Wöschnau

Eine Familie wohnt mitten auf der Eppenberg-Baustelle

Am Haus mit der rosafarbenen fensterlosen Wand brausen Züge vorbei, daneben sorgen Baumschinen für Lärm.

Am Haus mit der rosafarbenen fensterlosen Wand brausen Züge vorbei, daneben sorgen Baumschinen für Lärm.

Seitdem die SBB mit dem Vierspurausbau zwischen Olten und Aarau begonnen haben, ist die Familie Perabaharan in ihrem Häuschen in der Wöschnau komplett von Lärmquellen umzingelt.

Der 16-jährige Raghit ist der Dolmetscher im Haus der Perabaharans. «Man gewöhnt sich an den Lärm der Züge», übersetzt er seinen Vater Selvaratnam. Wirklich laut seien eigentlich nur die Güterzüge. Doch weil die Fenster im schmalen rosarot getünchten Haus den Geleisen abgewandt sind, stören auch diese nicht sehr stark. «Ausser vielleicht nachts», sagt Raghit.

Seit die SBB mit dem Vierspurausbau begonnen haben, steht das einsame Haus der Perabaharans nicht nur mitten im Industriegebiet, sondern auch inmitten einer Baustelle. Doch auch den Baulärm erträgt die aus Sri Lanka stammenden Familie mit Geduld. Sogar, dass sein Schulweg vorübergehend länger geworden ist, nimmt Raghit gelassen. Die Strasse, die vor dem Haus direkt nach Schönenwerd führt, musste nämlich dem Geleisetrasse Platz machen. Sie wird um drei Meter verschoben, noch näher zum Haus hin.

Hausteil abgeschnitten

Vor über 20 Jahren war Selvaratnam Perabaharan vor dem Bürgerkrieg in Sri Lanka in die Schweiz geflüchtet. Seine Frau Suki zog wenige Jahre später nach. In der Wöschnau fand Selvaratnam Perabaharan für seine Familie in einem Zweifamilienhaus eine feste Bleibe. Als der Nachbar, ein alter Mann, ins Altersheim musste, machten die SBB der Familie Perabaharan das Angebot, dessen Hausteil zu kaufen. Doch das überstieg die finanziellen Möglichkeiten der Familie.

Also wurde der verlassene Hausteil abgebrochen, aus dem Zweifamilienhaus wurde ein Einfamilienhaus. Seither sieht das Haus aus wie abgeschnitten. Die neue fensterlose Hauswand wurde isoliert und schallgedämmt. Und deshalb wachen Raghit und seine kleine Schwester Liana nur selten auf, wenn in der Nacht ein Güterzug vorbeidonnert.

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