SRF-Krimiserie

Die zweite Staffel «Der Bestatter» endet in einer Pfadiübung: Musste das sein?

Wechselbad der Gefühle in der letzten Folge der SRF-Krimiserie «Der Bestatter»: Als Zuschauer ist man hin und her gerissen zwischen glaubhafter Spannung und peinlicher Unprofessionalität. Wollten uns die Autoren einen Spiegel vorhalten?

War es wirklich nötig, den Bestatter Luc Conrad noch provinzieller darzustellen? Musste er sich in der letzten Folge der zweiten Staffel unbedingt als ehemaliger Pfadi «Balu» outen, dem dann sein alter Freund «Dumbo» auf die Fährte der Organhändler hilft?

Verschiedene Szenen in der Folge am Dienstagabend waren nur schwer zu ertragen: Zuerst wird Polizist Dörig alleine geschickt das Hotel zu stürmen, dann bewegt sich die Sondertruppe der Polizei so ruhig und besonnen, dass man denkt, die Autoren der Serie wollten eine Satire über die Schweizer Polizei drehen. Am Ende, als der Bestatter einen Schulterschuss überlebt hat, steht er am Grab seines Freundes «Dumbo» und legt eine alte Pfaditaschenlampe hin. Er bilanziert: Dumbo sei der bessere Pfadi gewesen als er selbst.

Warum wurde den Zuschauern nicht etwas mehr Coolness und Action dafür etwas weniger Spiessigkeit und Rührseligkeit gegönnt? Es gibt sie diese Szenen: Meist ist die Sans-Papiers-Mutter aus Moldawien darin zu sehen und Organhändler Max Lauener. Ihre Auftritte überzeugen! Da ist nichts überzeichnet, die Dialoge gut.

War dieses Wechselbad der Gefühle nötig? Da lassen die Autoren die Kommissarin in einer Anwandlung von Kitsch zum verwundeten Bestatter ins Spitalbett steigen, um in der allerletzten Szene noch schnell und überraschend zu zeigen, wie man auch noch einen Krimi machen kann: Der Gerichtsmediziner öffnet arglos die Tür, um die Sargträger hereinzulassen und wird niedergeschossen. Es ist zu hoffen, dass diese letzten Sekunden der Serie, wegweisend sind für eine (hoffentlich) nächste Staffel mit mehr Krimi und weniger Rührseligkeit.

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