Aarau
Eine Gasse wehrt sich gegen die Party-Bar im «3. Stock»

Anwohner, Läden und Wirte der Kronengasse sammeln Unterschriften gegen den «3. Stock». Denn nirgends schwappt der Betrieb so sehr auf die Strasse hinaus wie im «3. Stock».

Sabine Kuster
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So ruhig ist es in der Kronengasse nur bis der Abend anbricht.

So ruhig ist es in der Kronengasse nur bis der Abend anbricht.

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In der anhaltenden Diskussion um das Nachtleben in der Aarauer Altstadt ist ein Lokal besonders in der Kritik: die Bar «3. Stock» an der Kronengasse. Es ist jene Bar, die am meisten auch ein Club ist, ein Ort für Party. Auch in zwei, drei anderen Aarauer Bars legt ab und zu ein DJ auf und im Boiler Club im Keller an der Rathausgasse finden regelmässig Partys statt. Doch nirgends schwappt der Betrieb so sehr auf die Strasse hinaus wie im «3. Stock».

Die Bar läuft sehr gut: Oft reicht die Schlange der wartenden Gäste quer über die Gasse bis zum Restaurant Oliv hinüber. Ausserdem verkehren im «3. Stock» speziell junge Gäste, die generell lauter sind und mehr Abfall hinterlassen.

Protestbrief mit 30 Unterschriften

Dagegen wehren sich nun Anwohner, Ladenbesitzer und Wirte. 30 Parteien – nahezu alle – in der Kronengasse und den ersten Häusern der Laurenzentorgasse haben einen Protestbrief an den Stadtrat unterschrieben. Darin ist die Rede von «massiver Lärmbelästigung durch Gäste und Musik des ‹3. Stock› während und weit über die Öffnungszeiten hinaus», von Verunreinungen in der Gasse (Erbrochenem und Urinieren vor den Lokalen), von Vandalismus und einer Ausweitung der bewilligten Fläche «bis fast über die ganze Gasse hinaus».

Man habe die Situation ein Jahr lang beobachtet, heisst es im Brief und mehrfach probiert, mit dem Geschäftsführer einen Weg zu finden. Das sei leider nicht gelungen.

Andere beklagen Umsatzeinbussen

Selbst die benachbarten Restaurants protestieren, gerade weil auch ihre Gäste draussen sind: Sie monieren, es seien «ganz klar Umsatzeinbussen festzustellen», da es den Gästen des «Oliv» und der «Krone» nicht möglich sei, nach 22 Uhr draussen gemütlich zu plaudern. Schon in diesen Tagen, mit wärmeren Temperaturen, nähmen Lärmbelästigung und Littering wieder zu. Ausserdem müssten sie immer wieder fremde Gäste von ihren Stühlen vertreiben. Die Abschrankung, welche den Bereich des «3. Stock» anzeige, sei wirkungslos und reduziere auch den Lärm nicht.

Dass auch die Bewohner dieser Gasse eine speziell hohe Toleranzgrenze haben müssen, ist klar. Auf Anfrage sagte gestern aber selbst ein junger Bewohner im Haus Nummer 4: «Es hat sich mit dem ‹3. Stock› merklich verändert. In der Stube müssen wir den Fernseher lauter stellen um den Lärm zu übertönen.» Im selben Gebäude seien schon Studenten ausgezogen, weil sie sich beim Lernen nicht konzentrieren konnten, heisst es.

Einzelne nehmen es gelassen. An der Kronengasse 2 sagt Thomas Huber: «Mir gefällt es, wenn etwas läuft.» Er habe aber gute Fenster und das Schlafzimmer liege nicht auf der Seite der Gasse.

Wenn es laut wird, haben die Geschäfte bereits geschlossen. Fast alle haben den Brief dennoch unterschrieben: wegen Littering und Vandalismus. «Uns werden immer wieder die Blumen vor dem Laden ausgerissen», sagt Hansruedi Ruckstuhl von der Filiale des Immobilienhändlers Engel&Völkers. Dort ging kürzlich auch das Schaufenster zu Bruch, weil sich zwei prügelten.

«Die Dosen sind nicht von uns»

Alles die Schuld vom «3. Stock»? Kaum. Betreiber Alessandro Crivaro sagt: «Unsere Gäste dürfen keine Getränke hinausnehmen. Die Dosen und Flaschen, die wir einsammeln, verkaufen wir gar nicht. Die werden vom Bahnhof hierher gebracht.» Seit zwei Wochen würden sie nun jeweils die ganze Kronengasse putzen. Diesen positiven Effekt bestätigt der Inhaber des Herrenmodegeschäfts «Men’s Republic» vis-à-vis.

Dennoch ist die Bar der Haupt-Magnet für eine Menge schwieriger Gäste. Crivaro kann sich der Kritik nicht entziehen. «Wir sind daran interessiert, die Probleme zu lösen», sagt er, die Ideen dazu will er aber nicht verraten. Angesprochen auf die Unterschriftensammlung, verzieht er die Miene: «Ich habe den Eindruck, in der Kronengasse geht es um Konkurrenz. Es herrscht generell eine schlechte Stimmung.»

Die Bar wurde noch nie gebüsst

Auch die Musik sei nicht zu laut, behauptet Crivaro. «Wir haben noch nie eine Busse erhalten.» Das erstaunt. Bei der Stadtpolizei will man dazu aber im Moment nicht Stellung nehmen. «Der Brief ist an den Stadtrat gerichtet», sagt Polizeichef Daniel Ringier.

Manche murren, es würde zu wenig durchgegriffen, weil die Hausbesitzer die Brüder Carlo und Daniel Mettauer sind. Stadtrat Carlo Mettauer sagt dazu: «Wir haben das Lokal als Restaurant vermietet. Es sollen dieselben Massstäbe gelten wie andernorts und Übertretungen genauso streng geahndet werden. Das ist mir schon nur wegen meiner eigenen Reputation wichtig.»

Wie auch Stadtrat Michael Ganz, dem der «Boiler» gehört, trete er in den Ausstand wenn der Rat Themen behandle, welche die Szene betreffen. Das wird bald wieder der Fall sein: Der Stadtrat muss sich mit den im Brief gestellten Fragen befassen. Zum Beispiel: Wie es komme, dass ein eigentlicher Club, der lediglich eine Bewilligung für das Betreiben einer Bar hat, dort geduldet werde?

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