 erzählt. Und weil Neufundland zu Amerika gehört, sprach bald alles nur noch von «Amerika», wenn es über die Anhöhe mit der heutigen Echolinde sprach. Ein Name, der vereinzelt noch heute Verwendung findet.

Und woher hat die Echolinde selbst ihren Namen? Das findet heraus, wer von der Echolinde aus in den angrenzenden Tannenwald ruft. Schon im 19. Jahrhundert wurde den Kindern beim Spaziergang gesagt, dass wenn sie brav sind, dann dürfen sie bei der Echolinde «Hurra» rufen – und dem Echo lauschen.

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